Hakapik

21 04 2007

Dieses Jahr war es wieder das Gleiche. Das war noch keine gerechte Strafe.
Nächstes Jahr werden die skrupellosen Mörder wieder auf die Jagd gehen.



Vergessen und Erinnern

20 04 2007

Everybody wants to go to heaven, but nobody wants to die.
Peter Tosh – Equal Rights

In dieser Welt geht mir das Sterben eindeutig zu schnell. Es ist zwar leicht gesagt, dass es jeden erwischen kann, doch wenn man sich wirklich darüber Gedanken macht, dann merkt man, wie unvorstellbar das Ganze scheint.
In dieser Welt lässt sich von einem Menschen nichts so Brutales bewerkstelligen, dass es nicht vergessen werden wird. Vergessen und Erinnern sind die einzigen Dinge, die es einem Menschen möglich machen, heil durch das Leben zu kommen. Und nein: Daran ist kein Gott schuld – wir sind daran Schuld. Mit jedem bösen Blick den wir in Gesichter schicken, schüren wir den Hass.
Wir machen die selben Fehler immer und immer wieder. Wieso Mauern bauen und
Brücken einreissen
? Hat denn aus Fehlern niemand gelernt? Erinnert sich denn niemand mehr?
Weshalb müssen Menschen sterben, die in Frieden leben wollen?
Diese Welt ist von Hass durchdrungen. Das lässt sich nicht leugnen.
Was nutzt es Schuldige zu suchen und zu bomben? Solange das weitergeht und solange nur ein einziges menschliches Wesen auf dieser Erde unter Hass, Ausgrenzung, Vernachlässigung und Unterdrückung leben muss, wird Hass entstehen.

We steal from beggars and ask for understanding, lie, rape, steal and murder to make tonights headlines!
In Flames – Vacuum



Die Motte, Opfer der Nacht

21 02 2007

Ihr Lippenstift war verschmiert und die gepuderten Backen durchfurcht von Tränentälern. Sie sprach mit leiser Stimme mit sich selbst und flüsterte heimlich mit der Straßenlaterne; umklammerte sie wie einen Freund, und rieb ihre weichen Wangen an der Kälte der blanken Metalloberfläche. Die Zigarette zwischen ihren Lippen glimmte schon lange nicht mehr, so wie das Feuer in ihr drinnen, dass mit einem Eimer kalten Wassers vor 10 Minuten ausgeschüttet worden war. Alle Kindheitsträume sind verflogen, wie sein Parfum heute Abend. Keine Familie, keine Kinder, kein Mann, kein Haus, kein süßer Hund, nicht einmal ein bisschen Liebe – alles Lüge.
Mit einem traurigen Blick verfolgte sie eine taumelnde Motte, die ihren Kopf umkreiste, sich im Zickzack zur Straßenlampe hochschraubte, um dort unablässig gegen die Glaslampe zu fliegen, was jedes mal ein leises Knacken durch die Nacht schallen ließ.
Das Leben kann so einiges mit einem anstellen, aber
mit ihr war es schon immer besonders streng gewesen. Kein Happyend, keine Traumprinzen, die sie mit in eine heile Welt nehmen und sich um sie sorgen, alles Lügner, die sich mit ihr einließen. Das war das Problem. Über ihrem Leben prangte eine große Überschrift, in dicken Lettern: Enttäuschung.

Sie kam sich vor wie die Motte über ihrem Kopf, die immer noch gegen die Straßenlampe flog, unablässig, ohne zu lernen, ohne die Angst, der körpereigene Chitinpanzer könnte einen Knacks bekommen. In das Licht der Lampe wurde normalerweise so einiges getaucht, was einsam und verloren durch die Nacht kroch, doch jetzt hatte sie das Gefühl, als wäre sie die Einzige, die noch mit dem Problem der Einsamkeit zu kämpfen hatte, und alle anderen hätten ihren Tanzpartner auf dem Parkett des Lebens gefunden. Wenn man alle Möglichkeiten ausprobiert hat, aber nichts dabei herrauskommt, dann verliert man die Hoffung, und es wäre unvernünftig das nicht zu tun. Als sie wieder die Motte gegen die Glaskuppel der
Lampe krachen hörte, erfüllte sie das mit ein wenig Genugtuung, doch nicht das einzige Opfer dieser Nacht zu sein, auch wenn sie wohl weiter alleine tanzen würde müssen, ihren Träumen nachjagen und ihre Krisen alleine durchstehen. Geteiltes Leid ist halbes Leid, aber es tut trotzdem weh. Das Leben kann so unfair sein.

Das Knacken hatte aufgehört.
Die Motte war tot.



Hast du Hunger?

12 02 2007

Läuft dir bei diesem Anblick das Wasser im Mund zusammen? Hast du Hunger? Ja?
Viele Menschen auf dieser Welt haben gerade auch Hunger, aber ungefähr 4000 Kinder werden dir diese leckere Pizza nicht wegschnappen können, weil sie nicht mehr dazu kommen werden, weil sie noch heute tot sind. Weil sie Hunger hatten – mit Bäuchen so groß wie Fußbällen, weil uns nichts Besseres einfällt, als unser Geld für Bomben, Maschinengewehre, riesen Hochhäuser, Fußball-WM’s und Reality-Premium-Arsch-TV rauszuschmeissen.
Helfen ist kein Tropfen auf den heißen Stein, sondern ein Stück Brot in den href="http://www.unicef.de" target="_blanK">hungrigen Magen.



Der Teufel muss eine Werbeagentur haben

24 01 2007

Der kleine Max steht im Kaufhaus vor dem großen Regal mit den Süßigkeiten und kratzt sich verwundert den Kopf, nicht etwa überrascht von der riesigen Menge Überraschungseier, sondern eher von den raffinierten Marketingmethoden der Süßigkeitenhersteller.
Er hatte seine Mutter schon oft gefragt, warum denn gerade auf den Süßigkeitenpackungen, deren Inhalt doch so dick machen soll, Werbung für Sportartikelmarken gedruckt ist. Man konnte ihm auch noch nicht erklären, weshalb die Fußballer der Nationalmannschaft ihre Visage gerade für den braunen, süßen und klebrigen Brotaufstrich in Szene setzen, den ihm seine Großmutter verboten hat, weil er doch so ungesund sei.
Von den bunten Packungen paralysiert stolpert der kleine Kerl weiter durch den Supermarkt, vorbei an den billigen Weinflaschen, angefaulten Salatköpfen, und am umetikettierten Schweinerücken und der tiefgefrorenen Käsepizza, hinüber zu den glänzenden Chipstüten, auf
denen schon wieder komische Fußbälle und sportliche Models den kleinen Max mit aufgesetzter Grinsefresse anschmachten, gerade so ausgefuchst, um den armen Jungen dazu zu bewegen, seine kleinen Finger nach den Tüten auszustrecken und sein spärliches Taschengeld für das Knabberzeugs auf den Kopf zu hauen, um es sich dann zu Hause vor dem Fernseher in den Rachen schieben zu können. Mit seinen Fettfingern wird er zufrieden, aber trotzdem einsam und traurig, da seine Eltern sich schon wieder gestritten haben und Mama sowieso den ganzen Tag arbeiten muss, die Fernbedienung unter Chipstüten, Colaflaschen und Schokoladenpapierchen hervorkramen und auf den Sportkanal umschalten um Wrestling zu schauen. Er wünschte, er wäre auch so stark wie die Muskelprotze im Fernsehen und könnte seinem Vater mal ordentlich eine reinhauen, wenn dieser wieder auf seine Mutter einprügelt.
Er schließt die Augen und steht wieder vor dem Kühlregal, mit den Joghurts und Milchschnitten, für die zwei starke und gesunde
Boxer mit ukrainischem Akzent Werbung machen.
Die Luft aus dem Kühlregal weht ihm kühl in Gesicht. In diesem Teil des Supermarkts ist es ruhig und nur das monotone Summen der Kühlaggregate stört die vollkommene Stille.
Doch nach ein paar Minuten wird es immer kühler und um den kleinen Max wird es plötzlich kalt, so eisig kalt.
So kalt, wie es in ihm drinnen eigentlich schon immer war.
So kalt, dass er nicht mal weinen kann.



Setzen wir die Maske der Unschuld auf

20 01 2007

Wer über die Gefühle anderer lästert, tut dies meist, weil er diese Gefühle bei sich selbst vermisst.

Schon mal aufgefallen? Meist erkennt man dieses Verhalten bei den anderen sehr schnell und fast nie bei sich selbst, aber wenn doch, dann leugnet man es.

Für die anderen ist jeder ein emotionaler Krüppel, da ist es schwer die Wut zu zügeln und das Geschwätz zu ignorieren.
In 2 Wochen wird man sich schon daran gewöhnt haben. Sei nicht zimperlich.
Viele sind er Ansicht, sie dürfen das tun, weil es keinen vorhersehbaren Schaden erwirkt.
Ein Trugschluss.

Keiner kann dem anderen in den Kopf reinschauen und ins Herz erst recht nicht.
Es empfiehlt sich also, sich aus den Angelegenheiten anderer rauszuhalten.
Sonst läuft man in Gefahr bei seinem rettenden Samaritergang (man will doch nur das Beste) kleine Dinge auf dem Boden zu
zetrampeln, weil man sie in seinem egoistischen Wahn übersehen hat.