Mickey & Mallory

10 04 2010

Wie oft wird von Menschen behauptet, Gebete wären Worte, die in der Größe unseres gottlosen Universum verhallen würden. Ja, leider verhallen sie, so oft – zu oft. Doch die Gebete versickern nicht im Nichts, weil Gott ihnen kein Gehör schenkt. Nein – sie verschwinden im Strudel der Verzweiflung, weil wir die Engel sind, die nicht seinem Ruf folgen, die Bitten unserer Mitmenschen zu erfüllen.

Mickey: The whole world’s comin’ to an end, Mal!
Mallory: I see angels, Mickey. They’re comin’ down for us from heaven. And I see you ridin’ a big red horse, and you’re driving them horses, whippin’ ‘em, and the’re spitting and frothing all ‘long the mouth, and the’re coming right at us. And I see the future, and there’s no death, ’cause you and I, we’re angels…
Mickey: I love you, Mal.
>Mallory: I know you do baby, and I’ve loved you since the day we met.



Momente

25 05 2009

Da saß der Bursche nun allein auf dem grünen Hügel, nebst den leuchtenden Narzissen und sprach zum Himmel:
“Hallo Sonne, die du da über mir hinwegziehst und mich schelmisch angrinst. Und ihr Vögel da, die ihr mich mit eurem Geplapper verhöhnt. Gegrüßt seist du, du unbarmherzige Existenz. Zu wessen Belustigung quälst du mich? Stiehlst mir die Zeit mit großen Säcken, erbeutest meine Tage im Nu, peinigst meine Träume mit all deiner Macht. Momente wie Jahre, Jahre wie Momente. Sitzt in meinem Kopf und ziehst an den Fäden, kontrollierst das Gift, dass mich zu Schlafe bringt und mich aus ihm reisst. Machst Sekunden wie Monate ungeschehen und wirfst mich durch Raum und Zeit. Machtest mich zum Idealisten, zum Romantiker, zum Träumer, aber haben die doch alle gemein, entweder bei Schlachten in der ersten Reihe zu sterben, vom Schicksal verhöhnt oder in Gedanken vom Sturm überrascht zu werden.”
So er diese Worte gesprochen hatte, lärmten
die Wolken und ergossen ihre Scham über sein Haupt.



Herbst im Frühling

27 01 2008

Am Dienstag ist Beerdigung. Wieder einer von Bord. Und wir sind noch da.
Die Jugend verwelkt wie eine Blumenwiese im Herbst, das Gras wird braun, doch es fällt kein Schnee. Was man sonst nur in Büchern liest oder in Filmen sieht, wird Realität. Menschen verschwinden, Menschen scheitern, Menschen sterben. Und es sind nicht mehr nur die Großeltern und Urgroßeltern, in deren Trauerzug man sich einreihen muss, denen man die letzte Ruhe verschaffen muss – es sind wir, die Jungen, deren Herbst noch lange nicht anzubrechen hat. Nein, wir sterben in unserem Frühling.
Irgendwann muss man erkennen, dass davon auch wir davon betroffen sind, dass es keine Phantasien und Geschichten sind, keine Fernsehsendungen, von denen man einfach zum nächsten Sender zappen kann.
Zerfall, Verfall … Die heile Welt ist tot. Hat sie je gelebt? Sie war schon immer tot, bloß will man das nicht wahrhaben.
Wer weiß wie es passiert ist. Der eine oder andere beginnt
eines Tages nachzudenken, und so mancher davon wird merken, dass sich eigentlich nichts ändern würde, wenn er verschwindet; das alles weiter seine Gang gehen würde, auch ohne dich selbst, dass man nichts verändert hat, niemand sich durch dich gestört fühlt und du aber auch in keinem Herzen eine Heimat gefunden hast. Existierst du dann überhaupt noch? Bist du je dagewesen, wenn sich ohne dich auch nichts ändern würde? – wirst du dich dann fragen.
“Für die Welt bist du irgendjemand, aber für irgendjemand bist du die Welt.”, sagte Erich Fried.
Auch wenn wir dich verbuddeln und der Grabstein in ein paar Jahren von Moss bedeckt sein sollte, in vielen Herzen hast du Anerkennung gefunden.



Gott im Stress

26 12 2007

Die stressigste Zeit für Gott ist nicht, wie vom Großteil der Bevölkerung angenommen, die Weihnachtszeit, sondern die Zeit des Krieges – vorrangig dann, wenn viele verschiedene Menschen daran beteiligt sind, weil er dann vor jeder großen Schlacht von Feldgottesdienst zu Feldgottesdienst hetzen, und allen sich verfeindeten Beteiligten versprechen muss, dass sie den Krieg gewinnen.



Wo sind wir?

17 12 2007

Er starrte auf die sich von der Wand ablösenden Tapetenfetzen unter denen das schimmlige Mauerwerk zum Vorschein kam. Sein Seufzen hallte im Raum wieder, wonach er ruhig und bedacht seinen Gegenüber fixierte und ihm in die Augen starrte.

“Weißt du, wo wir hinkommen? Wenn das so weiter geht?”
Mit entgeisterte Blicke antwortete sein Gegenüber: “Wenn was so weiter geht? Von was redest du?”
“Wenn die Menschen nicht mehr miteinander reden, sich nur noch in der S-Bahn anstarren und weiter wegschauen, wenn im benachbarten Abteil eine junge Mutter neben dem Kinderwagen vergewaltigt wird; wenn wir nur noch unser beschissen kleines Monatsgehalt im Kopf haben, mit dem wir uns scheissteure Flachbildfernseher kaufen, um uns den ganzen Tag berieseln lassen zu können; wenn nicht mehr wichtig ist, was du denkst, wir du handelst und wer du bist, sondern nur noch Bedeutung hat, was du leistest?”
Auf der Straße donnerte ein riesiger Lastzug vorbei,
dessen Lärm die Fensterscheiben erzittern ließ.
“Weißt du, wo wir dann hinkommen?”
Er zuckte mit den Schultern und begann zu antworten: “Hmm, gute Frage … keine Ahnung. Vielleicht in die Hölle?”, und schloss seinen einen Satz mit einem dämlichen Grinsen ab.

“Du Idiot! Gar nirgends kommen wir hin. Wir sind verdammt nochmal schon da!”

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Mal wieder Herbst, aber doch nicht wie üblich

6 11 2007

Jeder will wisssen, was du vor hast. Jeder will mit mir irgendwelche Verträge abschließen. Jeder sagt mir, ich solle mich dann melden, wenn ich wüsste was ich machen werde. Jeder meint, er hätte da was für meine Zukunft.
Nur ich habe keine Ahnung, was da werden soll. Die Zeit schreitet unbarmherzig weiter vorwärts, weder bösartig, noch bemitleidend, und der Saal um mich herum leert sich langsam. Sie vergeht einfach und frisst mich auf. Sie lässt mich in einer Welt von der Leine, in welcher mir eine große Anzahl an Türen offen stehen, was aber noch nicht heißt, das ich mir sicher bin, durch welche Tür ich gehen soll. Hinter mancher Türe leuchtet es hell, aus einer anderen tönt volles Leben und hinter manch anderer stochern meine Augen im Dunkeln. Mir ist klar, dass ich diesen Raum verlassen muss, doch habe ich noch nicht wirklich die Lust dazu, da mir wahrscheinlich noch nicht mal richtig bewusst ist, was das bedeutet.

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Die Bäume vor dem Fenster werden sich auch in den nächsten Jahren verfärben, doch wer weiß, was dann mit mir sein wird. So viele verschiedene Stimmen sind da, die mich rufen und führen wollen und doch kann ich keiner wirklich trauen, weil keiner in mich hineinschauen kann. Wie lange habe ich nicht darauf gewartet, endlich durch’s Ziel zu laufen, doch jetzt wo ich im Endpurt stehe, da sehe ich nun auch schon etwas um die Kurve hinter Zielgeraden.
Die Zukunft entzaubert sich selbst.

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Rest in Peace

17 09 2007

Wie gut erinnere ich mich doch noch an den Ausflug in den Europapark mit unserem Physiklehrer. Baden im Baggersee, Chillen am Feuer – sogar kastenweise Getränke, Grillwürste, Steaks und Eis zum Kühlen hatte er damals für die Klasse organisiert. Weiter zurück in der Zeit erinnere ich mich an den Ausflug ins Pumpsspeicherkraftwerk und eine außerplanmäßige, abenteuerliche Wanderung duch den Schwarzwald. Eine aufbrausende, energische, aber liebenswürdige und sehr schülernahe Art kann man als ein Markenzeichen ansehen. Er war einfach einer dieser Lehrer, wo bei allen die ihn kannten und von ihm je unterrichtet worden waren, viele Erinnerungen hervorgerufen wurden, wenn man im Gespräch seinen Namen nannte; einfach eine Persönlichkeit, die einem Zeit des Lebens in Erinnerung bleibt.
In letzter Zeit habe ich ihn weniger gesehen, da ich bei ihm keinen Kurs mehr besuchte.
Doch heute gab es traurige Nachrichten. Zumindest für meine Klasse, meine
Schule und mich. Vor der Großen Pause wurde eine Sondersitzung im Lehrerzimmer angesetzt. Unser Deutschlehrer meinte noch zu uns, dass so etwas vielleicht einmal in 10 Jahren passiert und meist nichts Gutes bedeutet. Nach der Pause wurde unserem Deutschkurs und allen anderen Klassen dann über das Bescheid gegeben, was alle am wenigsten erwartet haben.
Am Wochenende ist, nennen wir ihn mal R. – Physiklehrer an unserer Schule, eine Ikone unter Generationen von Schülern – unerwartet verstorben.
Was sind wir denn mehr, als temporäre Flämmchen im Strudel der Zeit, deren Leuchten kein Selbstverständnis ist, und wenn sie ausgehen, dann kriegt man sie auch nicht mehr an, war es doch schon ein Wunder, dass sie überhaupt entfacht worden sind.
Ruhe in Frieden.



Mariella

31 08 2007

Die Geschichte von Mariella ist eine traurige Geschichte. Ich will euch von ihrem Leiden berichten, denn wenn jemand in unserer ergrauten, schadenfrohen Welt von Einsamkeit geknechtet wird, dann ist das Mariella.
Man sollte es eigentlich nicht glauben, dass so ein fabelhaftes Wesen wie sie einsam durch die Straßen der Stadt streifen musste. Schon so viele Kerle haben sich in ihr wunderschönes Lächeln und die kristallklaren Augen verliebt, grünblau über den runden Wangen eingebettet. Wenn sie blinzelte, dann wirkte das jedesmal so, als würde sie sich für ihre betörenden Augen enschuldigen wollen. Die nussbraunen Haare fielen leicht gelockt über ihre Schultern. Sie trug sie meist offen.
In diese Mariella haben sie sich alle verliebt, diese Windhunde. Doch wenn Mariella dann in trauter Zweisamkeit ohne böse Absicht beim Lächeln ihren Mund zu weit öffnete, dann ergriffen ihre Liebhaber in spe auch ebenso schnell die Flucht, wie sie sich
in ihren Bann haben ziehen lassen. Dann nämlich erscheinen sie, die spitzen Eckzähne, messerscharf und bedrohlich blitzten sie dann unter den hellroten Lippen hervor.
Sie wollte doch nie eine Vampirin sein, niemanden beissen, doch niemandem weh tun, erst recht nicht Menschen, die sich in sie verliebt hatten und die sie begann zu lieben. Wenn ihre Verehrer dann angstvoll die Türe hinter sich zuschlugen, dann sank sie in die Knie und begann zu weinen.
Das letzte Mal hatte sie einen Menschen vor 3 Jahren gebissen und als sie danach im Spiegel ihren blutverschmierten Mund betrachtete, da begann sie Angst vor sich selbst zu bekommen. Dieses Erlebnis bewog Mariella dann dazu, die scharfen Eckzähne mit einer Feile aus ihrem Mund verschwinden zu lassen. Unvergesslicher Schmerz, Übelkeit und brennende Augen waren die Folgen dieses vergeblichen Versuchs, endlich normal zu werden, so wie alle anderen, um endlich akzeptiert zu werden. Doch die ungebliebten Hauer wuchsen bereits nach einer Woche wieder auf
ihre ursprüngliche Größe zurück.

Lange lange Zeit habe ich nichts mehr von Mariella gehört. Sie ging aus Scham und wegen der Sensationsgier ihrer Nachbarn nicht mehr auf die Straße. Man erzählte sich sogar, sie habe alle Spiegel in ihrer Wohnung abgehängt, um sich selbst, der Missgestalt, als die sie sich betrachtete, nicht mehr unter die Augen treten zu müssen, zu der sie eines Nachts nach einem Biss geworden war, dem sie wehrlos ausgesetzt war. So begann sich selbst die Schuld an ihrem Aussehen zu geben. Irgendwann verlor sie dann sogar ihr Lächeln, welches selbst noch in größter Trauer und Angst ihr Gesicht erhellt hatte.
An einem Januarmorgen musste ich in der Zeitung von einer jungen Frau lesen, die man aus dem Fluss gefischt hatte. Einen Tod in dieser elenden Dreckbrühe hätte man nicht dem größten Verbrecher gewünscht. Ihr toter Körper war Verschlussache, die Zeitung berichtete nie von der Aufklärung ihres Todes.
Kalt ist der Fluss um diese Jahreszeit.

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Lost Prophets – 4:AM Forever



Ist doch auch egal

26 08 2007

Der nächtliche Heimweg war deprimierend. M. war derselben Ansicht. Während wir in den frühen Morgenstunden, als das schwarz der Nacht noch immer den Himmel bedeckte, unseren Weg nach Hause gingen, da erschien mir alles so klar und so unbarmherzig. Jedes Thema das wir anschnitten, mündete in der Erkenntnis, dass man jede offene Frage am Ende mit einem tiefen Seufzen beantworten kann. Mit Achselzucken und Resignation. Wir schaffen unser Leben nicht allein. Das hat noch nie jemand geschafft. Nicht einmal Jesus. Es ist wohl auch nicht der Sinn der Sache, sich allein durch’s Leben zu schlagen und das Herz mit Mörtel und Beton dicht zu kleistern, damit nichts hineingelangt. “Verschobene Inbetriebnahme des Herzens aufgrund akkuter Angst um die lebenserhaltenden Funktionen.” Ist das denn Leben?
Eine weitere Erkenntnis ist umso erschreckender. Sind wir nicht nach allem süchtig. Nehmen wir Drogen um uns abzulenken, stürzen wir in Abhängigkeit.
Entkommen wir dieser Sucht, stürzen wir uns in eine andere. Entweder nach Anerkennung und Erfolg, oder nach Liebe und Zuwendung. Eines dieser Attribute ist es immer und wird es immer sein. Das Leben ist eine einzige Sucht, ein Teufelskreis, dem wir nicht entkommen können. Ohne Süchte könnten wir nicht leben.
Autos waren nicht viele unterwegs. Diejenigen, die trotzdem herumfuhren, hinterließen bei mir die Frage, weshalb diese Autos Sonntagmorgens um kurz vor 4 Uhr durch die Gegend rollen. Da die Scheiben von der Kälte beschlagen sind, kann man die Menschen, die diese Kästen durch die Welt lenken, nicht erkennen. Es sind Phantome die Ihre Wagen durch die Straßen manövrieren. Wer sitzt da drin und wo fährt er hin? Wo kommt er überhaupt her? Kommt er überhaupt woher? Ist doch eigentlich auch egal. Es sind Autos mit irgendwelchen Menschen drinnen, die von irgendwo herkommen und irgendwo hinfahren. Ist es denn von Bedeutung? Wahrscheinlich wissen die Fahrer nicht mal selbst wo sie hinfahren,
eingesperrt in Glas und Metall. Aber ist es bei uns beiden Fußgängern denn anders? Wo gehen wir denn schon hin? Wer weiß das schon. Ein tiefes Seufzen.
Vorbei am Bahndamm. Einfach absurd wie es da aussieht, wenn man es genau auf sich wirken lässt, was da so alles aus dem Boden ragt, was wir in die Welt gestellt haben, zur Orientierung, Markierung oder einfach für Gar nichts. Straßenlampen, Straßenschilder, Warnleuchten, Markierungsschilder, Ortsschilder, Geländer und Werbeschilder. An dieser Stelle sieht es einfach erschreckend aus. Ein Wald aus Orientierung und Wegweisern, doch wie heißt es so schön: Man sieht den Wald vor lauter Bäumen nicht. Man sieht überhaupt nichts, verdammt nochmal einfach gar nichts! Die Blicke werden von der Dunkeheit verschluckt.
In der Nähe kracht und kleppert es. Die Geräusche scheppern durch die Dunkelheit. Ich habe keine Ahnung was es ist und es ist doch eigentlich auch völlig egal. Mich erfasst das Gefühl, als wären die Diskussionen und Gedanken schon
alle einmal dagewesen. Es dreht sich immer um dasselbe. Alles mündet in allem, alles hängt zusammen. Von einem Punkt kommt man immer zu einem bestimmten anderen, wenn man diese Verbindung denn will. Wir finden aber für unser aktuelles Problem keine Lösung und sind beide ratlos.
Und das ist eben nicht egal.

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The Pixies – Where Is My Mind?



Wir nennen es …

18 08 2007

Dunstfetzen, die über uns hinweg ziehen. Wir nennen sie Wolken.
Eine überfahrene Katze am Straßenrand. Wir nennen es Pech.
Vergiftete Erde, die wir hinterlassen. Wir nennen es Fortschritt.
Menschen, die wir betrügen. Wir nennen es Freundschaft.
Sich treffen und vor Kameras die Hände schütteln. Wir nennen es Politik.
Tote und Tränen. Wir nennen es Gerechtigkeit.
…. . Wir nennen es ….

to be continued
by you?