Klötzchen

29 10 2007

Heute habe ich ihn weggebracht. Er war ein treuer Freund über Jahre hinweg. Von wem ich rede? Es geht um mein “Klötzchen”, 19″ Phillips 109 S4. Irgendwann stirbt jeder Titan und er war nicht nur sprichwörtlich einer, sondern auch vom Gewicht, wie ich es so oft erfahren konnte, wenn ich ihn auf LAN-Parties schleppen musste. Zwar hatte er von Beginn an einen Schlag weg, hat immer komisch geklappert wenn man ihn bewegte, und das Bild war auch nicht immer erste Sahne, aber die Erfahrungen und Erlebnisse die ich mit ihm gemacht habe, schufen eine gewisse Verbundenheit. Ja, ja, ich weiß – man soll keine Beziehungen zu Sachen aufbauen, doch hinter seiner Glasscheibe tobte das wahre Leben. Das waren nicht nur Elektronen an der Lochmaske, es war etwas ganz besonderes. Was hab ich nicht alles daran erlebt?
Chatgespräche die mich lachen, doch auch solche die mich weinen ließen, erste Clanwars, nächtelanges Zocken mit Kumpels … Soviele Präsentationen
wurden auf seinem Antlitz zusammengewürfelt, soviele Layouts entworfen – meine ganze digitale Jugend fand auf ihm statt. Und nicht zuletzt auch tippte ich auch den ersten Blogeintrag meines Lebens mit gespannt auf ihn gerichteten Augen.
Der letzte Gang war ein schwerer, seelisch wie auf physisch. Zwischen zwei rostigen orangenen Containern in einen roten Gitterkasten neben einem kaputten Laminiergerät und zerbrochenen Lötplatinen stellte ich ihn auf dem Wertstoffhof ab. Er blieb da einfach so stehen, wie ein kleiner Hund, wenn man ihn anbindet und aussetzt, weil er denkt und darauf vertraut, dass das Herrchen sogleich wieder zurück kommt. Den kleinen “This is not a touchscreen”-Aufkleber fummele ich noch von ihm ab – als kleine Erinnerung – und schenke ihm dann ein paar letzte Blicke. Seufzen. Auf dem Weg zum Auto drehe ich mich nochmal mehrere Male um. Er ist immer noch da. Alles drumherum scheint total gleichgültig. Die Sperrholz-Presse nebenan brummt und zerquetscht krachend ihren Inhalt.
Es
tut mir Leid, mein Kleiner …

109s4.jpg

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Soviel zur Gerechtigkeit

7 06 2007

Paris Hilton ist schon nach drei Tagen überraschend wieder aus dem Gefängnis entlassen worden. Allerdings muss sie den Rest ihrer Strafe – 40 Tage – daheim verbüßen und zur Überwachung eine elektronische Fußfessel tragen.

Polizeisprecher Steve Whitmore sagte am Donnerstag in Los Angeles, für die Entscheidung seien medizinische Gründe ausschlaggebend gewesen. Nähere Auskünfte über die Krankheit gab er nicht.

Paris Hiltons Tante Kyle Richards hatte vor der Freilassung erklärt, dass es ihrer Nichte im Gefängnis nachts zu laut und zu hell sei, außerdem langweile sie sich.
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Die Strafe wird eines Tages die Gerechten
verschonen und die Ungerechten gerecht bestrafen.
Irgendwann …

UPDATE:

Verärgert über ihre Freilassung bestellte Richter Sauer, der Hilton Anfang Mai wegen verschiedener Verkehrssünden zu einer Haftstrafe von 45 Tagen verurteilt hatte, die 26-Jährige wieder ins Gericht.
Im Gerichtssaal forderte der Richter die weinende Hilton auf, ihm persönlich über ihre gesundheitlichen Probleme zu berichten, die zu der Entlassung geführt hatten, entschied letztendlich jedoch für ihre Rückkehr ins Gefängnis. Hilton hörte die Entscheidung in Tränen aufgelöst an und rief laut schluchzend: “Mami, Mami, Mami!” [die Boulevardpresse muss diese dramatischen Worte natürlich in den Bericht übernehmen - entweder zur Befriedigung des Sadismus der Leser oder zur Mitleidserregung]
Der schwarze Bürgerrechtler Reverend Al Sharpton nannte Hiltons Entlassung in einem CNN-Interview eine “himmelschreiende
Ungerechtigkeit”. Er sprach von Doppelmoral und Begünstigung je nach Hautfarbe. Auch Fernsehkommentatoren sagten, andere Häftlinge müssten trotz Aids, Diabetes, Krebs und Herzkrankheiten hinter Gittern bleiben.

Die Gerechtigkeit hat doch gesiegt …



Heute: Polizeikontrollen und der Friedenshase

5 03 2007

Mit Abstand eines der besten Virals der letzten Zeit. Die geilste Polizeikontrolle, die ich je gesehen habe.
(via)

Was mich auch noch amüsierte: Schweizer Armee marschierte in Liechtenstein ein.
Das ist ja ne’ Sache. Ich spende symbolisch als vermittelnder Sekundenkleber einen kleinen Friedenshasen.
Wer sich auch nach Frieden sehnt, oder einfach nur Spaß an sinnlosen Aktionen hat, kann es den Schweizern gleich tun, oder auch einen kleinen Friedensbunny in sein Blog posten.
Der Friedenshase gibt mir spirituelle und paramentale
Kraft um den Alltag zu bestehen.
*Ironie-war-noch-nie-meine-Stärke-Grinsen*

(\__/)
(O.o )
(> < )

Alle haben dich lieb, Hase.



duese5

24 01 2007

Kennt ihr duese5? Wenn nicht: Es ist ein Blog das Blogs bloggt. Hört sich komisch an, ist aber so.
Auf Duese5 wird täglich ein Blog aus der großen Vielfalt des Internets vorgestellt.
Es erfreut mich sehr, dass für heute “Gedanken im Glas” ausgewählt wurde.
Vorallem die Beschreibung meines Schreibstils als “für einen Blogger außergewöhnlich gut”, macht mich ganz wuschig.
In diese Richtung ein großes Dankeschön! :)

duese5 ist für jeden mindestens einen Klick wert, denn solch ein wirklich zeitaufwendiges Projekt erfüllt in der Zeit des Datenmonsters Web 2.0, in welcher man die Blog-O-Sphäre vor Blogs kaum sieht, eine wichtige Aufgabe.

Nun, ich versuche meinen Stil beizubehalten und weiterhin an den Gefühlen, an der Menschheit, am Alltag und an
mir herum zu meckern.
Ganz ehrlich: Würde ich es nicht tun, würde mir eindeutig was fehlen.



Silvester Stallone

31 12 2006

Der eine Bösewicht aus dem Erdloch, mit dem langen Bart und den vielen vergasten Kurden auf dem Kerbholz, ist tot.
Ich bin ja prinzipell gegen die Todesstrafe, aber wenn man sie in diesem Fall schon anwendet, dann auch ohne Ausnahme.
Deshalb ist jetzt wohl der andere Bösewicht dran. Und zwar der ohne Bart, der mit den “weapons of mass destruction”, der sich in seiner Zeit als Soldat vor dem Krieg gedrückt hat, der Cowboy aus Texas, der bei demokratischen Wahlen beschissen hat, der, der sich George W. Bush nennt.

nAn Silvester huldigen wir mal wieder der Zeit.
Ich huldige jetzt meinem Spamfilter.
Akismet has protected your site from 7,462 spam comments. Halleluja!
Den Jahreswechsel als einen besonderes Zeitpunkt zu feiern, macht genauso viel Sinn, wie wenn ich bei meinem Spamcomment Nummer 10,000 ein Bierchen aufmache. Es sind nur Zahlen. Das sie zufällig so ästhetisch und “voll” auf den Menschen wirken, dafür können die Zahlen doch nichts. Es will doch nur keiner zugeben, dass der Mensch eine elende Festdirne ist, die dauernd einen Festtag braucht um zu faulenzen und sich zu besaufen.
Nunja, sind wir froh drum, das Leben ist hart genug.

Habe mir überlegt im neuen Jahr einen Warnhinweis anzubringen:
Vorsicht! Sie lesen hier das Blog eines Schülers, der Bücher liest, die ihm sein Deutschlehrer empfiehlt.
Der muss wohl verrückt sein.

Ein letztes Zitat.

“Weiter weiter ins Verderben, wir müssen leben bis wir
sterben.”

Rammstein – Dalai Lama

Das Leben ist ein Auf und Ab. Ein Trinken und Dursten, Fressen und Hungern, ein Lieben und Hassen, ein Leben und Sterben.

Mit solchen martialischen Worten beende ich den 31. Dezember 2006.
Sonst nichts.



2006: Die Abrechnung

22 12 2006

Sommeralptraum.
Nicht wegen dem Fußball, es war das persönliche Auf und Ab. Das Hin und Her, hoch, tief, fröhlich, traurig, verkotzt, geil, beschissen.

Leere Straßen, zirpende Grillen und die Menschen sitzen vor ihren Sony, Sharp und Samsung Fernsehern und aus den offenen Balkontüren hört man leise das typische Pfeifen und Rauschen der Fußballstadien.
Ein Sommer ausgeschlachtet bis auf den letzten Tropfen Blut, um noch davon im tristen Herbst und Winter zu zehren – lächerlich.
Diese Kackeuphorie hat noch jeden letzten verklemmten Geizer zum spendierfreudigen Partyhengst verwandelt; und jedes Scheissprodukt mit WM-Special in der Packung in einen Verkaufsschlager. In den Müll damit!
Einmal bitte in die Kamera gröhlen. Vierundfüffsig, virusissig, neusig, swaidausend … oh, ist etwa die schwarz-rot-geil Schminke verschmiert? Du bist hässlich, mit dem falschen Grinsen auf deiner Visage erst recht!
Bitte nicht in die
Blumekübel kotzen, das tut meinen Radieschen und der Kresse nicht gut.
Komm, hoch mit dem T-Shirt, auch wenn’s im Fernsehen ist, wir haben doch WM, da darf man so was.

Alles platzt aus den Nähten. Es ist doch nur mental besser geworden, in unseren Köpfen.
Es sind noch immer die selben Probleme. Egoistische Menschen, die sich vor den beknackten Nazis fürchten, sich über ihre pluralistische Gesellschaft beschweren in der sie freiwillig leben und bei Krieg und Leid einfach wegsehen.

Aber Hauptsache WM, hauptsache schön gesoffen und den freundlichen, feucht-fröhlichen Kumpel rausgehangen.
Hauptsache einen viel zu lichtschwachen Beamer aufgestellt. Public Viewing, wunderbar!
Nur scheisse wenn dann jemand austickt und mit seinem Kleinwagen in die Menge reinrast.
Achtung, Amok! Nein, mein Kind bleibt zu Hause, es könnte ihm ja was passieren. Sollen lieber die anderen Kinder sterben, bloß nicht meins.
Überhaupt hat sich das Meiste in der zweiten Jahreshälfte abgespielt.
Dem Sommerloch folgt der Gipfel der Peinlichkeiten.
Alles Trug und alles Schein, betrinkt euch mit Euphorie und Lüge, den Durchfall davon dürft ihr dann selber auslöffeln!

Am Schlimmsten sind jedoch die Massen, die das Individuum raushängen. “Ich bin anders!” und du musst genauso so anders sein, sonst bist du ausgeschlossen. “Du bist nicht true, du bist Möchtegern!” Mit T-Shirts rumrennen die Kreativität und Verständnis für das Suggerieren was falsch läuft, aber eigentlich haben sie’s nur an, weil es verdammt cool aussieht.
Nicht so übertrieben cool, so aufgetragen, eher smooth und groovy im Hinterkopf nach dem Motto: “Hey, ich habs verstanden, ich hab es so drauf man!”

Bei mir selbst? Viel passiert und nichts geblieben. Schade …
Nächstes Jahr wird jemand etwas anderes finden, was er für sich ausnehmen kann, wie ein moldawischer Leiharbeiter das Gammelfleisch für einen Hungerlohn zusammenmantschen muss.
Aber der kann nichts dafür, eher sein Chef, der mit der Kohle
die er ihm vom Teller klaut nach Feierabend um 16:30 Uhr für seinen Sohn einen iPod nano kaufen geht.
Für die Teenietochter gibt es eine BRAVO, mit der sind wir ja alle groß geworden.
Sogar ich.



Nachtrag zu “Revival: Sündenböcke gesucht”

24 11 2006

Der Amokläufer von Emsdetten hasste Gläubige.

Wenn jemand mit ihm wirklich ernsthaft über Gott geredet hätte, wäre vielleicht verhindert worden, was er angerichtet hat.
Er beschimpfte in seinem Abschiedbrief Religion und Glaube, weil es ihm nicht recht ist, wenn in sein Leben eingegriffen wird.
Er war ein armer Außenseiter, doch wenn er ein einziges Mal eine Bibel aufmerksam gelesen hätte, wäre im klar geworden, dass Jesus genau ihm hilft. Dem Außenseiter, dem Gesellschaftsversager, dem Verlierer. Den Ausgestoßenen und von der Gesellschaft Gehassten Menschen. Sein Weblog sagt alles.

Er war nicht der erste Mensch mit diesen Problemen.
Und bevor einige weiter Jagd auf Auslöser solcher Bluttaten machen, und dabei eindeutig im falschen Garten graben, sollten wir uns alle
selber an die Nase fassen und Mitmenschen unserer Gesellschaft nicht ausschließen sondern integrieren.
Das kann jeder selbst sofort tun.

Ein paar freundliche Worte reichen oft schon.



Revival: Sündenböcke gesucht

20 11 2006

Wieder ein Amoklauf und wer trägt die Schuld? Natürlich: Egoshooter und Death Metal.
Das beides nicht gerade mit Medien wie einer Kinderbibel oder einem Bilderbuch für 2 bis 4 Jährige vergleichen werden kann, ist wohl allen klar.
Aber warum suchen alle die Gründe in diesen oberflächlichen Dingen?
Ist vielleicht nicht einfach unsere vesch*ssene Leistungsgesellschaft schuld?
Sind vielleicht einfach nur die Menschen schuld und nicht bestimmte Musik und Computerspiele?

Wenn die Medien schuld sind, dann auf jeden Fall RTL, denn bei deren Berichterstattung ist mir mal wieder übel geworden.
Man hätte dem Kerl einfach helfen sollen und seine als Drohungen getarnten Hilfeschreie ernst nehmen.

Warum??



Die X-Box 360 Lüge

20 10 2006

Das Ganze ist zwar schon etwas älter, aber ich fand’s sehr amüsant.
Aber wahrscheinlich hätte ich es genauso gemacht. :)
So bescheisst Microsoft seine Kunden >>
… ach du meine Güte, meine Schlagzeilen erinnern ja stark an die B*LD … :o



Tiefgründig

26 06 2006

“Das Wunder, wenn man es erlebt, ist nie vollkommen. Erst die Erinnerung macht es dazu.”
Erich Maria Remarque
Die Nacht von Lissabon

Ich glaube, wenn ich Remarque je in meinem Leben treffen hätte können, ich hätte viel von ihm lernen können.

Zugleich gibt es noch eine traurige Nachricht. Aufgrund einer Lizenzreform, die auch Wikiquote.org betrifft, müssen aus deren Datenbank viele Zitate verschwinden. Eine traurige Stunde.

Aber war das die Intention der Urheber dieser Sätze? Sie hatten doch wohl kaum die Absicht, dass ihre Gedanken und Aussprüche unter Schloss und Riegel geklemmt werden. Sie wurden schließlich nicht gesagt, um nicht von anderen gehört zu werden.

Die
Gedanken sind frei. Meine zumindest … und ich denke an diese Zitate.