Schmachtblick

30 01 2007

Herzschmerzpoesie fließt aus den Fingern in die Tastatur, wie heisse Schokolade durch Vanillieeis, auch wenn es keinen Grund dafür gibt. Aber vielleicht kann jemand damit was anfangen, wer weiß. Man schreibt immer für die anderen.

Wie kaltes Wasser, kühle Blicke,
die ich in deine Richtung schicke,
ohne Leben ohne Liebe,
sind meine Blicke Seitenhiebe.

Schon kann ich an deinen Augen sehen,
dass diese Blicke dich so arg verletzen,
doch du wirst wohl nie verstehn,
wieso dich keine kann ersetzen.

Am Ende wirst du schaun ganz allein,
mit müden Augen in die Welt hinein,
nie mehr wirst du liebe Blicke kriegen,
und böse Blicke letztendlich lieben.

Nur komisch, dass dieses Gedicht mich in keinster Weise berührt. Wahrscheinlich hab ich die Dichterei überreizt.



Plagiatiesen

29 01 2007

Ein deutscher Blogger hat über chinesische Plagiate berichtet: Nun wird er vor ein chinesisches Gericht geladen, um sich dort zu entschuldigen.
So sieht es also aus. So weit ist es schon gekommen. Man darf nicht mal mehr die Chinesen dafür beleidigen, dass sie uns die Sachen nachbauen?
Wisst ihr was? Ich kann euch auch nicht leiden und eure scheiss Plagiate hängen mir zum Hals raus. Jawohl, eure Marke, die man nicht beleidigen darf, ist scheisse! Ich habt diesen miesen Bus nachgebaut! Hoffentlich lesen das viele! Ihr seid böse Fälscher und die ganze Welt kann euch nicht leiden! Hoffentlich verletzt ihr euch mal an gefälschten Küchengeräten oder Motorsägen, dann wisst ihr, was für einen Mist ihr produziert, nur um an Geld zu kommen.
Ich bezichtige hiermit öffentlich und offiziell die
chinesische Firma Zonda der Fälschung und finde sie ganz offiziell zum Kotzen und rufe hiermit möglichst viele Leute, auf das selbe zu tun!

Das ist Meinungsfreiheit, man ist das geil, ich werde schon richtig high davon. Riechen wir gemeinsam an dem Duft der Freiheit.
Wenn ich von euch so einen beknackten Brief bekommen hätte, ich hätte ihn euch zurück geschickt, aber nicht ohne davor ein paar verschimmelte Sardellen beizulegen, damit ihr wisst wie es riecht, wenn man in die Fälscherhölle kommt.

Redet von Glück, dass ich Pazifist bin.



Schlag Wörter

29 01 2007

Schlagkräftige, Neugierde erweckende, Wortzusammensetzungen, in einer Welt, in der die Gesellschaft nach Perversion und Leid anderer giert:

Asphalt-Hure
Bestechungs-Skandal
Todes-Kandidat
Gammel-Fleisch
Tiefkühltruhen-Baby
Pop-Titan
Terror-Staat
Blog-O-Sphäre

Und diese Wörter sind wirklich gefährlich, und keiner kümmert sich darum:

Arbeits-Amt
Klima-Erwärmung
Irak-Krieg
Hartz-4
Kern-Kraft (es heisst nicht Atom-Kraft, ihr Panik-Macher!)
Axel-Springer-Verlag

Was meinen Sie, meine Damen und Herren?
Springen Sie auf den Zug auf, oder entziehen sie sich dem Sog der Medien und der globalen Verdummung?
Irgendwann wird schon ein Komet kommen und alles kaputt machen, dann bin ich endlich auch zufrieden …



Museumsgefühle

28 01 2007

Geruchslose Luft, und leise Klavierstimmen, steigend wie fallend, füllen zusammen mit hier und da leisem Gemurmel die Räumlichkeiten. Weiß gestrichen, ein Raum wie der andere. In ihnen steht nichts, außer ein Stuhl in der Ecke, auf diesem dunkelbraun getäfelten Holzboden, während an der Wand wenige Bilder verschwenderisch den Platz einnehmen. Verschiedenste Motive, wobei ein jedes in eine andere Welt entführt. Nichts bewegt sich, man könnte nur denken, die Figuren der Gemälde zwinkern einem hin und wieder zu. Im nächsten Raum herrscht komplette Stille und die Ästhetik der Ruhe, Ordnung und Nüchternheit dieser Räume bricht wie ein tosendes Gewitter auf mich ein, so schließe ich die Augen, atme tief durch und fühle mich zufrieden, inmitten dieser Kunst. Dieser Minimalismus, die weißen Wände und sauberen Kanten, die beim genauen Hinschauen gar nicht so sauber geschnitten sind, und die kleinen Krümel die den Holzboden besiedeln, hauchen
den protzig großen Räumlichkeiten etwas Leben ein.
Das Highlight des Nachmittags: Ein zerknülltes Blatt Papier auf einem weißen Sockel, überglast. “A crumbled Sheet of paper.” Unglaublich. Daneben “Pieces of Paper”. Dabei ganz wichtig: Dazu benutzt wurde amerikanisches Briefpapier. Kein Scherz.

Warum war ich so unkreativ und bin nicht auf diese Idee gekommen?



Das Leben ist ein einziges Update

27 01 2007

Wenn die Sonne tiefsteht, werfen selbst Zwerge weite Schatten.
Quelle unbekannt

Wie wichtig uns der liebe Alltagstrott eigentlich ist, wird uns erst bewusst, wenn der Alltag zusammenbricht. Noch schlimmer wird es dann, wenn einem ins Bewusstsein dringt, dass der verflixte Alltag uns gar nicht braucht. Jeder neue Tag ist anders wie der vorige und doch ist es fast der selbe wie gestern.
Ach und noch was: Irgendwie bereitet nichts mehr Freude, als sich total überzogene Zeitlimits zu setzen und sich dann wie ein Honigkuchen zu freuen, wenn man auf die Uhr schaut und merkt, dass man ja noch einen Haufen Zeit hat.
So geht’s mir zumindest – ich merke es gerade wieder, denn ich habe mal wieder keine Zeit mehr.



Worte der Zerrissenheit

26 01 2007

An des wilden Gartens Pforten,
steht geschrieben in groß und deutlich Worten,
was der Mund niemals wird sagen können,
wer kann ihm diese Tat denn schon vergönnen.

Es sind Worte scharf wie Schwert und weich wie Samt,
sie beherrschen dich, hast du dich in sie verrannt,
brennen ihren Namen in tränennasse Haut,
flüstern leise und schreien nicht laut.

Es ist das was dich wärmt und hält am Leben,
dich führt auf dunklen Pfaden und steing’en Wegen,
oder dir und deinem größten Traume in die Seele sticht,
so unerdenklich einfach,
ein “Ich liebe Dich”.



Unbeachtet

26 01 2007

Was meinen Blattläuse eigentlich zu Insektenvernichtungsmitteln?
Was würden Hunde dazu sagen, wenn Schnee nicht weiß, sondern gelb vom Himmel kommen würde?
Wieviele Menschen, die älter als 40 sind, hören eigentlich Grindcore?
Wieso haben Kamikaze-Flieger überhaupt Helme auf?

Denkt sich irgendjemand auf dieser Welt in genau diesem Moment genauso beknackte Fragen aus?



Eingefroren

25 01 2007

Unbeweglich tiefgefroren in einer schicksalhaften Bewegung, zerschmettert, zerfallen, auf dem letzten Platz, am Ende des Zahlenstrahls – so muss es sich anfühlen.
In Träumen an Orten gefangen, wo die Liebe sprüht und mit ihren Funken gar noch das trockenste und verdorrteste, hellbraun bis ausdruckslose, für tot empfundene Birkenlaub entzündet, welches die Hoffnung auf das Glück der Befreiung schon damals längst vom herbstlichen Winde fortgeweht glaubte.
Unter der Schneedecke ist Platz für solche Träume, denn dort dringt keine schmerzhafte Klaue der Realität hin.
Doch sind wir es nicht selbst, die darüber entscheiden wie dick uns der Schnee einschneit und wie uns die Träume die Sinne vernebeln?
Befreie dich, bevor dir Salz und Kies in die Augen gestreut wird und der Frühling dich mit dem schmelzenden Schnee fortschwemmt.



Der Teufel muss eine Werbeagentur haben

24 01 2007

Der kleine Max steht im Kaufhaus vor dem großen Regal mit den Süßigkeiten und kratzt sich verwundert den Kopf, nicht etwa überrascht von der riesigen Menge Überraschungseier, sondern eher von den raffinierten Marketingmethoden der Süßigkeitenhersteller.
Er hatte seine Mutter schon oft gefragt, warum denn gerade auf den Süßigkeitenpackungen, deren Inhalt doch so dick machen soll, Werbung für Sportartikelmarken gedruckt ist. Man konnte ihm auch noch nicht erklären, weshalb die Fußballer der Nationalmannschaft ihre Visage gerade für den braunen, süßen und klebrigen Brotaufstrich in Szene setzen, den ihm seine Großmutter verboten hat, weil er doch so ungesund sei.
Von den bunten Packungen paralysiert stolpert der kleine Kerl weiter durch den Supermarkt, vorbei an den billigen Weinflaschen, angefaulten Salatköpfen, und am umetikettierten Schweinerücken und der tiefgefrorenen Käsepizza, hinüber zu den glänzenden Chipstüten, auf
denen schon wieder komische Fußbälle und sportliche Models den kleinen Max mit aufgesetzter Grinsefresse anschmachten, gerade so ausgefuchst, um den armen Jungen dazu zu bewegen, seine kleinen Finger nach den Tüten auszustrecken und sein spärliches Taschengeld für das Knabberzeugs auf den Kopf zu hauen, um es sich dann zu Hause vor dem Fernseher in den Rachen schieben zu können. Mit seinen Fettfingern wird er zufrieden, aber trotzdem einsam und traurig, da seine Eltern sich schon wieder gestritten haben und Mama sowieso den ganzen Tag arbeiten muss, die Fernbedienung unter Chipstüten, Colaflaschen und Schokoladenpapierchen hervorkramen und auf den Sportkanal umschalten um Wrestling zu schauen. Er wünschte, er wäre auch so stark wie die Muskelprotze im Fernsehen und könnte seinem Vater mal ordentlich eine reinhauen, wenn dieser wieder auf seine Mutter einprügelt.
Er schließt die Augen und steht wieder vor dem Kühlregal, mit den Joghurts und Milchschnitten, für die zwei starke und gesunde
Boxer mit ukrainischem Akzent Werbung machen.
Die Luft aus dem Kühlregal weht ihm kühl in Gesicht. In diesem Teil des Supermarkts ist es ruhig und nur das monotone Summen der Kühlaggregate stört die vollkommene Stille.
Doch nach ein paar Minuten wird es immer kühler und um den kleinen Max wird es plötzlich kalt, so eisig kalt.
So kalt, wie es in ihm drinnen eigentlich schon immer war.
So kalt, dass er nicht mal weinen kann.



duese5

24 01 2007

Kennt ihr duese5? Wenn nicht: Es ist ein Blog das Blogs bloggt. Hört sich komisch an, ist aber so.
Auf Duese5 wird täglich ein Blog aus der großen Vielfalt des Internets vorgestellt.
Es erfreut mich sehr, dass für heute “Gedanken im Glas” ausgewählt wurde.
Vorallem die Beschreibung meines Schreibstils als “für einen Blogger außergewöhnlich gut”, macht mich ganz wuschig.
In diese Richtung ein großes Dankeschön! :)

duese5 ist für jeden mindestens einen Klick wert, denn solch ein wirklich zeitaufwendiges Projekt erfüllt in der Zeit des Datenmonsters Web 2.0, in welcher man die Blog-O-Sphäre vor Blogs kaum sieht, eine wichtige Aufgabe.

Nun, ich versuche meinen Stil beizubehalten und weiterhin an den Gefühlen, an der Menschheit, am Alltag und an
mir herum zu meckern.
Ganz ehrlich: Würde ich es nicht tun, würde mir eindeutig was fehlen.