Sommer-Flashbacks

12 12 2009

Du denkst an den Sommer. Du denkst an das flirrende Licht, die streunenden Katzen, das fruchtig Eis, das Gefühl der Entdeckung einer dir fremden Stadt.
Natürlich würdest du auch allein wieder hierher zurückkommen können. Aber es wäre nicht mehr dasselbe. nicht mehr dieselbe Magie, dasselbe Flair, das gleiche Gefühl in deinem Bauch, als würde dir die Welt zu Füßen liegen und das Leben dich lieben. Es wäre nur ein billiger Abklatsch. Ein blasses Foto wäre das Resultat eines Revivals. Eine Grube wehmütiger Erinnerungen, aber wahrlich kein Auffrischen der vergangenen Leidenschaft, mit der du damals genossen hast. Die beste Lösung für dein Dilemma ist die Archivierung deiner Gefühle und Sehnsüchte in deine Erinnerungen, um sie bei passenden Anlässen aus dem Schrank hervorzukramen – dann wenn sie schon längst du Legenden aus Jugendzeiten geworden sind. Vielleicht kannst du bald neue Erinnerungen schöpfen, in einer neuen Stadt, in einem
neuen Land, mit neuen Erlebnissen, aber mit den selben Freunden. :)



Pfffchhhiiuuuu

18 03 2008

Als kleiner Kerl im Kindergarten habe ich mich eigentlich immer weniger für komplizierte Spiele interessiert. Neben spektakulären Kamerafahrten mit dem Kopf über monumentale Bauklotzbauwerke, gehörte zu meinem kreativen und selbstbestimmten Schaffen vorzugsweise auch dazu, einfach nur ungestört zu malen. Malen und dabei Geräusche machen. Tschschfffchaaaa oder Brruuaaachschhhh. Schließlich sollte der Fluss, den ich da auf dem Papier produzierte, auch authentische Geräusche machen. Meine Malkünste haben sich seit dieser Zeit zwar nicht großartig verbessert – das gebe ich offen zu – aber Spaß gemacht hate es trotzdem.
Bei diesem Schnappschuss, den ich nur mehr als zehn Jahre später, vor ein paar Tagen irgendwann mal geschossen habe, würde meiner Meinung nach Pfffchhhiiuuuu sehr gut dazu passen. Eigentlich macht Licht ja keine Geräusche, aber manche Träume und Illusionen gibt man eben nie auf.

Sonne und Wolken



In Gedenken

6 01 2008

Auch wenn einige behaupten, wir Menschen würde die Vergangenheit verehren, weil wir ein perverses Verhältnis zu ihr haben – das Graben in alten Fotografien von Vorfahren, seien es solche die man noch gekannt hat, oder solche, die man nie getroffen hat, das ist etwas Besonderes.
Fotografien von den Brüdern meiner Großmutter. Einer gesunken mit der Scharnhorst, einer gefallen bei Warschau durch einen Kopfschuss. Dafür gab es ein Verwundetenabzeichen. Ein Stück lackiertes Metall. Was wollen Tote mit Abzeichen, wenn wir sie selbst vergessen? Beide damals erst um die 20. Gesichter deren Züge man kennt, Verwandte, die einem selbst ähnlich aussahen, in denen man sich selbst zu sehen vermag, auch wenn sie ihre letzten Gedanken dachten, ihre letzten Atmezüge taten, als wir noch lange nicht begonnen haben zu existieren. Gefallen, so wie viele andere auch, auf allen
Seiten, ob für eine gute Sache oder nicht, spielt für die einzelnen Schicksale in diesem Moment keine Rolle.
Im nächsten Stapel sind Bilder zu finden, die einen der beiden auf einem Landweg mit Freunden zeigen, lachend in stattlichen Anzügen, wenige Wochen vor dem Gang in den Krieg, in fröhlicher Pose mit der Mandoline in der Hand. Fotos im Garten, Portaits in Uniform in Hochglanz – das einzige was bleibt, was den Müttern damals blieb.
“Wollte dich fragen, ob du meine Mandoline haben willst”, steht in einer Karte an meine Großmutter. Vielleicht wollte man sie ihm wegnehmen, vielleicht wollte er sie retten, falls ihm was passieren sollte – vielleicht wieder damit spielen, wenn er wieder zu Freunden und Familie zurückgekehrt wäre. Vielleicht, vielleicht, vielleicht …
Briefe von Freunden, die mit 18 Jahren im März 45 an die Front gingen, und ebendies in den letzten, in den Hinterlassenschaften auffindbaren Briefen in Eile, mit Bleistift und zittriger Schrift berichteten.
Niemand weiß
genau, was sie dachten und wer sie waren, und die die es noch wussten, die sind auch schon fort. Von Asche zu Asche, von Staub zu Staub. Was übrig bleibt sind die vergilbten Postkarten und bleiche Fotografien. Man kennt diese Schicksale, man kennt sie aus dem Fernsehen, aus dem Geschichtsunterricht, aus Büchern, doch hier hält man ihre Briefe, ihre Worte, ihre Sätze in der Hand … ihre Gedanken. Das ist etwas anderes. Das sind die eigenen Wurzeln, für die man sich heute meist nicht mehr zu interessieren vermag.
Wo wäre ich gestanden zu dieser Zeit, was hätte ich gedacht, was hätten wir gedacht?
Vielleicht sind uns diese alten Fotos eine Lehre und möglicherweise schauen diese Menschen auf uns herunter und wünschen uns nicht nur, dass es uns besser ergeht, sondern dass wir alle Kriege und jeden Hass, der solches auszulösen vermag, zu verhindern wissen mögen …



Klötzchen

29 10 2007

Heute habe ich ihn weggebracht. Er war ein treuer Freund über Jahre hinweg. Von wem ich rede? Es geht um mein “Klötzchen”, 19″ Phillips 109 S4. Irgendwann stirbt jeder Titan und er war nicht nur sprichwörtlich einer, sondern auch vom Gewicht, wie ich es so oft erfahren konnte, wenn ich ihn auf LAN-Parties schleppen musste. Zwar hatte er von Beginn an einen Schlag weg, hat immer komisch geklappert wenn man ihn bewegte, und das Bild war auch nicht immer erste Sahne, aber die Erfahrungen und Erlebnisse die ich mit ihm gemacht habe, schufen eine gewisse Verbundenheit. Ja, ja, ich weiß – man soll keine Beziehungen zu Sachen aufbauen, doch hinter seiner Glasscheibe tobte das wahre Leben. Das waren nicht nur Elektronen an der Lochmaske, es war etwas ganz besonderes. Was hab ich nicht alles daran erlebt?
Chatgespräche die mich lachen, doch auch solche die mich weinen ließen, erste Clanwars, nächtelanges Zocken mit Kumpels … Soviele Präsentationen
wurden auf seinem Antlitz zusammengewürfelt, soviele Layouts entworfen – meine ganze digitale Jugend fand auf ihm statt. Und nicht zuletzt auch tippte ich auch den ersten Blogeintrag meines Lebens mit gespannt auf ihn gerichteten Augen.
Der letzte Gang war ein schwerer, seelisch wie auf physisch. Zwischen zwei rostigen orangenen Containern in einen roten Gitterkasten neben einem kaputten Laminiergerät und zerbrochenen Lötplatinen stellte ich ihn auf dem Wertstoffhof ab. Er blieb da einfach so stehen, wie ein kleiner Hund, wenn man ihn anbindet und aussetzt, weil er denkt und darauf vertraut, dass das Herrchen sogleich wieder zurück kommt. Den kleinen “This is not a touchscreen”-Aufkleber fummele ich noch von ihm ab – als kleine Erinnerung – und schenke ihm dann ein paar letzte Blicke. Seufzen. Auf dem Weg zum Auto drehe ich mich nochmal mehrere Male um. Er ist immer noch da. Alles drumherum scheint total gleichgültig. Die Sperrholz-Presse nebenan brummt und zerquetscht krachend ihren Inhalt.
Es
tut mir Leid, mein Kleiner …

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Rest in Peace

17 09 2007

Wie gut erinnere ich mich doch noch an den Ausflug in den Europapark mit unserem Physiklehrer. Baden im Baggersee, Chillen am Feuer – sogar kastenweise Getränke, Grillwürste, Steaks und Eis zum Kühlen hatte er damals für die Klasse organisiert. Weiter zurück in der Zeit erinnere ich mich an den Ausflug ins Pumpsspeicherkraftwerk und eine außerplanmäßige, abenteuerliche Wanderung duch den Schwarzwald. Eine aufbrausende, energische, aber liebenswürdige und sehr schülernahe Art kann man als ein Markenzeichen ansehen. Er war einfach einer dieser Lehrer, wo bei allen die ihn kannten und von ihm je unterrichtet worden waren, viele Erinnerungen hervorgerufen wurden, wenn man im Gespräch seinen Namen nannte; einfach eine Persönlichkeit, die einem Zeit des Lebens in Erinnerung bleibt.
In letzter Zeit habe ich ihn weniger gesehen, da ich bei ihm keinen Kurs mehr besuchte.
Doch heute gab es traurige Nachrichten. Zumindest für meine Klasse, meine
Schule und mich. Vor der Großen Pause wurde eine Sondersitzung im Lehrerzimmer angesetzt. Unser Deutschlehrer meinte noch zu uns, dass so etwas vielleicht einmal in 10 Jahren passiert und meist nichts Gutes bedeutet. Nach der Pause wurde unserem Deutschkurs und allen anderen Klassen dann über das Bescheid gegeben, was alle am wenigsten erwartet haben.
Am Wochenende ist, nennen wir ihn mal R. – Physiklehrer an unserer Schule, eine Ikone unter Generationen von Schülern – unerwartet verstorben.
Was sind wir denn mehr, als temporäre Flämmchen im Strudel der Zeit, deren Leuchten kein Selbstverständnis ist, und wenn sie ausgehen, dann kriegt man sie auch nicht mehr an, war es doch schon ein Wunder, dass sie überhaupt entfacht worden sind.
Ruhe in Frieden.



Juli

18 07 2007

Da berührt Musik gerade wieder die Adern in der Seele, die an früher erinnern und an jetzt denken lassen. An Tage und Gewohnheiten die mir damals ganz normal oder manchmal auch langweilig und stupide erschienen. Wenn ich aber heute daran zurückdenke, dann wünschte ich mir, nur für 5 Minuten wieder diese Tage erleben zu können.
Genau aus diesem Grund sollte man jeden langweiligen Film, jeden verkorksten Abend in einer Kneipe, jeden anstrengenden Tag und jeden unangenehmen Regenschauer niemals vergessen.

“Denn ich liebe dieses Leben
ich liebe den Moment in dem man fällt
ich liebe dieses Leben
und ich liebe diesen Tag
und ich liebe diese Welt …”

Normalerweise bin ich gegenüber der aktuellen Pop-Welt sehr skeptisch, aber dieser Liedtext von der Band
Juli (genau, das waren die mit dem schlechten Timing mit ihrem Lied “Perfekte Welle” kurz vor dem Tsunami in Süd-Ost-Asien) spricht mir einfach aus der Seele.
Wort für Wort.



Blumen

15 06 2007

Als ich klein war, da wurde mir immer erzählt, das Blumen so schön duften. Die Blume war das absolute Bild für guten Geruch.
Eines Tages, in irgendeinem Park, waren da viele schöne, große und kleine, aber durchgängig bunte Blumenbeete. Ich wagte es und schnüffelte an den bunten Blüten.
Ich konnte nichts riechen. Die Blumen rochen nach nichts – vielleicht etwas säuerlich oder nach Gras, oder sie kitzelten einfach nur in der Nase, aber da war kein himmlischer Geruch, keine Süße und kein eau de toilette.
Ich hatte meine Erwartungen eindeutig zu hoch geschraubt; das musste ich mir selbst eingestehen.
Doch damit konnte ich mich nicht abfinden. Was war aus ihnen geworden, diesen schönen farbigen Formen, der Lebendigkeit im Farbenspiel, der rauschende Bewegung der unbeweglichen Blüten, die der Stiel im Winde wiegt: ein aufmunterndes Nicken im Sturm. Die Sanftheit im Wesen der Blume, diese zerbrechliche Ästhetik, Schönheit und Jugend
- das konnte doch nicht alles eine lügnerische Fassade sein!

Die Natur sollte mich aber doch nicht im Stich lassen. Vor einiger Zeit habe ich meiner Mutter Blumen gekauft. Ich kann nicht mehr sagen, wie die Blumen hießen. Namen sind unwichtig. Genauso wenig weiß ich noch, wie sie aussahen, oder wieviel sie kosteten, in diesem kleinen Blumenladen an der Ecke.
Doch ihren lieblichen Duft habe ich immer noch in der Nase. So unbeschreiblich ist dieser Geruch, etwa so unbeschreiblich wie das Gefühl der Liebe, welches man nie so beschreiben wird können, dass jeder darunter dasselbe versteht.

Wein, Pralinen, Bitterschokolade oder der Spinat, vor dem man sich als Kind furchtbar fürchtete: Manchen Geschmack und Geruch scheint man erst zu schätzen, wenn man älter wird und seine Erwartungen an eine paradisische Welt mit Prinzessinen, Benjamin Blümchen und ‘Bello auf dem Bauernhof’ tief unten bei den Bauklötzen und Kuschelbären verstaut hat.

Seit diesem Tag sind Blumen für mich
wieder das geworden, was sie meiner Meinung nach symbolisieren sollten.

Hoffnung.



Bye yesteryear!

28 05 2007

Alte E-Mails gelöscht – alte Erinnerungen verschwinden lassen, nachdem sie ein letztes Mal durch den Kopf geschossen sind. Platz gemacht im Postfach, sowie im Kopf, und mich dabei an alte Bekanntschaften erinnert: Ehemalige Clankollegen aus meiner Zocker-Zeit, E-Mails von Mitschülern aus dem Ausland, frühe Blog-Bekannschaften … Alles verläuft im Sand, aber so unmerklich, dass es zuerst nicht weh tut.
Keine Technik der Welt wird es schaffen, die Zeit und die Stimmungen zu konservieren, man wird höchstens daran erinnern können, alte Schubladen aufreißen und dabei Spiegel zerbrechen.

Die Zeit vergeht einfach viel zu schnell und lässt nichts übrig.
Oder bin ich es, der nichts übrig lässt?



Kindheitserinnerungen I

15 12 2006

Aufgrund wiederholten Malträtierens der Mädchen mit Juckpulver während der 5-Minutenpause wurde es mir untersagt, bei dem tollen Theaterstück mit der überwinternden Mäusefamilie mitzuspielen, dass die Zweitklässler jährlich für die neuen Erstklässer aufzuführen hatten.
Mein Rolle war so oder so bescheiden. Ich war der Wind und durfte ein Plastikrohr durch die Luft kreisen lassen, sagenhafte zweimal während der ganzen Aufführung. Und dabei wurde ich nicht mal vom Publikum gesehen – also hätte ich meine Grundschullehrerin nicht einmal mit blöden Grimassen verärgern können.
Dabei wollte ich doch die Hauptrolle.

Am Tag der Aufführung bin ich dann mit neuen Rollschuhen an der rammelvollen Stadthalle vorbeigefahren und habe ganz cool meine geschminkten Klassenkameraden ausgelacht und kam mir dabei vor, wie der böse perspektivlose Klassenclown, der 2 Wochen von der Schule suspendiert wurde.

Waren das doch Zeiten.
nInnocent times of childhood, gone forever…