Angst vor dem Glück

4 08 2008

Was macht Menschen verletzlich? Es ist das, wovon man denkt, dass es einem Schutz gegen die Angst bietet. Es ist das Glück, welches, ob hart erkämpft oder zugeflogen, ein zerbrechliches Glück ist. Mit dem Glück wird keine Warengarantie geliefert; es hält einfach nur als Zustand an, interessiert sich nicht für uns, wenn es kommt, und es achtet nicht auf uns, wenn es wieder geht.
Mit dem Glück kommt soviel einher. Angst, es zu verplempern. Angst, die falschen Entscheidungen zu treffen. Angst, es nicht verdient zu haben. Angst, es zu verlieren.
Darin besteht diese Rastlosigkeit, ungeifbare und irdische Verdammnis. Ob wir im Glück schweben oder durch den Bodensatz des Lebens kriechen – wir Seelen sind dazu verdammt stets im Unklaren darüber zu sein, was kommen mag.
Überall lauern die Gefahren.

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Remember remember, the times you surrendered

23 07 2008

Worin liegt der Wert einer Erinnerung?
Liegt sie ausschließlich in der damalig erlebten Emotion, die beim Erinnern wieder erwacht? Liegt sie in der hervorgerufenen Melancholie? Oder ist es einfach nur das Bewusstsein, unter den alten Umständen glücklich in einer Art gewesen zu sein, wie man es nie wieder sein können wird? Unschuldig, unbesorgt, unbedrückt, avantgarde, exqusit, unwissend, jung, frei?
Jedes Mal frage ich mich aufs neue, ob die Fotos, Portaits und Gemälde die wir anfertigen, entweder lang vorbereitet oder aus der Situation heraus, ob sie die Erinnerung an den wahren Moment nicht verfälschen und oberflächlich normal wirken lassen. Sind die besten Fotos nicht immer noch die, welche wir mit unserem Kopf schießen?



Hello Mr. Terrorist

5 05 2008

Eine gute Seite hat Extremismus: Man kann sich in der Diskussion nicht in den Argumenten der Gegenseite verstricken, weil man ihnen nämlich überhaupt kein Gehört schenkt.



Pessimismus pur

13 04 2008

Es wäre möglich die Sache so zu formulieren, dass jeder Atemzug und jeder Herzschlag nur ein vergebliches und panisches Strampeln im letzten und einzigen Todeskampf ist, denn jeder während des kurzen Moments des Lebens kämpft, der ihm zugestanden wird.
Wir leben, weil wir verfallen. Das Reifen ist ein Niedergang. Es gibt keine Perfektion, denn in jedem von uns steckt ein kleiner Faktor, der uns begrenzt: ein toter Nerv, ein kleines Feld in einer Tabelle, dessen Wert gegen alle anderen läuft oder ein kaputtes Lämpchen in einer Leuchtreklame.
Doch gerade diese Fehlfunktion, die in jedem Menschen steckt, die unterscheidet uns von einem Stück totem Holz, einem klumpen Erz oder einem Kieselstein, einem Computer oder einem Schaltkreis. Das macht uns zu Lebewesen.
Das macht uns zu Menschen.



Gerüchte der lebendigen Toten

19 03 2008

Da gibt es doch diese Sache, diese Geschichte mit der Wahrnehmung von Zeit. Aus wenigen Quellen habe ich schon gehört, dass die Zeit, die nach dem achtzehnten Lebensjahr kommt, also der Rest der übrigen Lebenszeit, genauso schnell vergehen soll, wie die ersten 18 Jahre. Woran könnte das liegen? An unserer Gleichgültigkeit? An der abgestorbenen Neugier? An dem Verständnis, dass wir von der Welt gewonnen haben? Wenn in unserem Kopf nichts passiert was uns bewegt, dann bewegen wir uns auch nicht gegen den Strom der Zeit. Aber es ist doch alles eine Sache der Wahrnehmung. Wir nehmen die Zeit nur schneller war, weil wir einzelne Momente nicht mehr wirklich und bewusst wahrnehmen. Und werden Träume auch dazu gezählt? Da gibt es nämlich noch eine Geschichte, von der ich gehört habe.
Jeder kennt das, wenn er müde auf sein Bett sinkt, die Augen schließt und wirres Zeug träumt; durch
Welten verrücktester Natur geistert und sich dabei vorkommt, als sei man auf einem stundenlangen Trip. Doch nach dem Aufwachen sagt mit der Radiowecker, dass seit meinen Einschlafen nicht einmal ganze zwei Minuten vergangen sind.
Im Traum gibt es keine Zeit. Wir können im Traum nicht sagen, dass wir schon seit ungefähr zwei Minuten träumen, weil ein Traum nicht wirklich geschieht, sondern nur aus einem Gedankenblitz besteht – einer Abfolge von Impulsen in unserem Kopf, die sich innerhalb von Sekundenbruchteilen erledigt hat. Deshalb erleben wir die Momente in unseren Träumen auch nicht bewusst, denn um einen Moment bewusst zu erleben muss man in der Lage sein, sich im Nachhinein ebenso bewusst an diesen Moment erinnern zu können. Erst dann findet dieser Moment in unserem Kopf statt. Aber ein Traum ist nur ein Film.
Und nun zum Sterben: Wenn ein Mensch stirbt, dann setzen die Funktionen des Gehirns anscheinend nicht sofort aus, sondern sind noch je nach Todesart eine bestimmte Zeit aktiv (was
sich beim Verglühen im Einschlagsradius einer Atombombe beispielweise erledigt hat. Aber von so einem Scheisstod gehen wir jetzt mal nicht aus).
Nehmen wir doch einmal an, diese Mär von der Geschicht’, dass im Moment des Todes das ganze eigene Leben nochmal an einem vorbeizieht, sei wahr und möglich … könnten wir dann in diesen Bruchteilen der Zeit nicht noch einmal unser ganzes Leben durchleben?
Ob das jetzt wissenschaftlich korrekt sein mag oder nicht, das sei mal dahingestellt. Aber alleine die Vorstellung von der Sache, dass man in diesen Bruchteilen der Zeit ein unendlich langes Leben wahrnehmen könnte, die ist beeindruckend. Ob wir in dieser Zeit etwas verändern können, das ist nicht entscheidbar, denn woher wissen wir, dass wir überhaupt etwas verändern. Wissen wir es jetzt, in diesem Moment, ob wir etwas verändern können, oder ob unsere komplette Wahrnehmung schon vorbestimmt ist?
Beunruhigend finde ich deshalb bei dieser These allerdings, dass man sich doch eigentlich nicht
darüber im Klaren sein kann, ob man genau in diesem Moment, in welchem ich diesen Artikel schreibe und ihr ihn lest, dass man in diesem Moment möglicherweise schon diesen letzten Traum durchlebt und eigentlich schon lange tot ist.

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In the jungle the lion sleeps tonight …

12 01 2008

Etwas muss an der Sache doch dran sein. Alle, die ihr Schülerleben schon hinter sich gelassen haben, seien es Freunde, Verwandte oder Lehrer, predigen einem sehr glaubwürdig, dass wir als Schüler doch noch glücklich sein können. Verklärt man die Vergangenheit nicht fast durchgängig für unerreichbar, für die gute alte Zeit? Oder ist da in diesem Fall etwas anderes dran?
Eigentlich kann man die Schule als einen dichten Dschungel bezeichnen, einen wilden gefährlichen Raum voller Lianen über die man stolpern und Sträucher in die man hineinfallen kann. Die wilden Raubtiere klassifiziere ich mal lieber nicht, aber unter denen kann sich jeder vorstellen, wen er will. Mit unserer Hand umklammern wir fest ein lange Machete, ein Werkzeug welches uns dabei hilft, uns durch den Schulalltag zu schlagen, den Schweiss auf der Stirn, im Morast watend. Die Luft ist feucht, wirkt einschläfernd und nur die hellen Strahlen die hier und da durch das dichte
Blätterwerk der Baumkronen fällt und die verkratzte Klinge der Machete glänzen lässt, schenken einem die Zuversicht, dass am anderen Ende des Tunnels, hinter dem letzten Baum, eine weite, in Sonnenlicht getauchte Wiese auf uns wartet. Schritt für Schritt geht es vorwärts und einige müssen auch mal Rast machen und sinken geschwächt und resigniert auf einen Baumstumpf und wieder andere, die bleiben im undurchsichtigen Dickicht zurück.
Irgendwann dann, reissen wir den letzten Ast aus unserem Gesicht und stolpern in die Freiheit, die einen in eine Steppe, die am Horizont keine Ziele birgt, andere ins nächste Abenteuer. Nun brennt die Sonne mit ihrer vollen Kraft auf den Kopf, denn jetzt ist da kein schattenspendender Wald mehr, der uns vor der ungehemmten Einstrahlung aus dem Himmel schützt.
Und da wird mir bewusst, dass man bei aller Verbitterung und allen Gedanken, die sich schon Jahre voraus in der Zukunft ihr Plätzchen suchten, das eigene Blickfeld durch diese Anstrengungen so eingeent war,
dass sie die Sicht auf das Schönste versperrt hatte: die farbenfrohen und exotischen Pflanzen, die frischen Früchte an den hohen Ästen, die grüne und unberührte Natur – auf das Leben.
Wir werden sehen …



Einfach gut?

24 10 2007

Nein, nur weil sie damals von Andy Warhol produziert worden sind, und als Ikonen oder so ein Schrott gelten, muss ich Velvet Undeground nicht gut finden. Mal rein musikalisch. In harten Worten: Ihr erstes legendäres Album, hört sich in meinen Ohren total langweilig an.
Nur weil alles Kunst ist und es Leute gibt, denen die Musik gefällt, muss man sie nicht gerne anhören.
Das ist ein guter Ansatz: Man darf Musik auch scheisse finden!



Vakuum

6 10 2007

Mit der Zeit geht mir das langsam alles auf den Sack. Jede Woche ist im Endeffekt gleich, jeder Abend endet gleich. Jede Prüfung läuft im Endeffekt gleich ab, jede Party endet im gleichen Rausch, welcher Art er auch sein mag, jeder Film endet mit den gleichen Sätzen, jedes Lied hat den selben Rythmus; alles läuft auf die gleiche Trägheit hinaus. Da habe ich das Gefühl, ich würde in einem Vakuum leben, dass seine unüberwindbaren Grenzen in alle Richtungen auf allen Ebenen zieht. Versinkend im Sumpf, wühlend in meinem viel zu großen Musikarchiv reize ich mein Gehirn mit dem Maximum an Klangvielfalt, das die Welt zu bieten hat. Reizüberflutung des Gehörgangs, während sich fortschreitende Abstumpfung der eigenen Seele breit macht. Nichts ist gut genug. Durch den Bildschirm habe ich den informellen Zugang, mit meinen Augen und Ohren zu allen Teilen der Welt. Mich beschleicht das Gefühl, als gäbe es nichts mehr Neues zu erfahren an Wissen und
Impulsen, als gäbe es nichts mehr zu sehen, was ich noch nicht durchdacht habe.
Wie stehen jeden Tag an einem neuen Anfang – der Meinung war ich lange treu. Doch die Realität sieht anders aus: Sie ist eine Lüge.
Je älter man wird, desto weniger kommt man damit hinterher, in alten Bildern und Erinnerungen zu schwelgen, und jeden Tag das zu wiederholen, was man gestern eigentlich noch zum letzten mal tun wollte
Weil wir alles haben, denken wir nicht mehr nach und alles läuft nur noch zweckmäßig, einfach so wie es soll. Bahnen fahren ab, Autos fahren herum, Geld wechselt seinen Besitzer.
In Flames haben so recht mit ihrem Lied “Vacuum“:

The yesterday we loved speaks of tomorrow.
The burden of man is that time never takes a pause.
We live from Monday to Sunday but forget what it
means.
Then a ghost comes to visit and we tell stories from tabloids
Call all your friends watch fake photos from a made up vacation speaking in tongues about ancient artifacts …

Wie oft habe ich das Lied gehört und dabei abfällig über die beschriebenen Menschen gedacht, über diese oberflächlichen Trolle, die nichts besseres wissen, als ihr Leben abzuleben und war dabei so von mir selbst überzeugt, dass ich nicht gemerkt habe, wie in diesem Lied jemand beschrieben wird, den ich doch eigentlich sehr gut kennen sollte.
Nämlich ich selbst.



Stand der Dinge

25 07 2007

So, nun beginnen die letzten Sommerferien meines Lebens. Bewerbungsfirsten sind jetzt schon 5 vor 12, und es läuft alles anders, wie man es sich gedacht hat. Alles was in der Zukunft liegt, auf das man gespannt hinarbeitet, verliert, je mehr man sich dem Zeitpunkt nähert, ziemlich schnell seinen Zauber.
Je älter man wird, desto mehr stumpft alles ab. Das Verlangen nach neuen Abenteuern wird kleiner, der Blickwinkel weiter. Man betrachtet alles aus immer größerer Entfernung und erinnert sich kaum noch an den Kampf mit sich selbst in der Hundehütte, sondern schwebt gleichgültig und taub über den Wolken.
Das Leben verliert seine Musestunden. Ich befürchte, mit solchen würde ich auch nicht mehr viel anfangen. Ich brauche immer etwas zu tun, und wenn es etwas total unkonstruktives und idiotisches ist. Nur etwas tun.
Kommt mir im Sommer meistens so vor, oft zumindest, glaube ich. Vielleicht die nachklingenden Symptome eines Gute-Laune-
Overkills.

Was mir heute noch so durch den Kopf schoss:

Glaube heisst nicht dem zu folgen was ist, sondern dem zu folgen was sein muss.



Gedankefahrt

1 03 2007

Rauschend durch grüne Wiesen, glitzernd nass und funkelnd im goldgelben Sonnenlicht, umgeben von dunkelgrünen und braunen Baumwipfeln, der strahlend weißen Sonne entgegen über die Landstraße; so könnte das immer sein denke ich mir, und alles was stört und zwickt löst sich in Wohlgefallen auf. Der Kopf ist frei von aufreibenden Gedanken und der Blick schweift nur am Horizont entlang und über die Straße mit ihren kleinen Wasserlachen. Durch die nass geregneten Ortschaften, mit immerzu dem glühenden Lichtkegel vor den Füßen und Spritzwasser an der Frontscheibe – so kann man glücklich werden.
Nach dieser Freunde beginnt die Zeitperiode der perfekten Vorraussetzung, die zurückgestellten Konstrukte, welche endlos Straßen und Linien auf die Seele zeichnen, in Angriff zu nehmen und vorerst in der Schublade der Gewissheit zu verstauen.

Wer den Geschmack anderer verlacht, der sollte darauf achten,
sich beim Lachen nicht auf die Zunge zu beissen.

Jedesmal verspüre ich Ärger in mir, wenn ich sehe und höre, wie über der Geschmack anderer durch den Kakao gezogen wird, vor allem wenn es sich dabei um Dinge handelt, die demjenigen besonders wichtig sind. Möglicherweise ist es Schwachsinn, das demjenigen wichtig ist, oder unnötig und unverständlich. Doch es reicht, sich einmal in die Situation dieser Person zu versetzen, und man merkt: Ich würde wohl nicht anderes denken und handeln.
Jedoch muss ich sagen, dass mein eigener mahnender Zeigefinger, auch oft mit süßem Honig überzogen in das Kakaopulver taucht, und eine gierige Zunge die süße Essenz vom Finger saugt.
Aber es ist wohl jedem ein Gefallen getan, sogar ein einem selbst, wenn man dieses Verhalten abstreift.
Sauschwer, aber philantrop.