Der Hausmeister

7 05 2008

Sie klopfen
an die Türe,
stehen draußen,
die Arme voller Speis’ und Trank,
vor dem ausgebrannten Haus,
dessen Hausmeister – ein böser Kerl,
mit seinem mächtigen Schlüsselbund
alles verriegelt und verrammelt hat.

Und die Bewohner,
zwischen blankem Beton und Asche,
verrecken im Dreck, an der Asche erstickend, im Dunklen ohne Dach,
weil der Hausmeister – der böse Kerl – seinen Schlüsselbund nicht leihen will,
weil Macht so schön in den Ohren klimpert.
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(Sinnloser mussten Menschen noch nie sterben. Und wenn Menschen so sinnlos sterben, dann zeugt jeder Reim von einer Harmonie, welche die Situation nicht verdient hat.)



Der Himmel ist blau

25 11 2007

Der Himmel ist blau und doch so leer
jede Entscheidung fällt so schwer
die Wolken, die Träume, segeln daher
Vögel fliegen keine mehr.

Wieviele Träume mag es geben
die man vergaß zu leben
damals so hell und real
heute unter alten Büchern im Regal.

Möge das niemals so enden
das Leben kann man nicht verschwenden
denn wenn im Auge eine Träne brennt
dann lebst du genau in diesem Moment.

greifen-nach-dem-himmel.jpg

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Müde Augen blicken aus dem Fenster

13 10 2007

wolkenokt07.jpg

Diskutieren von Fragen, deren Antworten nicht exisitieren,
Lesen von Visionen, die niemals können wahr werden,
Uns verlassen auf Menschen die wir verlieren,
Greifen nach Idealen, die sterben.

Jagen nach Zielen, die schon längst weiter sind,
Kämpfen für eine Zukunft, die es nicht geben kann,
Sparen von Zeit, die dir verrinnt,
Leben für eine Welt, die dich nicht brauchen kann,
denkst du,
weil du nicht weißt, wohin …

Blätter, die verwesen,
Farbe, die abblättert,
Stützen, die verrosten,
Äpfel, die verfaulen.

Und ich mittendrin.

Auch mal durchlesen



Zwiespalt

1 07 2007

Voll Fehler, töricht und besessen,
von Fragen die wir nie vergessen,
gejagt vom Willen zu verstehen,
können wir die Welt nicht sehen.

Mit Logik die sich selber frisst,
Leere predigt, flüstert, schreit,
das Leben nur an Zahlen misst,
man keinen von der Qual befreit.

Kein Lichte soll dort oben sein,
kein Sinn und Halt in Gottgestalt,
versteckt durch der Sterne blendend Schein,
Leben für etwas, sterben für nichts.

Doch Hoffnung streichelt mein Gesicht,
wenn man von diesen Fragen spricht,
zeigt mir täglich diesen Weg,
auf dass ich einmal ewig leb’.



Herr Zeit

17 05 2007

Wenn man zuviel Zeit hat, dann beginnt man, mit Zeit verschwenderisch umzugehen. Aber: Kann man Zeit überhaupt “verschwenden”? Zeit ist doch sowieso etwas relatives, eine Einteilung die wir uns selbst auferlegen. Ein Maß, welches uns unseren Alltag erleichtern soll, weil es dafür sorgt, dass wir uns nicht mehr verpassen, mehr oder weniger …

An all diese Dinge dachte einer niemals. Jeden Tag saß er da, und tat nichts. Er saß alleine und einsam auf einer Parkbank zwischen englischem Rasen, Blumenbeet, Spielplätzen und überfüllten Mülleimern. Keiner wusste, wo dieser Mann wohnte. Weder war bekannt, wie er
hieß, noch wusste jemand Bescheid, ob er überhaupt sprechen konnte.
Man kann komischerweise sagen, die Zeit gab ihm seinen Namen. Für die Kinder und jungen Mütter, für die Jogger und Spaziergänger war er nicht namenlos.
Seine Name war Herr Zeit.
Scheinbar ein zeitloser Name, denn obwohl ihn jeder kannte, kam niemand auf die Idee sich mit Herrn Zeit zu unterhalten und ihn nach seinem wahren Namen zu fragen. Das größte Geschenk war höchstens ein mildes Lächeln. Mal aufgesetzt, mal eher gezwungen und in Eile, so dass Herr Zeit in den Gesichtern der hastigen Seelen mit Rucksäcken und Aktenkoffern bestückt, die Verzweiflung und die Sorgen erkennen konnte, die sie umtrieben. Eigentlich konnte ihn keiner leiden, weil er so faul herumsaß, und dabei so tat, als gäbe es keine Zeit.
Jedoch gehörte Herr Zeit all dieser Ignoranz zum Trotze, in einer bestimmten Weise zum Leben von jedem der ihn kannte dazu, denn jeder konnte sich sicher sein, dass Herr Zeit immer an dieser Stelle sitzen würde,
die Enten am See beobachten, eine Zeitung lesen, die keiner kannte und die Tauben mit Brot füttern würde, von welchem keiner wusste, wo er es her hatte.

Als die Menschen eines Morgens wieder durch den Park liefen, neblig und noch sehr düster war es zwischen den Bäumen und Parkbänken, es muss ein Donnerstag gewesen sein, da war Herr Zeit aber nicht mehr da. Er war vom einen auf den anderen Tag einfach verschwunden.
Da nie jemand gefragt hatte, wie er denn wirklich hieß, und wo er wohnte, geschweige denn sich jemand nach einer Familie oder Freunden erkundigt hatte, konnte sich niemand erklären, wohin Herr Zeit bloß verschwunden war.

Doch ganz spurlos war Herr Zeit den Menschen doch nicht entglitten. Er hatte ein schmutziges Stück Papier zurückgelassen, dass mit einer Nadel an “seine” Parkbank gepinnt worden war.
In ausdrucksloser sauberer und kleiner Schrift waren darauf folgende Zeilen zu lesen:

Sieh, wie sie rennen,
sieh wie sie hasten,
nsich versuchen
gegen die Zeit zu stemmen,
um nichts zu verpassen.

Sehen dabei nicht den Steg,
in Angst vor ihrem Zerfall,
sehen nicht am Horizont,
den letzten Wasserfall.

Das Gedicht landete im überfüllten Mülleimer, der neben der Parkbank die Fahne in den Wind hielt. Keiner hatte Zeit, dass Gedicht zu lesen.
Schade eigentlich.



Hasslyrik

7 04 2007

Er stürmt und rast durch alle Ecken,
keiner kann sich mehr vor ihm verstecken,
tilgt auch noch das letzte Licht,
das durch seine schwarzen Wolken bricht.

Es ist der Hass der zerrt und reisst,
und lechzend in die Seele beisst,
den rosa Schimmer deiner Haut,
letztes Blut aus deinem Körper saugt.

Am Grunde ist die Flucht zu Ende,
dort schimmert das Gesicht so blass,
wo ich im Schlamm des Sees verende,
stirbt zum Glück der letzte Hass.



View on my home town

1 04 2007

[Stadtnamen hier einsetzen]

Sweet green grass on which I lie,
happy birds there crossing high,
watching clouds in a deep blue sky,
wish this moment might never die.

Nothing that the wind could blow,
from what I need and what I like,
no where else I wanna go,
love these things from which I write.

Bright rooftops sparkling to the eyes of mine,
beauty of the fields on which the sun does shine,
this view will dry now all my tears,
this city is taking all my fears.



Gegensätze

23 03 2007

Saftige Brezel am Wüstenrand,
gebrochende Feder vom Regen verbrannt,
schleichend gehetzt keine Pause gemacht,
heiße Nacht im Schnee verbracht.

Fröhliche Klage von früh bis spät,
den Tod vor seiner Geburt erlebt,
beisst sich das Kätzlein in den Schwanz,
und bellt gedichteten Firlefanz.

Wortvorgaben: Brezel, Feder, Pause, Firlefanz



Tauchgang

11 03 2007

Kaltes Wasser. Wie eingefroren. Blauer Kachelboden. Weiße Sonnenflecken.
Blut. Schwarzrote Wolken. Unbeweglich.

Zufriedenes Treiben in der Kälte. Kein Atemzug.
Kein Schmerz. Lächeln.

Vergessen, nie mehr auftauchen. Augen schließen.
Unsterblichkeit.

Hände. Hände greifen nach mir. Reißen mich an die Oberfläche.
Hastiges umblicken. Schreien.
Sind verschwunden.

Alles rot um mich. Pochende Schläfen.
Ich sitze im Blut.

In meinem eigenen.



Resignierte Romantik

9 03 2007

Lieber Sommer kommst du bald,
über Felder, Wiesen und den Wald,
denn wartend auf das Glück der Sonne,
mein Herz springt voller Freud’ und Wonne.

Wenn die Blumen fröhlich sprießen,
wenn gold’ner Staub mich bringt zum Nießen,
dann strahlt die Welt in vollem Glanze,
und kitzelt mich das Leben an der Nase.

Doch kann man noch so oft von dichten,
vom Sommer, Leben und Geschichten,
denn was wär das Leben ohne Depressionen,
wer würde noch in blumig Träumen wohnen … ?

PS.: Reimschemata werden überschätzt. Poesie lodert für mich am hellsten wenn sie von Herzen kommt.
Und warum fällt mir gerade beim letzten Vers der letzten Strophe ewig kein Reim ein?