Lüge, Gift, Niedertracht

23 08 2009

Black Light Burns – Iodine Sky
Durch den dichten Dunst aus staubiger, schweissgetränkter Luft schwankend, stolpere ich über einen schmierigen von Schleim bedeckten Moloch, dem Ersticken nahe durch eine Menschenmenge, die in ihrem vortoten Stadium in schrecklich verrenkter Bewegung verwest. Der schleimige Boden zieht mich zu sich, als wolle er mich umarmen und zu sich holen …

Wenn man noch jung ist, dann hegt man ernsthaft den Gedanken, alles würde besser, sobald man mal älter sein sollte. Man glaubt, dann verschwinde diese innere Unruhe und Suche nach dem, was man allgemein hin als die Suche nach sich selbst und wahrer Bestimmung und Erfüllung bezeichnet. Über allen Erkenntnissen steht am Ende jedoch die eine, die mir ins Ohr flüstert, dass es keinem um etwas Höheres oder Besseres geht, sondern nur darum selbst glücklich zu sein, und möglichst
unbeschadet durch das eigene Leben durchzuschlittern. Träumern und zurückgezogenen Eigenbrödlern kann nachgesagt werden, sie seien der Achterbahn des Lebens nicht gewachsen, doch mittlerweile kann ich sie verstehen – glaube ich bisweilen sogar, selbst einer zu sein. Zwar kann ich mit meiner 20-jährigen Lebenserfahrung nicht behaupten, die Allwissenheit vom Baum der Erkenntnis gepflückt zu haben – es liegt mir fern – doch kann ich wiedergeben und sachlich bewerten, wie die Welt um mich herum in die Scheisse rennt, wie sie es schon seit Urzeiten tut. Immer war ich der Ansicht, hinter dieser Fassade befände sich in Wirklichkeit eine durchdachte Ideologie, voller Anstand und Moral, Gewissenhaftigkeit und Loyalität, Aufrichtigkeit und Rücksicht.
Doch muss ich jeden Tag das Gegenteil beobachten: Beziehungen aus Berechnung, Versprechen für den Machterhalt, Hilfe aus Eigennutz, männlicher Jagdinstinkt, weibliche Intrigation. Bei aller Zivilisation die wir uns aufgebaut haben, sind wir nicht besser als
Tiere – Raubtiere. Und wenn ich das so sage, dann meine ich das so – Wort für Wort.

Manchmal wünsche ich mir nur einen riesigen Knall, der die Menschen, die Gesellschaften und Gemeinschaften mit ihrem eigenen Selbstbetrug konfrontiert und sie mit voller Wucht in den See aus Gift und Lügen wirft, mit dem sie ihre Existenz aufrecht erhalten, damit sie darin alle Ertrinken und vielleicht eines Tages in Aufrichtigkeit wieder ans Ufer schwimmen können. Um nicht zu selbstherrlich zu erscheinen, will ich ehrlich sein mit meiner Vermutung, mich würde dieser Knall ebenfalls nicht verschonen.

Und bevor mir jetzt jemand mit mütterlicher Fürsorglichkeit Pessimismus vorwirft, ich sei ein pubertierendes Schaf (“Wenn du so denkst, kann es doch nicht besser werden. Schau mal den schönen blauen Himmel an, es ist doch Sommer.”), dann rate ich demjenigen, in einer ruhigen Stunde genau über meine Worte nachzudenken, denn der Winter hält bald wieder Einzug.

Das Glück ist hastig
und in Eile, die Einsamkeit jedoch, die hat Muße und die hat Weile.



Biographien

20 06 2008

Lebensläufe können mitunter interessant sein. Meiner ist es bisher nicht, und ich denke, er wird es auch nie sein. Er wird so stinknormal sein wie der Millionen anderer Bundesbürger:
Geboren. Ein Jahr zu spät in den Kindergarten gekommen, dal man Platzmangel hatte. Vier Jahre Grundschule. Gymnasium, Abitur. Studium. Dann möglicherwiese: Beruf. Familie, Kinder, Eigenheim. Dann eine Zeitzone von der ich mir noch nicht wirklich ein Bild machen kann. Nachfolgend die Rente (die ja sicher sein soll). Gechillt. Ableben.
Mal ehrlich – da gibt es Biographien, die um einiges interessanter sind. Ein Beispiel:
Kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges in einem algerischen Armenviertel geboren. Gymnasium mit Stipendium. Philosophiestudium. Heirat – Trennung nach einem Jahr Ehe. Eintritt in die kommunistische Partei. Diplomarbeit, aber wegen Tuberkuloseerkrankung vom Examen ausgeschlossen. Journalist, Schauspieler und Regisseur. Erneute Heirat. Aufgrund
eines kritischen Zeitungsartikels aus Algerien ausgewiesen. Reporter in Paris. Nach Ausbruch des Zweiten Weltkrieges Kampf in der Résistance. Nobelpreis der Literatur. Autounfall mit 47. Tod.
Das war übrigens Albert Camus, der Dichter des Absurden.
Aber muss das heißen, dass ein simpler, der Gesellschaft angepasster Lebenslauf, schon per se schlecht ist? In meinem momentanen Alter kommt man unablässig mit den verschiedensten Lebensentwürfen in Kontakt. Einige haben ja noch mehr oder weniger die Qual der Wahl.
Hochgradig erfolgreicher bestverdienender Manager? Straßenpunk mit Hund – arm aber zufrieden? Selbstständiger Elektrotechniker, der sich dann später mal mit Großfamilie und einem Opel-Astra-Gebrauchtwagen durch sein todsicheres Aktiendepot in den Ruin wirtschaftet? Dauerstudent? High-Society-Journalist, schwebend in der Bohéme, zwischen Cannes und Berlin?
Keine Frage – die Leute wollen aus ihrem Leben etwas besonders machen und das jeder auf seine Weise. Dann gibt’s da noch die
ganz spezielle Art Mensch. Ich spreche von denen, die schon in der Schule für alle zu cool waren. Nein, nicht die schnellsten in Sport oder solche, die als ersten geraucht und gekifft haben. Ich meine die Typen, die sich weder mit den Bonzenkindern noch den Aldi-Jeans-Trägern, nicht mit den Hoppern und nicht mit den Punks abgaben. Ihre Spezies entwickelt sich erst in den ersten Zügen der Oberstufe. Sie tragen Kleidung aus Undergroundshops der Großstadt, hören namentlich ausschließlich Indie-Musik von Bands die sich zum Beispiel “We Were Invincible” oder “The Red Skinny Puppy Evergreen Harrison Ford Killers” nennen, sind eigentlich schon seit dem vierten Lebensjahr Xylophon-Wunderkinder, laufen mit billigen, aber coooolen Fliegerbrillen rum und prahlen mit politischen Einstellungen, von denen der gemein gebildete Nachrichtenzuschauer noch nie etwas gehört hat. Nach der Schule verschwinden diese Gestalten dann ins Ausland zum Work & Travel, meditieren in indischen Tempeln und durchqueren ganz Australien
mit einem alten VW-Bus und einem Transistorradio. Zurück in der Heimat studieren sie dann “archäologisch-physikalische Bioelektronik mit Vertiefungsrichtung südostasiatische Urwaldkulturen” auf Magister und verschwinden in der Folge im Strudel der Zeit.
Dabei bin ich mir noch nicht einmal sicher ob ich einen Vertreter dieses eben gezeichneten Klischeebildes je kennegelernt habe. Es ist ein Frankenstein.
In unserer Zeit muss alles besonders sein, jeder ein Star, ein Promi, extravargant, übertrieben, kinky und total on-the-top. Ob mit, oder gegen den Strom. Warum muss das so sein?
Unterschätze nicht das kleine Glück, die bescheidene Ruhe des Moments, in dem man die eigenen Kinder aufwachsen sieht und mit dem selbsgemachten Glück ohne Glamour und Glitzer, Rolls Royce und Kosmetik, das eigene Leben gestaltet.
Ich zitiere Frederik Hahn aka Torch:

Wie ein toter Baum der still am Straßenrand steht, letztes Zeugnis Gottes Schöpfung
doch – jeder geht daran vorbei. Grün
steht schon lang nicht mehr für Natur.
Kleine bunte Pillen sind die Therapie und die Kur.
[...]
Was muss man tun um heutzutag jemand zu sein
ein Job mit ner Familie und nem Haus? Ha, Nein!
Es geht um mehr, Platz 1, schon lang nicht mehr genug.
Ich red’ von Drogen, fliegen, Freiheit alles Betrug!

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Immer diese Jugendlichen …

5 04 2008

[...]
Meine eigene Jugend (und ich meine jetzt die reale, nicht die berufliche) hielt für meine Eltern auch so manches Rätsel parat. Warum sieht unser Sohn so komisch aus? Warum hört er diese merkwürdige Musik? Warum wählt er eine ganz andere Partei? In allen Fällen hätte ich antworten können: Weil ich euer Kind bin.
[...]

Ein einfach toller Artikel von Markus Kavka bei der ZEIT.



Throw away your television!

4 02 2008

Auf das Fernsehen kann man viel schimpfen; auf den Verfall moralischer Werte, auf unkontrollierte Meinungsbildung, auf die Sinnleere in den Nachmittagsshows, auf den Qualitätsverlust vieler Prime-Time-Serien und auch auf der Informationsverlist der Nachrichtensendungen. Aber das ist nichts im Vergleich zu dem, was Fernsehen in unseren Köpfen anrichtet. Fernsehen betreibt psychologischen Mord.
Zu nahezu jeder Lebenssituation, zu jedem Problem, zu jeder Sorge, zu jeder Sache hat das Fernsehen irgendwann einmal etwas für uns in unserem Hirn abgespeichert. Es hat in uns festgelegt, was normal ist, hat Ängste aufgebaut und Hemmschwellen durchbrochen und tief in uns drinnen, ohne das wir es bemerkt haben, ganz unterbewusst und schleichend, unser Denken und unsere Seele umgeformt, neue Kanäle gelegt, Reize provoziert und Werte eingebrannt. Als Gehirnwäsche kann man es auch bezeichnen. Oder wie kann man es sonst nennen, wenn Menschen schätzungsweise
bis zu 10 Jahre ihres Lebens vor einem Bildschirm sitzen, der uns erzählt, was passiert, was gut ist, was schlecht ist, wer toll ist und wer ein Verlierer ist, wer sterben muss und wer leben muss, was wir kaufen sollen und wen wir hassen sollen, was normal ist und was nicht normal ist. Kollektive Verdummung trifft es besser.
Beginne selber zu denken! Diesen Satz sage ich anderen, aber auch mir selbst. Lest Bücher, lest Blogs, diskutiert mit anderen Menschen über eure Meinung und erweitert euren Horizont und lasst die Entscheidung über richtig und falsch nicht in der Hand von wenigen. Wer will schon eine Marionette sein?
“Throw away your television!”, das singen die Chili Peppers.
Trotzdem schaue ich hin und wieder Fernsehen und verrate somit eigentlich mich selbst.
Aber man darf dabei eines nicht vergessen: Beobachte ihn sorgsam, den Feind, und schlage zu, wenn es nötig ist …



Tatü Tata … Tata

16 01 2008

Wenn man zur richtigen Zeit mal politisch wird, dann sollte das erlaubt sein. Dabei ist es auch wichtig sich mal darüber zu informieren, wie es denn auf der Straße wirklich aussieht. Mir geht es nämlich heute um die bewundernswerte Arbeit unserer Polizei.
Nette Polizisten habe ich schon oft kennengelernt. Junge Beamte vorrangig, die bei Ausweiskontrollen den Rauchern sogar mal Feuer geben, “Aufpasser” mit denen man auch mal einen kleinen Small-Talk halten kann. Dagegen ist nichts einzuwenden, dass ist sogar zu loben: Die Regulatoren der öffentlichen Ordnung in Einigkeit mit ihren Schützlingen – wunderbare Sache, sichere Öffentlichkeit, wenig Kriminalität. Doch manchmal muss man sich echt wundern. VIelleicht ist die Gegend, in der ich wohne, einfach zu verwöhnt, oder leidet unter panischen Angstzuständen.
Bei einer Ruhestörung um 5 Minuten nach
12 durch eine Feier im Jugendhaus werden zur Auflösung und Beendigung der Veranstaltung mehrere Polizeiwagen und Busse inklusive Hunde angefordert. Unbemerktes Patrouillieren um das Objekt, mit Blick auf die Uhr, und dann um Punkt 12 – zugeschlagen!
Seit neuestem werden bei der Fahndung nach einem 14-jährigen Zigarettendieb auch mehrere Einsatzwagen und Hubschrauber(!) eingesetzt. In einer Kleinstadt. Für einen Zigarettendieb. Alleine schon den Schlüssel im Helikopter mit Besatzung umzudrehen, kostet doch mehr als eine ganze Stange Kippen.
Würde mal gerne wissen was passiert, wenn man auf dem Rathausplatz eine unangemeldete Demonstation durchführt. Dann rückt sicher die Bundeswehr an. Schade nur, dass sie das verfassungsrechtlich gesehen nicht darf.

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Rundumschlag

27 07 2007

Manchmal frage ich mich schon, wie offensichtlich manch einer Prinzipien hegt, sie aber nicht pflegt – sprich: Es gibt Leute, die lügen, ohne das überhaupt von sich zu wissen. Sie lügen nicht hauptsächlich in Worten, obwohl sie da meist niemandem nachstehen, sondern eher in der Art, wie sie manche Dinge handhaben.
Da steht so zum Beispiel ein Auto in unserer Straße, ein Van, schon recht alt, ich entsinne mich an ihn schon seit frühester Kindheit.
Der “Atomkraft?-Nein-Danke!”-Aufkleber hat von seiner strahlenden Leuchtkraft schon einiges eingebüßt. Der Emissionsaustoß-Aufkleber vorne unten rechts an der Windschutzscheibe hingegen leuchtet kräftig rot auf Stufe 2! Ein 11 Jahre alter Golf III würde eine grüne Plakette auf Stufe 4 bekommen. Dieses grüne Polit-Streitgut bekommt sowieso jede alte Dreckschleuder; wie treibhausig muss diese Karre dann sein?
Jauuu, schaffen wir die Atomkraft ab und erzeugen Strom nur noch mit solchen alten
Schottmühlen, dann bekommen wir das schon
alles in den Griff. Der soziale Faktor darf dabei nicht vergessen werden: Ihr tut somit was für zugewanderte aus dem Amazonas-Gebiet, die sich nicht an das trocken-kühle mitteleuropäische Klima gewöhnen können. Solange ihr noch solche Autos fahrt, bleibt nämlich wenigstens das Wetter schön schwül und heiß. Und Regenfälle und Fluten lassen auch nicht zu wünschen übrig.

Da gibt es übrigens noch einige andere Dinge, über die ich mich gerade aufrege. Zum Beispiel die total beschissene Erreichbarkeit meines Webspace. Alle 2 Tage irgendein Ausfall, mal sind es die Datenbanken, mal wirklich alles. Dann flattern die Mails ins
Postfach: Dies passiert, das ist passiert … Es tut ihnen uns so sehr Leid – und vielen Dank, dass sie sich für uns entschieden haben!
Wenn E-Mails dieser Art in Gestalt von Staubsaugervertretern auftreten würden, sie hätte dieses arschkriecherische Lächeln eines frischverheirateten Vertreters mit beschem Anzug und
Mundgeruch.

Das momentane sportliche Geschehen lässt sich in einem sehr treffenden Zitat beschreiben.

“Die französische Übersetzung für »Offene Drogenszene« heisst: »Tour de France«.”
Gerhard Kocher

Desweiteren stelle ich dann auch noch eine thematisch ganz unpassende rosafarbene Frage: Muss man sich einsam fühlen um sich verlieben zu können?

Habe dann noch eine weiteren Appell an die Weltbevölkerung:

Entführt Terroristen!

Ob man dann beim Märtyer-Tod nachhilft, bleibt Geschmackssache. Wollen wir uns etwa auf deren Niveau herunterlassen und unsere Geiseln töten?

Werde die nächsten 10 Tage in der wunderschönen Natur nur mit Lagerfeuer, Stockbrot und Gott verbringen, fernab aller bösen Nachrichten. Diesen Ausfall schätze ich als nicht so gravierend ein, da ich sogar vermute, dass mein Hoster in der Zeit irgendwelche Wartungs-Drohungen aus diversen E-Mails
wahrmachen wird. Die Post-Frequenz ist zur Zeit sowieso unter aller Sau. Die Anzahl von Bindestrich-Wortneuschöpfungen steigt aber komischerweise ungemein an.
(Wer ist der König der schwachsinnigsten Wortneuschöpfungen? Ja, genau der!)

Wünsche allen solange warme, sonnige und vor allem fröhliche und glückliche Tage! ;)



Hmpf …

16 04 2007

Wie ich darauf warte, das eines Tages der, der mächtiger ist jeder Mensch und jedes Sein auf diesem erbärmlich zugerichteten Planeten, mit einer riesigen symbolischen Feuerwalze niederbrennt, so dass nur die Liebe, Freundlichkeit, der Glaube und die gesunde Vernunft sich dieser Welt erfreuen können.
Die letzten Tage haben mir mal wieder bestätigt, dass man in die Politik sowie in die breite Öffentlichkeit im In-und Ausland kein gesundes Vertrauen mehr setzen kann. Mit der Menschheit geht es weiter stetig bergab, weil eine nicht zu kleine Masse an Menschen große Verantwortung trägt, die sie nicht tragen sollte. Ein paar “kleine” Beispiele:
Zum einen ist das ein etwas radikaler baden-württembergischer Ministerpräsident, zum anderen ist es eine total verbrämte und überzogen reagierende Öffentlichkeit.
Oder ob es ein paar tausend Kilometer entfernt ein Arschloch an der Spitze eines riesigen Landes, dass in der Gemeinschaft der Welt behandelt wird, wie jeder andere verfassungsgemäß, anständig und menschlich regierte Staat, diese Würde jeodch um keinen Fetz verdient hat.
Was für ein Gewissen haben russische Polizisten eigentlich, wenn sie auf wehrlose Demonstranten einschlagen?
Da kommt mir echt der Mock hoch …



Alice im Frauenland

11 04 2007

Zapp. Zapp. Ah, das schaun wir mal.
Menschen bei Maischberger ist ja eigentlich eine niveauvolle Talksendung, moderiert von Sandra Maischberger, die weiß, von was sie redet. Die werte Frau wird in ihrer Babypause jedoch von Gastmoderatoren vertreten.
Das Thema gestern Abend: Früher, härter, unromantischer – Sex ohne Liebe?
Und jetzt kommt’s: Moderiert von Alice Schwarzer. Eine ganz und gar überhaupt nicht neutrale Moderatorin – die Mutter der Feministinnen, der Schreck aller Nicht-Hausmänner. Da hat die ARD aber ordentlich ins Klo gegriffen!

Vergewaltigungopfer und Aufklärungsbeauftragte erzählen in der Sendung von ihren schlimmen Erlebnissen.
Als Reinkarantion allen Bösens muss ein ärmlicher Rapper herhalten, der sich ‘King Orgasmus One‘ nennt und Pornofilme produziert.
Der sitzt eher teilnahmslos da, versteckt sich hinter einer schwarzen Sonnenbrille und bekommt keinen grammatikalisch korrekten deutschen Satz über die Lippen und wird von Alice Schwarzer fortwährend mit der Anschuldigung torpediert, für die sexuelle Verwahrlosung von Kindern in Deutschland verantwortlich zu sein.
Ja, Frau Schwarzer: Die Texte seiner Songs sind frauenverachtend, und mit dem Kerl würde ich meine Tochter, wenn ich eine hätte, auch nicht ausgehen lassen.
Man sollte jedoch differenzieren können: Nicht nur, dass die Geschlechtsverteilung der Gäste mehr als unfair war – die ganze Sendung hatte den Klang, als wären alle heranwachsenden Jungen und Männer böse Sexmonster, immer mit einem Fläschchen K.O.-Tropfen in der Tasche, das Handy vollgestopft mit Pornos und selbstgedrehten Vergewaltigungsvideos.
Einen letzten Hoffnungsschimmer
stellt der Sexualforscher dar, der in der Ecke der Runde sitzt, und noch kein Wort von sich gegeben hat. Doch selbst den würden erboste Mütter von jedem Kinderspielplatz verjagen; sieht aus wie der letzte Kinderfängern und wirft mit Erkenntnissen um sich, die zwar stimmen, welche ich mir aber auch selber denken kann.

Eine ganze Sendung für den Arsch und danach ist auch keiner schlauer wie vorher.
Ich will das Leid von Opfern sexueller Gewalt ganz und gar nicht mindern! Mich regt einfach nur auf, wie oberflächlich dabei die Rolle des Mannes in unserer Gesellschaft, vor allem des Heranwachsenden, in den Dreck gezogen wird.
Es gibt auch normale männliche Jugendliche.
Wer pauschalisiert, der polarisiert, und wenn man dieses Thema jetzt schon so Aufblasen muss, dann bitte doch korrekt und mit Argumenten, und nicht mit dümmlichem Geschwätz.



Schlag Wörter

29 01 2007

Schlagkräftige, Neugierde erweckende, Wortzusammensetzungen, in einer Welt, in der die Gesellschaft nach Perversion und Leid anderer giert:

Asphalt-Hure
Bestechungs-Skandal
Todes-Kandidat
Gammel-Fleisch
Tiefkühltruhen-Baby
Pop-Titan
Terror-Staat
Blog-O-Sphäre

Und diese Wörter sind wirklich gefährlich, und keiner kümmert sich darum:

Arbeits-Amt
Klima-Erwärmung
Irak-Krieg
Hartz-4
Kern-Kraft (es heisst nicht Atom-Kraft, ihr Panik-Macher!)
Axel-Springer-Verlag

Was meinen Sie, meine Damen und Herren?
Springen Sie auf den Zug auf, oder entziehen sie sich dem Sog der Medien und der globalen Verdummung?
Irgendwann wird schon ein Komet kommen und alles kaputt machen, dann bin ich endlich auch zufrieden …



Modern Times 2.0

29 12 2006

Selber auch am Bloggen und oft fraglich vor dem Rechner sitzend, was man denn nun darf und was nicht?
Dazu ein sehr interessantes Video von Lawrence Lessing, dem Erfinder der Creative-Commons Lizenzen.

Wie stolz werde ich selber später auf meine Jugend zurückblicken können, deren Zenit ich in den Pioniertagen des Web 2.0 und der Blogospähre verlebt habe.
Was wir in Zeiten der Verschmelzung des Internets mit der Kultur, des Mitmachinternets schlechthin, aus unserem Leben allerdings alles total unwissend von uns preisgeben, was wir vielleicht besser nicht hätten preisgeben sollen (ich tue es zum Beispiel gerade), das ist uns meist nicht bewusst.
Informationen sind die Atombombe des 21. Jahrhunderts. Ein interessantes Interview dazu mit Peter Glaser.