Unsere mediale kapitalistische Gesellschaft von Idioten

28 06 2006

Streit um das Fell des toten Bruno

Menschen in aller Welt diskutieren den Abschuss des Braunbären, die Justiz befasst sich mit dem Fall, ein Minister hat mit Rücktrittsforderungen zu kämpfen. Sogar Todesanzeigen für das zweijährige Tier werden geschaltet. Und während Tiermediziner noch seine DNA untersuchen, ist auch schon der sprichwörtliche Streit um das Fell des Bären entbrannt.

Alle wollen “Bruno” – der Stofftierhersteller Margarete Steiff GmbH hat eine kuschlige Sonderedition von “Bruno” angekündigt. Den Schmusebären mit schwarzer Schleife als Trauerflor gibt es nur in limitierter Auflage von 2000 Exemplaren.

“Bruno”-Fans bieten im Internet neue Solidaritäts-T-Shirts an. “Wer war das!?!?” ist auf einem der Hemden zu lesen, ein weiteres trägt ein Porträt mit der
Aufschrift “JJ Guevara” – in Anlehnung an Brunos offiziellen Namen “JJ1″ und den kubanischen Freiheitskämpfer. “Der einsame Braunbär “JJ1″ ließ den Staat mit all seinen Polizeihubschraubern und finnischen Jagdsöldnern machtlos zurück”, heißt es in einer E-Mail dazu. “Er war der Mahatma Gandhi der bayerischen Wälder.”

Ganzer Artikel von WEB.de

Ich habe ja schon viel Schwachsinn mitgekriegt, aber sowas …

In unserer Gesellschaft gibt es nichts mehr, was nicht zu Geld zu machen ist. Unser Hang und Verlangen zu Materiellem wird immer größer, sodass sogar die Fußnägel eines x-beliebigen Popstars einen riesen Wert besitzen.
Alternativ der ausgestopfte Bruno. Sie
brauchen nicht so scheinheilig zu tun, die ganzen Bürgermeister, die den Sto(p)ffbruno bei sich in ihren Dorf-Museen als “ehrenvolles Mahnmal” ausstellen wollen.
Ihnen geht es nur um das beschissene Geld – dass Touristen und Freaks in die Kasse spülen.

Wie es Günther Wallraff in seinem Buch “Der Aufmacher”, in welchem er die Praktiken der B*LD kritisiert, treffend ausdrückt:
Auf die Titelseite muss das Leiden eines armen süßen Tieres ausgetreten werden – nicht von Menschen denen es dreckig geht, denn das rührt die Herzen der Medienkonsumenten nicht. Sie leiden selbst genug.

Bruno aka “JJ1″ sitzt nun im Tierhimmel, döst vor sich hin, schaut auf uns hinab, und schüttelt seinen Kopf.
Wenn der arme Bär gewusst hätte, was für eine Welle er lostreten würde; vielleicht wäre er dann doch lieber in seiner Höhle geblieben.

Liedtipp: The Who – Teenage Wasteland



Taub für Gefühle

27 06 2006

Über Gefühllosigkeit in emotionalen Phasen anderer habe ich mich oft gewundert. So langsam beginne ich zu begreifen, dass ich mich selbst in vielerlei Hinsicht nicht anders bin. Es schockiert mich selbst.

Dazu kommt mir der Flüchtling Ravic aus Arc de Triomphe in den Sinn, der seine Geliebte beschwichtigt, als sie ihm ihre bedingungslose Liebe gesteht. Er meint, dies sei alles nicht wahr. Irgendwann, wenn sie sich beide nicht mehr ausstehen können, wird sie mit ihm Schluss machen und aus seiner Wohnung rennen. Dann an dieses Liebesbekenntnis zu denken, würde höllisch schmerzen.

Manchmal, wenn man in Bücher schaut, ist es fast so, als würde man in der eigenen Zukunft blättern.

Wenn ich aus dem Fenster blicke, erinnere ich mich grundlos daran, wie es an einem sonnigen Tag im Januar war.
Man fühlt sich ganz anders. Diese Stille und Eiseskälte. Kontrast zwischen blendender Sonne und gefrorenen Bäumen.
Die Lungen saugen kalte Luft ein. Das beruhigt. Der Sommer hingegen bringt einen nur durcheinander.

Liedtipp: Farin Urlaub – SUMISU



Tiefgründig

26 06 2006

“Das Wunder, wenn man es erlebt, ist nie vollkommen. Erst die Erinnerung macht es dazu.”
Erich Maria Remarque
Die Nacht von Lissabon

Ich glaube, wenn ich Remarque je in meinem Leben treffen hätte können, ich hätte viel von ihm lernen können.

Zugleich gibt es noch eine traurige Nachricht. Aufgrund einer Lizenzreform, die auch Wikiquote.org betrifft, müssen aus deren Datenbank viele Zitate verschwinden. Eine traurige Stunde.

Aber war das die Intention der Urheber dieser Sätze? Sie hatten doch wohl kaum die Absicht, dass ihre Gedanken und Aussprüche unter Schloss und Riegel geklemmt werden. Sie wurden schließlich nicht gesagt, um nicht von anderen gehört zu werden.

Die
Gedanken sind frei. Meine zumindest … und ich denke an diese Zitate.



Warum?

25 06 2006

Die Hand die dieses Herz hält, schließt sich ganz langsam und scheint es zu zerquetschen. Warum? Ist es nur ein Versehen?
Wie eine Vodoo-Puppe, die unaufhörlich mit heissen Nadeln durchbohrt wird.
Warum?

Musik: Millencolin – Afghan

Update: Ein Gewitter zieht auf. Vielleicht trifft mich ja der Blitz …



Geträumt I

24 06 2006

Normalerweise träume ich nicht viel. Heute morgen jedoch, erinnerte ich mich an einen freudigen Traum. So fröhlich war ich beim Aufwachen schon lange nicht mehr.
Nein, ich habe nicht von meiner Weltherrschaft oder einem eigenen Haus mit Garten geträumt. Der Hauptakteur in dem Traum war goldig, mit goldenem Fell und treuherzigen, dunklen Augen, sowie einer hechelnden Zunge.
JayJay habe ich ihn im Traum getauft.

Mir war die ganze Zeit klar, dass ich mich nicht in der Realität befinde.
Die Wiese, auf der ich mit ihm Fang-den-Stock gespielt hatte, war so wenig echt, wie der Stock den er nach jedem Wurf wieder euphorisch hoppelnden vor meine Füße auf das nasse Gras gelegt hatte.
Wenn ich ihn umarmte schlabberte er mit seiner nassen Zunge über meine Gesicht und stubste mich mit seiner kalten Nase.

Dieses komische Kribbeln im Hinterkopf beim Aufwachen, hatte aber auch einen Grund.
Am vermeintlichen Ende des Traumes
vermag ich mich daran zu erinnern, dass er mir weggenommen wurde, JayJay. Eingesperrt in eine kleine Gartenhütte aus frischem und hellem Holz, wie man sie im Baumarkt findet, ohne Fenster und ohne Tür und auf keinen Fall geschaffen für einen Golden Retriever.

Er war mein JayJay, auch wenn er nicht mir gehörte. Doch er gehörte auch niemand anderem – er gehörte sich selbst. Das herzzereissende Winseln höre ich immer noch in meinen Ohren.

Ich habe ihn kein einziges Mal Bellen gehört.

Liedtipp: Snoop Doggy Dog – What’s my name



Hass und Liebe

21 06 2006

“Der Hass ist die Liebe, die gescheitert ist.”
Søren Kierkegaard
dänischer Philosoph, Theologe und Schriftsteller

Ein verdammter Fluch ist das. Liebe als Grundlage unserer Zivilisation und gleichzeitig als Auslöser für den Hass. Nicht jeder mag dieser These zustimmen, aber letztendlich war es am Anfang dann doch immer eine verendete und gescheitere Liebe, die im Hass mündete, weil man sich danach einfach missverstanden hat. Hell und Dunkel. Recht und Unrecht. Leben und Tod. Liebe und Hass – etwas anderes scheint es für die Meisten nicht zu geben, zumindest oft. Ich nehme mich nicht aus.

Selbstkritik ist immer die beste Kritik.

Liedtipp: Paul van Dyk – Tell Me Why (Club Mix)
(gechillter, feiner, melodischer Techno :) )



Flaggenwedeln

20 06 2006

Mein Subwoofer ist so verstaubt, dass ich schon sehr gut erkennbar das Wort STAUB reinschreiben kann.
Überhaupt sollte ich mal wieder aufräumen.

Die Engländer haben’s anscheinend mit ihrem Fahnenstolz sogar noch weiter getrieben wie wir.

RobTheJob hat mich über die Comments darauf aufmerksam gemacht, dass die britische Flagge Union Jack genannt wird – nicht die amerikanische. Dabei wird unterschieden: Die weiße Flagge mit dem roten Kreuz, ist die englische Flagge, welche lange Zeit von extremen rechten, englischen Gruppierungen genutzt wurde und zu dieser WM durch viel PR den Rechten entrissen wurde. Die weitaus bekanntere Flagge ist die Blaue mit dem roten Kreuz, mit welcher ich sofort “England” verbinde. Selbige
steht aber auch für das gesamte Großbritannien, daher Union Jack.

Da haben wir’s mit unserem schwarz-rot-gold eindeutig einfacher. (Wobei ich mir sicher bin, dass einige Ami’s vor der WM noch die blau-weißen, bayrischen Karos für die deutsche Flagge gehalten haben. :P )

Liedtipp: Pump Friction – Pump Friction (“Pulp Fiction” Movie Theme Drum & Bass Remix)

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Das Jahr vergeht …

19 06 2006

Mittlerweile hängt mir diese Hitze zum Hals raus. Früher konnte ich mich nie entscheiden, welche Jahreszeit ich zu meinem absoluten Favoriten küre. Den Winter, mit seiner anmutigen, friedlichen Atmosphäre oder den heissen Sommer mit seiner Leichtigkeit, voll von Leben und Ozon.
Ich bin zum Schluss gekommen, dass der Frühling die beste Jahreszeit überhaupt sein mag. Angenehme Temperaturen und allgemeine Vorfreude – auch wenn diese Vorfreude die eine oder andere Fernsehsendeanstalt als Vorwand dafür herzieht, in jeder Nachrichtensendung die Deutschen beim ersten Sonnenbaden in Berlin, an der Ostsee oder sonst wo zu zeigen. Mich interessiert es in keinster Weise, ob irgendein Freak bei 9° C demonstrativ in Badehose mitten im Stadtpark liegt, wofür sich die Moderatorenstimme aus dem Off dann sehr spontan klingend, einen richtigen Schenkelklopfer einfallen lässt.
Frühling komm’ zurück! :P

Für mich ist immer schwerer vorstellbar,
dass Silvester schon knapp 6 Monate her sein soll. Ein halbes Jahr!
Unveränderlich. Zeitlupe gibt es leider keine …

Liedtipp: Don Costa – Never On A Sunday

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(Sonnenuntergang, würziges griechisches Essen und Ouzo :D )



Gedankenfetzen I

18 06 2006

Unbegründete Sentimentalität …

Das Leben blendet mich. Kann man es nicht etwas runterdimmen?
Sonst blendet es solange, bis ich für alles blind bin.

Warum kann man dieses eine Gefühl nicht immer haben, welches man hat wenn man den Lautstärkeregler einer Musikanlage hochdreht oder die eine Person in die Arme schließt, die man über alles liebt.

Das Leben ist ungerecht. Es ist auch ungerecht, dass es zu mir nicht immer ungerecht ist. Dann wüsste ich wenigstens wo ich dran bin.
Vielleicht ist das gerade wieder das Gerechte an dem Ganzen.

Rationale Erklärung für Sehnsucht:
Was kann man schon tun, wenn man liebt, sich sehnt und nicht weißt was tun? Nichts als Liebesbriefe schreiben, die man dann doch wieder verwirft, weil man sie für übertrieben hält. Es ist dasselbe, als wenn man Erfahrungsberichte und Anleitungen von einem Spielzeug liest, dass noch nicht mit der
Post gekommen ist.

Rationale Erklärungen sind beschissen.

Liedtipp: Red Hot Chili Peppers – I Could Die For You



bitteweiterschicken.de.umsonst – Verschwörung

17 06 2006

Momentan scheint es Trend zu sein, total schlecht aussehende Websites ins Netz zu stellen, auf welchen man den Besuchern verspricht, Nacktbilder der eigenen Ex-Freundin zu veröffentlichen, wenn der Besucherzähler der Seite eine bestimmte Millionenmarke erreicht.
Die Naivität der Surfer kennt hier keine Grenzen: Sicher schon 30 meiner ICQ-Contacts haben mir während der letzten Woche Links dieser Art geschickt.
Da muss doch etwas dahinter stecken … und siehe da: Man muss nur genau hinsehen und logische Schlussfolgerungen ziehen.
Die Seite bombardiert nach dem Öffnen den Nutzer mit Layer Ad’s, Pop-Ups und anderer Werbung.
Der Betreiber der Seite verdient sich an der Dummheit der Menschen eine goldene Nase.
In der heutigen Zeit lohnt es sich für Websites schon, selbst wenn sie täglich nicht mehr als 100 Nutzer verzeichnen, Werbung zu schalten. Jetzt
stellen wir uns das mal bei 5 Millionen Besuchern innerhalb von 7 (!) Tagen vor!

Gerade aus diesem Grund werde ich keinen Link zu diesen Seiten in irgendeiner Weise hier veröffentlichen.
Wenn es nämlich hagelt, brauch’ ich nicht noch nach draußen gehen, und mit Eiswürfeln um mich werfen. ;)