Ist das Schnee?

23 01 2007

Es ist so heiß. Oder bin ich es? Schweiß tropft mir von der Stirn und erinnert mich daran, dass mein Fieber immer noch mein Blut kochen lässt. Was stellt die Krankheit mit mir an? Alle Farben wirken so matt, als läge ein graugrüner Filter über meinen Augen.
Ich kann nicht aufhören zu schwitzen.
Ich gehe zum Dachfenster und öffne es mit meinen zittrigen Händen, um den dünnen Zuckerguss zu betrachten, der sich ganz unmerklich heute Nacht über die Welt gelegt hat, während mein Hirn mir so einen Haufen Träume vorgegaukelt hat, dass man sie glatt 2 Wochen im Satellitenfernsehen ausstrahlen könnte.

Ich gehe langsam durch eine schmale, mittelalterlich wirkende Gasse. Die Sonne bricht durch die Wolken und lässt das abgetretene steinerne Pflaster matt glänzen, während sich meine nackten Füße darauf ganz kalt anfühlen. Links und rechts stehen Fachwerkhäuser mit leeren Schaufenstern. Alle Schaufenster sind leer und der Blick ins
Innere der Läden wird von braunen alten Stoffvorhängen verwehrt. Es ist kein schönes Braun, sondern dieses ekelhafte ausdruckslose Braun, dass heute nur noch als Farbe alter und hässlicher Gardinen zu finden ist, bei deren Betrachtung man sich die Frage stellt, ob diese Gardinen in den letzten 100 Jahren irgendjemandem gefallen haben mögen. Ich gehe weiter und es tauchen immer mehr Schaufenster auf, eines kleiner wie das andere, sodass ich mich frage, was die Besitzer dieser komischen Läden wohl darin verkaufen.
Mittlerweile habe ich aufgehört die unzähligen Schaufenster mit ihren grauenhaften braunen Vorhängen zu zählen.
Ich bleibe vor einem der leeren gläsernen Kästen stehen und presse meine kalte Nase gegen die Glasoberfläche und betrachte dabei das unscharfe Spiegelbild meiner Augen.
Die Sonne hat die Holzverkleidung des Schaukastens schon ganz ausgebleicht.
Was tue ich hier?
Ich suche einen Ausweg aus dieser Gasse, doch ich finde keinen. Die Türen der Häuser sind
verschlossen und hinter den Treppen die durch die Gasse führen, beginnt die Gasse wieder von neuem.
Ich beginne zu verzweifeln und fange an, gegen die Schaufenster zu trommeln, trete mit den Füßen dagegen, und werfe mein ganzes Gewicht gegen sie, doch nichts geschieht.
So laut ich kann schreie ich, doch mir antworten nur ein paar Vögel mit ihrem Zwitschern, obwohl ich bis jetzt weit und breit keine Vögel gesehen habe.

Schrecklich war das. Und auch ein bisschen verrückt und auf jeden Fall sinnlos. Froh war ich, als ich meine Augen öffnete und mich in meinem Bett wiederfand.



Boredom-Sharing

21 01 2007

Es ist wieder einer dieser Sonntage, an denen man die Sinnhaftigkeit des Lebens anzweifelt. Ich löffele mein Orange-Holunderblüte-Joghurt und starre auf den Berg Bücher auf meinem Schreibtisch, der sich bedrohlich in mein Blickfeld auf den Bildschirm schiebt. Eigentlich hätte ich genügend zu tun, aber habe nichts anderes im Sinn, als in Generation X von Douglas Coupland zu blättern und mir Geschichten von am Leben gescheiterten Mittzwanzigern reinzuziehen, die eindeutig unter Einfluss von Rauschmitteln geschrieben worden sein müssen.
Typische beschissene Januarsstimmung. Kein Sommer im Anflug, und auch kein Weihnachten. Die Leute können sich auf keinen Urlaub freuen und auch nicht auf große Freiluftpartys mit viel Alkohol und wenig Konversation, dafür mit umso mehr Glückshormonen.
Die Welt sieht um diese Zeit schon seit Wochen und Monaten gleich aus, vor allem weil nicht mal Schnee gefallen ist, der uns wenigstens sagt: So nun
haben wir Winter, und bald erwachen Frühlingsgefühle und dann ist der Sommer nicht mehr weit.
Man erheitert sich mit Gerüchten und dummen Webvideos und kann dabei nicht so ganz glauben, dass irgendeine Person auf dieser Welt im selben Moment genauso gelangweilgt vom Trott des Lebens in seinem Zimmer herumsifft und aufgegeben hat, sich auf bessere Stimmung zu freuen, geschweige denn, sich auf eine solche einzustellen, in dem man fröhlich das Bücherregal neu sortiert, damit die Sonne dann auch ungehindert in jeden noch so kleinen Winkel des Zimmers dringen kann.

Was tue ich dann, um diesen Mist zu kompensieren?
Ganz einfach: Ich stelle ihn ins Internet und lasse jede Menge andere Leute an meiner Langweile teilhaben und bereite ihnen damit vielleicht einen kleinen Zeitvertrieb, falls sie genauso gelangweilt herumsitzen.

Boredom-Sharing wäre doch eine passende Bezeichnung für diese Tätigkeit.
Ich hoffe dieses Hobby wird niemals langweilig werden, denn dann ist wirklich
Schluss.

Lausche …

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Kyau vs. Albert – Kiksu



Auch Soldaten dürfen weinen

21 01 2007

Der Schweiß rinnt in Bächen am pulsierenden Körper hinab, und der rote Staub kratzt die Atemwege unerträglich.
Das kalte Wasser der Dusche kann man auf der tauben Kopfhaut gar nicht spüren, bis es dann hinter den Ohren und am Hals entlang läuft, den ausgetrockneten Körper hinunterrauscht und an den Beinen als warme rotbraune Brühe in die Wanne prasselt und im Ausguss verschwindet.
Aber die Schmerzen verschwinden nicht. Auch nicht die Bilder, die sich in das Gedächtnis gemeißelt haben, und wie ein Kratzer in einer Autoscheibe dauernd das Blickfeld stören. Die Ohren hören im Plätschern des Wassers auf dem Plattenboden die Schreie der Menschen, die in diesem Krieg verloren haben, die Opfer der Logik, der Wahrscheinlichkeit, des Zufalls der sie getroffen hat, als Kugel aus einem automatischen Maschinengewehr.

Das klare Wasser wäscht die dunkelroten Wunden aus, unterstrichen durch ein abartiges Brennen, dass den ganzen Körper
durchfährt.
Übelkeit, Schwindel, die Augen wollen sich nicht mehr bewegen.

Fertig. Abtrocknen. Uniform wieder angezogen – keine frische, an ihr hängt immer noch derselbe Dreck wie heute morgen im Hinterhalt.
Noch 5 Minuten Ruhe. Play-Knopf gedrückt. Die Musik wirkt wie Balsam für die Seele und streichelt das zerrüttete Gesicht, bewegt es zu einem Lächeln, dass die verkrampfte boshafte zerbrochene Mimik wegzuwischen scheint, welches der Krieg dem Soldaten aufgeschminkt hat. Er darf nicht weinen, es stiehlt Konzentration und öffnet das Tor zu den Gefühlen, die man in seiner Situation nicht haben darf.

Dann geht es wieder raus, in die heiße Sonne, die so unerbärmlich auf den Stahlhelm brennt, egal wie stark die Kopfschmerzen und der Schlafmangel an den Nerven zehren.
Wenn das Lied vorbei ist und er seinen CD-Spieler in der Feldkiste verstaut hat, geht es weiter.

Dann wird er wieder töten gehen.



Setzen wir die Maske der Unschuld auf

20 01 2007

Wer über die Gefühle anderer lästert, tut dies meist, weil er diese Gefühle bei sich selbst vermisst.

Schon mal aufgefallen? Meist erkennt man dieses Verhalten bei den anderen sehr schnell und fast nie bei sich selbst, aber wenn doch, dann leugnet man es.

Für die anderen ist jeder ein emotionaler Krüppel, da ist es schwer die Wut zu zügeln und das Geschwätz zu ignorieren.
In 2 Wochen wird man sich schon daran gewöhnt haben. Sei nicht zimperlich.
Viele sind er Ansicht, sie dürfen das tun, weil es keinen vorhersehbaren Schaden erwirkt.
Ein Trugschluss.

Keiner kann dem anderen in den Kopf reinschauen und ins Herz erst recht nicht.
Es empfiehlt sich also, sich aus den Angelegenheiten anderer rauszuhalten.
Sonst läuft man in Gefahr bei seinem rettenden Samaritergang (man will doch nur das Beste) kleine Dinge auf dem Boden zu
zetrampeln, weil man sie in seinem egoistischen Wahn übersehen hat.



Irrwege

19 01 2007

Mit traurig Blick,
steigt Berge hoch,
quert Wiesen weit,
der sich nur fühlt froh in Einsamkeit.

Wandert seines Lebens dunkle Pfade,
erwartet von den Menschen keine Gnade,
griff seines Lebens oft zur falschen Hand,
schenkte sein Vertrauen fort im Unverstand.

Nun trägt er Leid mit sich umher,
will nun lieben nimmer mehr,
schenkt sein Herzlein niemand fort,
weiß, es schlägt gut so dort,
wo es sitzt zu Zeiten holder Still,
und niemand ein Stück haben will.



Todesmoment

17 01 2007

Leise Klänge umzaubern die Ohren mit sanften Geräuschen, wie ein Wasserrauschen aus dem Ozean, narkotisierend erschlagen von der nicht nachvollziehbaren Perfektion des Klangteppichs der durch die Lüfte schwebt, erfüllt von Glückseeligkeit und Ruhe, die Gewissheit gebend, dass keinerlei Bedrohung jetzt die entstandene Zufriedenheit mehr nehmen kann.
Langsam legt sich eine Decke aus Müdigkeit über das Gesicht, den Bauch, und die Hände und das Atmen wird immer unwichtiger, während man in großer weiter Unendlichkeit mit ausgebreiteten Armen dem Licht entgegen fliegt.
Alles ist ruhig.
Für immer.

Lausche …

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Claude Debussy – Claire de Lune



Bitte vorspulen

17 01 2007

Alles durcheinander gerade und nicht so wie ich es mir vorgestellt habe …
Habe wohl dieses Bedürfnis, wenn gerade was gut läuft, im Übermut wieder danach irgendwas zu zertrampeln.

Ich stelle die existenzielle Frage:
Warum ist das Leben kein Kassettenrekorder?

Why can’t we stop the time in summer, why not hold the sunny times tight in our hands?
[Drunken and stoned people jumping and singing in the background in front of the sunset, dressed in trunks and bikinis.]



Licht der Liebe

13 01 2007

Vom Himmel weiß und grell scheint warmes Licht,
fällt brennend hell auf mein Gesicht,
wo es an meinen traur’gen Augen dann zerbricht,
und des Lichtes Kraft die Tränen aus den Augen wischt.

Sag mir doch, wofür die Sonne scheint,
wenn uns viele Menschen nichts vereint,
wir uns hassen, schlagen und erschiessen,
und uns nicht in unsren Armen liegen.

Das strahlend Licht hält mich nun fest,
flüstert Wort’ ins Ohr, ich nie vergess’,
dass ich für die Zeiten kämpfen kann,
da die Sonne auf die Liebe scheinen wird,
ein Tage kommt da nie ein Mensch mehr sterben wird.



Sorry, heute keinen Bock auf eine Headline

9 01 2007

Man kann alles sagen, man muss nur wissen wie.

Schlauer Spruch, durch dessen Nichtbeachtung schon manch einer in den Napf getreten ist.

Manchmal kommt es mir vor, als ob ich schuften und leiden muss wie der größte Depp und andere alles in den Arsch geschoben bekommen, ohne etwas dafür zu tun. Wenn ich das schreibe, wird es aber auch nicht besser. Deshalb rege ich mich jetzt nicht weiter drüber auf, bringt doch sowieso nichts.

Manche Dinge können einem aber auch den Tag aufheitern. Beispielsweise neue Frisuren von Frauen. Gefärbte Haare, anderer Zopf, hochgesteckt oder offen, was eigentlich ganz hübsch aussieht, und der Tag ist perfekt, zumindest für einen Moment.
Frische Frisuren und Fröhlichkeit. Wenn jemand dann noch lächelt – you made my day!
Da sollte man kein Blatt vor den Mund nehmen und aussprechen was einem gefällt.



Löchriger Korb

7 01 2007

Vor dem Altpapier gerettet:

Am Rande der Wüste lebte ein Einsiedler. Eines Tages besuchte ihn ein Mann und klagte sein Leid: “Ich lese soviele fromme Texte. Ich studiere die Bibel und vertiefe mich in die großen Theologen. Ich möchte die Worte und Gedanken bewahren, aber es gelingt mir nicht, alles vergesse ich! Die ganze mühevolle Arbeit des Lesens und Studierens ist umsonst.”
Der Einsiedler hörte ihm gut zu. Als er geendet hatte, zeigte er auf einen Binsenkorb. “Hol mir aus dem Brunnen dort drüben Wasser.”
Widerwillig nahm der Mann den von Staub verschmutzten Korb. Das Wasser lief durch die Binsen, so dass nichts übrig war, als er zurückkam.
“Geh noch einmal!”, sagte der Eremit. Der junge Mann tat es. Ein drittes und ein viertes Mal musste er gehen. Immer wieder füllte er Wasser in den Korb, immer wieder rann es zu Boden. Nach dem fünften Mal rief er: “Das hat keinen Sinn! Niemals kann so ein löchriger Korb das
Wasser halten.”
“Sieh den Korb an”, erwiderte der Einsiedler. “Er ist sauber. So geht es mit dir und deinen Worten, die du liest. Du kannst sie nicht festhalten, sie gehen durch dich hindurch, und du hälst die Mühe für vergeblich. Aber – ohne dass du es merkst, klären sie deine Gedanken und machen dein Herz rein.”

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