Die Liebenden

27 09 2006

Sie saßen beide so glücklich da. Sie hatten sich nichts zu sagen, weil sie so fröhlich zusammen waren, dass jedes Wort überflüssig war, und allein der Blick in den Sternenhimmel alle Fragen beantworten konnte, welche den beiden Liebenden zu diesem Zeitpunkt auf dem Herzen brennen hätten können.
Er strich über ihre Haare und sie küsste seine Wange. Sie hätten sich stundenlang in die Augen schauen können, wäre ihr Leben so weiterverlaufen, wie es das jetzt tat.
Aber es sollte nie so schön bleiben, wie es eigentlich sein sollte. Der Weg zum ewigen Glück blieb ihnen versperrt und aus den Augen ihrer tropften kleine Tränen auf ihr weißes Abendkleid.
Ihre Tränen waren so klein, weil sie nicht mehr weinen konnte, so oft sie in den letzten Tagen geweint hatte.

Am nächsten Tage um diese Zeit würde sie allein und einsam wieder an diesem Ort sitzen und den gleichen Mond anschauen, wie er es tun würde, weit, weit, weit weg.

nVielleicht würde er nie zurückkehren.

Denn der Krieg ist gnadenlos und verschont niemanden – auch nicht die Guten.
Denn im Krieg gibt es keine Guten.



Wiedersehen, oder auch: Das Gegenteil vom Abschied

25 07 2006

Die Blumen riechen säuerlich und nicht so süß, wie man es von ihnen erwartet, doch in diesen Augenblicken ist dieser Geruch das Schönste auf der Welt.
Er blickt aus dem Fenster und sieht die Bäume und Felder vorbeiziehen, immer langsamer. Gebäude erscheinen. Bekannte Gebäude, Schilder, Straßen, bekannte Geräusche klingen durch das Abteil.
Sein Blut rauscht in den Ohren und sein Atem wird unregelmäßig. Er nestelt nervös mit den Fingern an den Blumenstengeln.
Plötzlich wird das Zugabteil wie ein Gefängis und stürzt auf ihn ein. Der Sitz scheint ihn so kurz vor dem Ziel festhalten zu wollen.
Laut quietschen die Räder, es rumpelt und ächzt, während seine Zunge immer schneller über die Lippen fährt.
Stillstand.

In seinem Leben gab es wohl kaum einen so kurzen Moment wie das Öffnen der Wagontüren, der ihm so ekelhaft lang erschien.
Die Türen sind geöffnet und ein lauer abendlicher Sommerwind kitzelt ihn an der
Nase.
Benommen springt er aus dem Wagon auf den Bahnsteig. Fester Boden, Orientierung?
Hastig und panisch schnellen seine Augen über die Gesichter der vorbeidrängenden Menschen. Wo? Wo nur? Torkelnd irrt er im Kreis umher. Nichts.
Erschöpft lehnt er sich gegen den Pfosten auf dem ein Schild mit dem Namen des Bahnhofs montiert ist.

Der Zug setzt sich wieder in Bewegung und nachdem der ohrenbetäubende Lärm in der Ferne verschwindet, blickt er traurig zu Boden. Falsche Freude war es und Enttäuschung die einzig logische Folge.

Wie einen Knüppel trifft es ihn als er wieder aufblickt. Ein lähmendes, unbeschreiblich schönes Gefühl der Euphorie macht sich in seinem Körper breit.
Am Ende des Bahnsteiges, so ganz verlassen neben dem schon geschlossenen Kiosk, erblickt er wunderschöne blaue Augen, aus welchen dicke Tränen kullern.

Er stolpert los und lässt seine Tasche fallen. Er beginnt zu rennen, wie sie. Er hört ein Schluchzen doch bemerkt das es nicht ihres ist,
sondern sein eigenes. Die warmen Freudentränen rinnen über seine Wangen und tropfen von seinem Bart. Ein Bart der Sehnsucht und der Schmerzen, durch welchen er so oft mit zittrigen Fingern in Stunden der Einsamkeit gestrichen hatte.

Als sie sich endlich um den Hals fallen, brechen sie Arm in Arm zusammen und beginnen hemmungslos zu weinen.
Ein befreiendes Gefühl durchströmt die beiden und macht sofort wieder lebendig, was auch Jahre und Monate nicht ganz haben töten können.

Liebe.



Entzückendes Lächeln

5 06 2006

Sie blickte ihn mit ihren großen blauen Augen an. Hellblau waren sie, wie man sich immer die Lagunen einer Trauminsel vorstellt. Ihre geschwungenen Lippen lächelten wie ein Regenbogen, der nach einem Sturm die Sonne anlacht.
So wie dieses kleine Mädchen ihn so unschuldig und erwartungsvoll anblickte, rollten ihm Tränen über seine glühenden Wangen, Freudentränen des Glücks – entzückt über die blonden Strähnen die ihr in die Stirn fielen und ihr fröhliches reines Lachen, unbeeinflusst von irgendeiner Absicht.
So allein sie auf diesem Planeten war und so verlassen und einsam sie da stand, war sie unbewusst auf der Suche nach der Liebe zu einem Menschen, welcher sie auf dieser Welt vor dem Bösen schützen, und ihrer Seele den Halt, den ein Kind braucht, geben konnte.
In seinem Herzen trafen warme Freude und kühle Zufriedenheit zusammen und entfachten ein Feuer der Liebe.

Ab diesem Moment wurde ihm bewusst, dass er nicht mehr
der nichtsnutzige Verlierer war, sondern ein Vater.