Museumsgefühle

28 01 2007

Geruchslose Luft, und leise Klavierstimmen, steigend wie fallend, füllen zusammen mit hier und da leisem Gemurmel die Räumlichkeiten. Weiß gestrichen, ein Raum wie der andere. In ihnen steht nichts, außer ein Stuhl in der Ecke, auf diesem dunkelbraun getäfelten Holzboden, während an der Wand wenige Bilder verschwenderisch den Platz einnehmen. Verschiedenste Motive, wobei ein jedes in eine andere Welt entführt. Nichts bewegt sich, man könnte nur denken, die Figuren der Gemälde zwinkern einem hin und wieder zu. Im nächsten Raum herrscht komplette Stille und die Ästhetik der Ruhe, Ordnung und Nüchternheit dieser Räume bricht wie ein tosendes Gewitter auf mich ein, so schließe ich die Augen, atme tief durch und fühle mich zufrieden, inmitten dieser Kunst. Dieser Minimalismus, die weißen Wände und sauberen Kanten, die beim genauen Hinschauen gar nicht so sauber geschnitten sind, und die kleinen Krümel die den Holzboden besiedeln, hauchen
den protzig großen Räumlichkeiten etwas Leben ein.
Das Highlight des Nachmittags: Ein zerknülltes Blatt Papier auf einem weißen Sockel, überglast. “A crumbled Sheet of paper.” Unglaublich. Daneben “Pieces of Paper”. Dabei ganz wichtig: Dazu benutzt wurde amerikanisches Briefpapier. Kein Scherz.

Warum war ich so unkreativ und bin nicht auf diese Idee gekommen?



Dedicated to “The Trainrider”

21 11 2006

You can only be free, when you have nothing to lose.

Endlich mal eine Geschichte, der man Glauben schenken kann. Ein junger Mann, bei dem Leukämie in unheilbarem Stadium diagnostiziert wird, riskiert sein Leben, um die Freiheit auszukosten, die ihm die Krankheit durch den Tod schließlich nahm.
Sagenhaftes Video, das aber auch etwas traurig macht.

EDIT: Die
Wahrheit über den Trainrider (Thx @ hansdampf)



Der Vergleich hinkt

18 07 2006

Ich weiß ja nicht, wer auf die Idee gekommen ist, aber was ich heute in einer der Boulevardsendungen in einem unserer informativen Privatsender zu hören und sehen bekam, schockte mich schon sehr.
Ungefährer Wortlaut der Anmoderation des Beitrages:

U2 haben es gemacht und auch die Beatles. Sie spielten auf einem Hausdach mitten in der Stadt um ihr Musikvideo zu drehen, während die Fans zur Musik auf der Straße tanzten. Nun hat dieses Vorhaben auch eine deutsche Band gefasst: Tokio Hotel drehten heute Mittag in Berlin auf dem Dach eines alten Kinos das Video zu ihrer neuen Single.”

Wie bitte ?? Soll das etwa einen Vergleich zwischen Tokio Hotel und 2 der größten Bands der letzten 100 Jahre darstellen? Wer hätte sich das gedacht … ?
Sehen wir es mal de facto: Ein armes, allein gelassenes Schlagzeug mit einer spätpubertierenden, hässlichen Bohnenstange davor, samt ein paar
verblendeter Arschteenies, im Vergleich zu einer bombastischen Show von Bono und seinen Kollegen in L.A., die in die Geschichte einging – wer hat da wohl gewonnen, hm?

Ich sehe es noch vor mir: Hunderte ekeleregende Bill-Frisuren auf den Köpfen aller Möchtegern-Rocker die in die Kamera irgendwas von “Schraaiieeeh !!!” reinsabbern.
Auf einem gescheiten Konzert sind die Gründe für Ohnmachtsanfälle nicht hypernervöse Teenie-Herzen sondern allenfalls harter, erbarmungsloser Pogotanz.
Aber wer auf Lieder von “Tokio Hotel” Pogo tanzt, sollte sowieso angezeigt werden.
So, nun habe ich den Namen dieser schrecklichen Band oft genug geschrieben.



Unsere mediale kapitalistische Gesellschaft von Idioten

28 06 2006

Streit um das Fell des toten Bruno

Menschen in aller Welt diskutieren den Abschuss des Braunbären, die Justiz befasst sich mit dem Fall, ein Minister hat mit Rücktrittsforderungen zu kämpfen. Sogar Todesanzeigen für das zweijährige Tier werden geschaltet. Und während Tiermediziner noch seine DNA untersuchen, ist auch schon der sprichwörtliche Streit um das Fell des Bären entbrannt.

Alle wollen “Bruno” – der Stofftierhersteller Margarete Steiff GmbH hat eine kuschlige Sonderedition von “Bruno” angekündigt. Den Schmusebären mit schwarzer Schleife als Trauerflor gibt es nur in limitierter Auflage von 2000 Exemplaren.

“Bruno”-Fans bieten im Internet neue Solidaritäts-T-Shirts an. “Wer war das!?!?” ist auf einem der Hemden zu lesen, ein weiteres trägt ein Porträt mit der
Aufschrift “JJ Guevara” – in Anlehnung an Brunos offiziellen Namen “JJ1″ und den kubanischen Freiheitskämpfer. “Der einsame Braunbär “JJ1″ ließ den Staat mit all seinen Polizeihubschraubern und finnischen Jagdsöldnern machtlos zurück”, heißt es in einer E-Mail dazu. “Er war der Mahatma Gandhi der bayerischen Wälder.”

Ganzer Artikel von WEB.de

Ich habe ja schon viel Schwachsinn mitgekriegt, aber sowas …

In unserer Gesellschaft gibt es nichts mehr, was nicht zu Geld zu machen ist. Unser Hang und Verlangen zu Materiellem wird immer größer, sodass sogar die Fußnägel eines x-beliebigen Popstars einen riesen Wert besitzen.
Alternativ der ausgestopfte Bruno. Sie
brauchen nicht so scheinheilig zu tun, die ganzen Bürgermeister, die den Sto(p)ffbruno bei sich in ihren Dorf-Museen als “ehrenvolles Mahnmal” ausstellen wollen.
Ihnen geht es nur um das beschissene Geld – dass Touristen und Freaks in die Kasse spülen.

Wie es Günther Wallraff in seinem Buch “Der Aufmacher”, in welchem er die Praktiken der B*LD kritisiert, treffend ausdrückt:
Auf die Titelseite muss das Leiden eines armen süßen Tieres ausgetreten werden – nicht von Menschen denen es dreckig geht, denn das rührt die Herzen der Medienkonsumenten nicht. Sie leiden selbst genug.

Bruno aka “JJ1″ sitzt nun im Tierhimmel, döst vor sich hin, schaut auf uns hinab, und schüttelt seinen Kopf.
Wenn der arme Bär gewusst hätte, was für eine Welle er lostreten würde; vielleicht wäre er dann doch lieber in seiner Höhle geblieben.

Liedtipp: The Who – Teenage Wasteland



Schmetterling Glück

8 05 2006

“Das Glück ist ein Schmetterling: Jag ihm nach, und er entwischt dir. Setz dich hin, und er lässt sich auf deiner Schulter nieder.”
Anthony de Mello
indischer Jesuitenpriester

Optimistische Einstellung zum Leben.
Wenn dem Ratschlag alle folgen würden, bräuchten wir auf der Welt aber viele Stühle.
Nach einem anspruchsvollen Tag, liest man sich so ein Zitat gerne durch.
Ich stelle mir gerade vor wie der Kerl da hockt, mit einem Schmetterling auf der Schulter.
Bei mir sitzt nur gesundheitsfördernder Feinstaub auf der Schulter.
Früher musste man in den Wald gehen, dass sich einem was auf die Schulter gesetzt hat. Heute fallen einem da höchsten abgestorbene, von Pilzen und Schadstoffen zerfressene Äste auf die Birne.
Wer hätte
sich das gedacht …

Meine Einfallslosigkeit übetrifft heute mal wieder meinen Phantasieschwund, aber Nachdenken macht trotzdem Spaß.

Liedtipp: Red Hot Chili Peppers – Wet Sand