Eindrücke verfrorener Feiertage

26 12 2006

Beim Verlassen der Kirche klimpert es im Spendentopf.
Da schoss mir ein Gedanke durch den kopf, der es mir wirklich froh um’s Herz werden ließ.

Wenn jeder ein wenig gibt, wird aus wenig viel. Es ist für den Menschen schwer zu geben, wenn man nichts zurück bekommt, doch es ist wahre Liebe, wenn man es trotzdem tut.

Beschwer dich nicht, wenn andere mehr bekommen, sondern gönne es ihnen und habe die Stärke, nicht über sie zu meckern. Unterdrücke deine Wut.

Lieb Vaterland magst ruhig sein” von Johannes Mario Simmel, hatte einen sehr amüsanten politischen Scherz parat.
Was ist der Unterschied zwischen Kapitalismus und Sozialismus?
Beim Kapitalismus beuten Menschen andere Menschen aus, beim
Sozialismus ist es anders herum.

Wie einfach und doch zum Schmunzeln war auch dieser Spruch meines Großvaters.

Bleib ruhig, nimm dir Zeit und nicht das Leben.



Völkerverständigung

19 11 2006

Des nachtens am Wochenende begegnen einem ja schon komische Gestalten in der Bahn.
Doch gestern hätte ich mal wieder ausrasten können.

An der Süd steigen ein paar betrunkene Rentner mit ihren Frauen ein. Sie beginnen gleich rumzuproleten.
Auf einmal steht aus einem unerfindliche Grund ein Schwarzer auf und brüllt die Rentner an.
“Ha, wa ischn des fir an Schäraschleifer!”, schallt zurück.
Eine kleine Provokation war genug um beide Parteien gegeneinander aufzubringen.
“Ey, mo*herfucker …”, und ähnlich lauten die Antworten des englisch sprechenden Mitbürgers.

Ich stehe jetzt am Ausstieg, weil ich gleich raus muss, sowieso schon eine Station zu weit gefahren.
Hinter mir blubbern zwei von den Rentnern vor sich hin.
“Was moinsch, die bleede Amrikaner, ind Wischt sodd ma se setza, ohne Wasser”.
“N langa quallvoller Tod winsch i dem, dem Neger! Siehsch der hat ‘bitch’ gsagt, des isch bei dene n Ausdruck!”
nDiesen beiden alten hässlichen Faschisten hätte ich am liebsten eins zwischen die Augen gegeben.

Die beiden Kartenkontrolleure haben das Schlichten aufgegeben.
Sie stehen nur noch zwischen dem Schwarzen und der Gruppe Rentner und versuchen die Beleidigungen des Dunkelhäutigen zu ignorieren.

Endlich Aussteigen. An der Auseinandersetzung waren wohl beide Parteien nicht ganz unschuldig, doch die arschigen Kommentare der Hobby-Nazis an der Tür – die haben mich zum Kochen gebracht.

Es ist zum Kotzen.



Verschiedene Feststellungen

25 09 2006

“Ein Mensch der keine Liebe bekommt, stirbt. Die Einsamkeit ist ein Mörder.”
The Lunatic

Wenn das Verlangen nach Flüssigkeit und Nahrung kein Instinkt wäre, sondern eine Sache der Intelligenz, dann wären wohl schon einige Schwachköpfe krepiert. Damit meine ich mit Intelligenz einfach nur gesunden Menschenverstand.
Ich sehe normalerweise nicht auf andere Menschen herab, aber manchmal denke ich mir bei bestimmten Geschöpfen: “Verdammt, das einzige was ich mit dem gemeinsam hab, das ist ein Überlebensinstinkt. Sonst nichts.”

Habe dieses Wochenende eine neue Subkultur hautnah kennengelernt: Oi!-Skinheads. Sie sind übrigens nicht zu verwechseln mit Nazis.
Die haben nämlich den Skinhead-Look geklaut und ihn für ihre faschistischen Ideologien missbraucht.
Nun ja, ich kann nach meinen ersten Beobachtungen nur feststellen, dass die Kerls ganz sympathisch sind, aber während Konzerten werden sie zu unberechenbaren Gestalten die sich beim Moshen und Bier herumspritzen gegen die Bühnenkante pfeffern.
Da bleib ich doch lieber in der 4. Reihe und tanz ruhig vor mich hin. :P

Es ließ sich trotzdem nicht verhindern, dass ich in dem stickigen und heißen Konzertraum mit einem Schwall Bier abgekühlt worden bin. :>

Ansonsten lässt sich nur noch sagen: Feuer, Feuer, Feuer auf Babylon .. ! … Jah, lass Sodom und Gomora brennen! :)

Liedtipp: O.C. Supertones – Welcome Home

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mehr?

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(Das war wohl vorerst mal das letzte Reinhör-Musikstück, die Dinger jedes Mal zu machen is mir zu stressig … :P )



Back I Am

26 08 2006

Notizen der letzten 12 Tage:

Dienstag, 15.08.06
Der noch kühle Wind erinnert an die nasskalten Morgenstundes dieses Tages.
Wäre jetzt noch mein Schatz bei mir, dann wäre die Welt perfekt. Doch Perfektion ist wohl das Unerreichbarste für den Menschen überhaupt.
Mir bleibt nichts, als die schönen Gedanken in meinem Kopf immer wieder wie einen Filmclip im Repeatmodus abzuspielen und dabei jedesmal um neue Träume zu erweitern.
Der Mais wedelt im Wind, sie schütteln sich gegenseitig die Hand.
Alles ist so schön und könnte noch viel schöner sein.

Sonntag, 20.08.2006
Ein sehr sonderbares Empfinden ist das.
Man schließt die Augen entspannt sich und lauscht dabei einer Unterhaltung. Dann beginnt man kurz wegzuhören um das Gesagte zu reflektieren und sich darüber Gedanken zu machen. Schwebend durch Raum, Zeit und Phantasie startet man danach dann den Versuch wieder dem
zuvor belauschten Gespräch Gehör zu schenken – doch es geht nicht.
Auf einmal hört man nichts mehr, sieht nichts, fühlt nichts, nicht einmal mehr das eigene Atmen.
Ein Status zwischen Wachen und Schlaf.
Falls es jemand ausprobieren sollte: Nicht zu voreilig mit freudiger Rückmeldung: Medikamentöser und Einfluss von Drogen zählt nicht. Vielleicht hat uns aber auch nur eine Traumwolke eingefangen und zieht mit uns durch unser Inneres.

Kaum ist man zurück, wird man schon wieder auf 3 Party’s eingeladen. Warum kann man sich nicht zerreissen?
Das beschissene alte Sprichwort: Man kann nur auf einer Hochzeit tanzen …

Liedtipp: Dire Straits – Walk Of Life



In die Ewigkeit

11 08 2006

Stille. Nur Vogelgesang. Wie ein Abschiedslied.
Ich blicke zum Himmel. Hellblau mit hellgrauen Wölklein bedeckt. Langsam wird der Sarg hinunter gelassen. Ich will nicht weinen, aber ich kann es nicht verhindern.

Das Gleichnis des Pfarrers gefiel mir sehr:
Alle Flüsse münden einmal im großen und weiten Meer. Wir fließen als dünne Flüsslein, unseren Weg und am Ende des Weges versiegen wir nicht einfach, sondern sind für Größeres bestimmt. Wir fließen aus unserem kleinen Leben in die weite, grenzenlose Ewigkeit und Gott schenkt uns das ewige Leben.

Ich werfe eine Sonnenblume auf den Sarg.
Bis bald.

Liedtipp: Roger Sanchez – Another Chance



Frauenzeitschriften

12 07 2006

Wenn andere ihr Glück gefunden haben, will ich nicht zu denen gehören, die auf dessen Kosten ihren Selbstdarstellungs- und Profilierungsdrang ausleben.
Unzählige dämliche Kommentare von allen Seiten – wenn man diese Ernst nehmen würde, wäre man seines Lebens nicht mehr froh.
Am besten ist das in der Boulevardpresse zu beobachten. Die einzigsten Zeitungen, die hier noch freundlich und guten Willens sind, das sind die Frauenzeitschriften. Sie hacken nicht der Auflage wegen auf anderen herum, sondern bleiben einfach freundlich, wie immer.
Jetzt heißt es: Heul’ doch nicht gleich wegen so ein paar kleiner Sticheleien los. Tu’ ich auch nicht, aber trotzdem nerven sie mich, vorallem weil ich die Intention dahinter zwar vermute, aber nicht verstehe …

Liedtipp: The Used – Let It Bleed



Vergangen

8 06 2006

Es ist echt jedesmal eine krasse Erfahrung, wenn man als langweiligen und unsympathisch wahrgenommenen Zeitabschnitten im Leben, die in der Vergangenheit liegen, auf einmal hinterher trauert.
Als hätte man etwas verpasst.
Hab ich das?



Meine Gedanken auf Tour – 30. Mai 2006

5 06 2006

Mohnfeld in Istrien
Mohnfeld in Istrien

Regen in der Heimat macht so Sonnenkinder wie mich ja schon sehr depressiv. Doch Regen an einem Ort der für Sonne bestimmt ist, nämlich der verdammte Ort an welchem ich meinen Urlaub verbringe, der geht an die emotionalen Reserven.

Nachdem ich die Die Pest von Albert Camus nun fertig habe, merke ich wie gut das Buch doch war. Eine Dauerberieselung aus menschlichen Charakteranalysen und Verhalten von Menschen – alles an der eigenen Person und an den eigenen Erfahrungen nachvollziehbar.

Dann gibt es ein anderes schreckliches Ereignis zu melden: Das Internet-Café in Rovinj hat dicht gemacht. Anstatt blinkender Monitore und vieler Kopfhörer, schlägt einem jetzt nur noch ein Plakat mit der Aufschrift for rent in
4 Sprachen entgegen.

Gestern nacht durfte ich dann noch eine weitere Variation von Menschen kennenlernen:
Hässliche Hooliganbräute mit ekelhafter Frisur, Dampfwalzengesicht und unattraktiven Männerbadeshorts, welche nicht wirklich von Sex-Appeal zeugten.
Aber man soll ja nicht über andere Menschen urteilen. Ich habe denen wahrscheinlich auch nicht gefallen, vorallem nach meinen anzüglichen Kommentaren über die Badeshorts. Jedoch sehe ich das nicht als allzu großen Mangel an.

Felsenbar
Felsenbar “Valentino” in Rovinj (Kroatien)



Meine Gedanken auf Tour – 28. Mai 2006

5 06 2006

Wenn keine Tastatur zum Reinhacken da ist, dann muss eben mal das gute alte Papier daran glauben.
Das Wetter ist angenehm. Leicht kühler Wind paart sich mit warmem Sonnenschein zu einem freundlichen Tag. Ganz anders die Anreise.

Irgendwie haben diese Autofahrten auf den nächtlichen Autobahnen Europas doch ihre Ästhetik.
Die Schilder, Autos und Raststätten ziehen an einem vorbei, eine wie die andere.
Um die ermüdende Autofahrt etwas zu unterbrechen, steuern wir eine dieser Rasstätten an und stehen nach einigen Drehungen und Wendungen in einem Meer aus Lastwagen und leuchtender Reklame für Grillteller und Frühstück bis 11 Uhr.
Meine Blase hatte ihre Bedürfnisse schon vor mehreren Kilometern angemeldet und mit sicheren Schritten laufe ich zu der Tanke, die mich wegen der hellen gelben Leuchstoffröhren unweigerlich an einen Bienenstock erinnert.
Durch den verlassenen Verkaufsraum trabe ich zu den Toiletten. Sie erscheint mir
sehr unsympathisch.
So hell ausgeleuchtet sie auch ist und so toll sie auch durch ihre Akustik anmutet – ich bevorzuge es, dass 3 Toilettenkabinen weiter mich nicht jeder Toilettenbesucher beim Scheissen aushorchen kann.

Nun denn, ich will da schnell wieder raus. Durch die Eingangstür stolpert mir einer dieser typischen Ostblock-Billig-LKW-Fahrer entgegen – klein, untersetzt, zerknittertes Gesicht und einen 3-Tage-Bart. Seine Augen suchen hastig den Raum ab und er murmelt: “Wo is es denn, wo is es … so nen Mist, egh Mist egh … wo is es ….” und findet nach einigen mehr zufälligen als koordinierten Drehungen das wonach er gesucht hat: das Waschbecken.

Ich eile nach draußen und gehe dabei durch die 24/7-Kaffeebar. An den polierten Eichentische sitzen Menschen, die dort eigentlich nicht hinpassen. Diese Trucker blicken mit fahlem Gesichtsausdruck in die Leere. Stille, etwas Gemurmel.
Nachdem ich im Verkaufsraum dem österreichischen Verkäufer für einen total
übertriebenen Preis ein ganz tolles Apfel-Sauerstoff-Energy-Getränk mit genau 34 mal mehr Sauerstoff abkaufe, sitze ich wieder im Auto. Das Getränk schmeckt ekelhaft.
Dann falle ich wieder in einen unerholsamen holprigen Schlaf …



Durch die Dunkelheit

1 05 2006

Als ich vorhin durch die Dunkelheit heimwärts gestapft bin, habe ich in Richtung Himmel geschaut.
Alle paar Meter hörte ich die Straßenlampen, die ihr orangenes Licht spendeten, leise vor sich hinsurren.
Trotz der kühlen Nacht spürte ich das heiße Blut durch meinen Körper strömen. Das Herz in meiner Brust schlägt, und obwohl es mit jedem Schlag dem Tod ein Stück näher kommt, ist es so ein schönes Gefühl, am Leben zu sein.
Ich fühle mich gerade, als würde ich alle Emotionen des Lebens auf einmal erleben.
Mir ist das erste Mal richtig bewusst geworden, wie dankbar ich Gott dafür bin, hier auf dieser Welt mein Leben leben zu können.

“Das Leben plant man nicht, das Leben passiert einfach.”
Bob Dylan
US-amerikanischer Poet, Songschreiber, Musiker, Schriftsteller,
Filmemacher und Schauspieler

Un der Kerl hat einfach recht.
Mich packt der Hunger. Mal sehen, was der Kühlschrank noch alles zu bieten hat …

Liedtipp: U2 – I Still haven’t found what I’m looking for

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