Fremde Sterne

28 02 2007

Blick’ ich hoch zum Firmament,
dann scheinen mir die Sterne fremd,
und strahlen dort ganz unverholen,
wie Diebe die mir meine Heimat stohlen.

Denk ich allein in kühler Nacht,
an Zeiten die ich hab im Glück verbracht,
wird mein traurig Herz mir schwer,
und schmerzt in meiner Seele sehr.

Ein fröhlich Herz, der Brust man hat entrissen,
wird seine Liebsten nie vergessen,
im Horizont weint schwere Tränen fern,
ach wär’ ich doch daheim so gern.

Die Hoffnung brennt, die Hoffnung weint,
so fremd mir auch die Fremde scheint,
soviel Wort sich auch auf Sehnsucht reimt,
werden wir eines Tages wieder sein vereint.

Inspired by Exillyrik @ Deutschunterricht



Darüber kann man reden

27 02 2007

Wenn man heute Abend wieder satt und gesund ins Bett geht, sollte man gerade ein schlechtes Gewissen haben, nichts dafür getan zu haben, dass es anderen Menschen auch so gut geht wie einem selbst. Vor einiger Zeit habe ich nie verstehen können, wieso Menschen gegen Krieg demonstrieren. Es war doch die unumgängliche logische Alternative, so wurde mir eingetrichtert, und so erklärte ich mir das auch. Dann habe ich den Fernseher ausgelassen und selbst darüber nachgedacht und bin zu dem Schluss gekommen, dass Krieg weder die zweitbeste noch die letzte, sondern gar keine Lösung ist.
Es ist immer so einfach darüber zu reden und zu diskutieren. Und darüber zu schreiben.
Was verändern wir damit?



Nastrovje!

26 02 2007

Saufen mit Web 2.0
Ein USB-Schnapsglas aus Russland macht online Trinken in gemütlicher Runde möglich.

Dass diese Erfindung aus Russland kommt, bestätigt zwar ein weiteres Klischee, aber erstaunt wohl kaum jemanden.
Im Artikel heißt es:

Um zusammen mit seinen Freunden mal ein oder zwei Gläschen zu heben soll das Web 2.0 Schnapsglas über Sensoren verfügen, die anderen Internet-Nutzern zeigen, wie voll das Glas derzeit ist. Somit können die Kumpel über das Internet sofort sehen, dass ihr Füllstand noch nicht weit genug voran geschritten ist und dringenden Nachholbedarf aufweist.

Das nenne ich mal eine Sache. Jetzt realisieren wir das noch für Bierflaschen und die ganzen Kellerkinder können vollends vor ihren Rechnern verschimmeln. Zocken geht über’s Netz, Frauen
gibt’s dort schon lang, und zum Saufen braucht man nun auch nicht mehr in die Kneipe.
Ob das ganze auch in einer barrierefreien Audioversion und Online-Community umgesetzt werden wird?
In etwa so:
jim_beam82 hat sich am 23.07.2007 angemeldet. Er hat im Forum bisher 278 Einträge geschrieben und 5924 Gläser geleert.
Und die armen PolitikerIdioten wollen Ballerspiele und Rauchen in Schulen verbieten.
Dazu sag ich nur eins: Prost Mahlzeit! :D



Weg hier

23 02 2007

Kippe weggeschnippt. Ausgetreten. Hastige Blicke. Augenrollen. Panik. Weg, schnell weg.
Der eintönig schwarze Wagen fährt langsam neben ihm her und scheint ihn zu verfolgen, passt sich seinem Tempo an, klebt wie eine Klette an seinen Fersen. Er bleibt stehen.
Der Wagen auch. Mit einem mal dreht er sich zur Straße und rennt auf den Wagen zu, schlägt auf die getönte Scheibe, doch der Wagen gleitet unter seiner Handfläche davon. Wäre ihm fast noch über den Fuß gerollt. Nummernschild – negativ. Scheiss As!
Der Wagen verschwindet mit Reifenquietschen hinter der nächsten Hausecke.
Eigentlich sollte er doch derjenige sein, der Angst hat, aber es kommt ihm so vor, als hätten diese Schweine Angst vor ihm. Solange sie ihn nur verfolgen, kann er noch froh sein, denkt er. Wenn sie ihn mit den Baseballschlägern zu Hause besuchen, dann kann er sich sicher sein, dass die nicht so schnell abhauen werden.
Hinter den Betonpflanzen der Stadt
brennt sich die Sonne in den Horizont und wirft schummriges orange-rotes Licht auf den Gehsteig, während ein kühles aufziehendes Lüftchen durch sein volles Haar pflügt. Die Straßenbeleuchtung flackert kurz und beleuchtet den hellrot schimmernden Straßenzug mit sterilem Weiß.
Auswandern. Ohne Gepäck, damit sie keinen Verdacht schöpfen – alles riskieren. Geld hat er ja. Zum Flughafen, aber bloß schnell. Weg hier. Irgendwo hin. Aber weg.



Die Motte, Opfer der Nacht

21 02 2007

Ihr Lippenstift war verschmiert und die gepuderten Backen durchfurcht von Tränentälern. Sie sprach mit leiser Stimme mit sich selbst und flüsterte heimlich mit der Straßenlaterne; umklammerte sie wie einen Freund, und rieb ihre weichen Wangen an der Kälte der blanken Metalloberfläche. Die Zigarette zwischen ihren Lippen glimmte schon lange nicht mehr, so wie das Feuer in ihr drinnen, dass mit einem Eimer kalten Wassers vor 10 Minuten ausgeschüttet worden war. Alle Kindheitsträume sind verflogen, wie sein Parfum heute Abend. Keine Familie, keine Kinder, kein Mann, kein Haus, kein süßer Hund, nicht einmal ein bisschen Liebe – alles Lüge.
Mit einem traurigen Blick verfolgte sie eine taumelnde Motte, die ihren Kopf umkreiste, sich im Zickzack zur Straßenlampe hochschraubte, um dort unablässig gegen die Glaslampe zu fliegen, was jedes mal ein leises Knacken durch die Nacht schallen ließ.
Das Leben kann so einiges mit einem anstellen, aber
mit ihr war es schon immer besonders streng gewesen. Kein Happyend, keine Traumprinzen, die sie mit in eine heile Welt nehmen und sich um sie sorgen, alles Lügner, die sich mit ihr einließen. Das war das Problem. Über ihrem Leben prangte eine große Überschrift, in dicken Lettern: Enttäuschung.

Sie kam sich vor wie die Motte über ihrem Kopf, die immer noch gegen die Straßenlampe flog, unablässig, ohne zu lernen, ohne die Angst, der körpereigene Chitinpanzer könnte einen Knacks bekommen. In das Licht der Lampe wurde normalerweise so einiges getaucht, was einsam und verloren durch die Nacht kroch, doch jetzt hatte sie das Gefühl, als wäre sie die Einzige, die noch mit dem Problem der Einsamkeit zu kämpfen hatte, und alle anderen hätten ihren Tanzpartner auf dem Parkett des Lebens gefunden. Wenn man alle Möglichkeiten ausprobiert hat, aber nichts dabei herrauskommt, dann verliert man die Hoffung, und es wäre unvernünftig das nicht zu tun. Als sie wieder die Motte gegen die Glaskuppel der
Lampe krachen hörte, erfüllte sie das mit ein wenig Genugtuung, doch nicht das einzige Opfer dieser Nacht zu sein, auch wenn sie wohl weiter alleine tanzen würde müssen, ihren Träumen nachjagen und ihre Krisen alleine durchstehen. Geteiltes Leid ist halbes Leid, aber es tut trotzdem weh. Das Leben kann so unfair sein.

Das Knacken hatte aufgehört.
Die Motte war tot.



Verblassen und Erscheinen

20 02 2007

Dinge können so schnell an Bedeutung verlieren. Ausnahmslos alles. Nur das nackte Leben bleibt am Ende übrig. Unser Herz und unser Kopf sind solch eine beeinflussbare Knetmasse, dass man aus einem runden Ring einen harten Block formen kann, in allen Facetten, von weiß bis schwarz, vom Lachen bis zum Weinen – von tot bis lebendig.
Wir versuchen unsere Erfahrungen und Erinnerungen festzuhalten, um sie für magere Zeiten aufzubewahren. Musik für gute Laune, Bilder für Inspiration, Liebe gegen die Trauer. Soviel verschimmelt in uns da drinnen, und wo gestern noch Barrikaden waren, auf denen wir mir erhobener Hand zum Kampf geblasen haben, da sind heute nicht mal mehr Abdrücke auf dem Grund zu finden.
Am Ende erwischt es sogar uns selbst und wir freien Geschöpfe, Herr ihrer selbst, werden sterben und werden nicht mehr die Macht darüber haben, was mit uns geschieht. Ich hoffe es kommen bessere Zeiten, für alles und jeden.
Wie ein Streichholz:
Es brennt langsam ab und für den schwarzen Stummel interessiert man sich nicht mehr.
Es ist alles eine Frage der Zeit.
Und die hält niemals an.



Musikgeschmack

19 02 2007

Mein Bein ist soeben eingeschlafen. Pff, na und? Soll es doch abfallen!
Dadadadada … !! Schnelle Double-Bass, Gröhlen und Schreien, kreischende Gitarren, sägende Bässe, ein Schlag ins Gesicht. I will kill youuuu! Ich liebe diese Musik. Agressionsabbau auf kognitiver Ebene. Der Metal ballert mit vielen Dezibel auf das Trommelfell und entspannt die Sinne. Erzählt mir da bloß keiner, diese Musik würde sich schlecht anhören. Das ist eben keine Tonierung, die auch der netten Grundschullehrerin gefällt, die schon seit 30 Jahren wöchentlich “Über den Wolken” und “Le coq est mort” mit ihren Viertklässlern singt, und dabei beschwingt und sorglos ihren Steinway-Flügel malträtiert.
Diese Musik ist erwachsen und ich meine das ernst. Diese Musik erzählt das Leben, weil das Leben nämlich kein RTL-Werbespot mit freundlichen und sanft streichelnd schwingenden Stimmen ist, sondern bittere Realität, die sich oft so anfühlt wie eine
Schlag mit einem Nagelbrett, mitten ins Gesicht. Aber nicht mit den kleinen Nägeln drauf – mit den großen Hauern. Das Leben ist auch nicht dicht behangen mit Goldketten und coolem Sprechgesang. Es ist kein dummes Rumgejaule, dass sich anhört wie diese Selbstprofilirerei der Konservendosensängerinnen mit zuviel Schminke in der Visage und dummem Grinsen vom einen bis zum anderen Ohr, damit auch schön viele Idioten beim Telefonvoting anrufen.
Zuviele versuchen sich die schönen Eigenschaften von harter Rockmusik zu eigen zu machen und verwandeln es in meinen Ohren zu pubertierendem Boygroupgesülze. Den Namen der Band nenne ich nicht, er ist schon viel zu oft genannt worden.

Es ist eine Sache der Perspektive des Betrachters. Wie jeder andere Mensch – ich betone jeder andere Mensch – bin ich im tiefsten Inneren der Überzeugung, den richtigen Blick auf die Welt zu haben und selbst der selbstloseste Nomadenmönch kann mir nicht erzählen, dass er nicht so denkt. Das würde nämlich die
eigene geistige Existenz in Frage stellen. Also lassen wir das Ganze. Aus diesem Grund erhebt jeder seinen eigenen Musikgeschmack zum non plus ultra.
So wie ich es gerade tue – weil ich wütend bin, weil ich im Moment keine verdammte Lust habe feinfühlig zu schreiben und mich an diese sich dauernd wiederholenden Alltagsphänomene und Gewohnheiten von mir und meiner Umwelt zu erinnern.

Um zu relativieren: Wer nie wütend ist, wird mit Hass im Herzen zu Grabe getragen werden.
Die Wut kommt in die Tastatur, angetrieben von Heavy, Power, Nu, Thrash und Death Metal, und da bleibt sie.
Für immer.
Schönen Abend noch.



Die absolute Freakshow

17 02 2007

Die ganzen dritten und regionalen Kanäle braucht man zur Zeit überhaupt nicht anzuzappen. Dort findet man sowieso nur behämmerte Deppen, aus dem Altersheim ausgebüchst, grauenhaft verkleidet, das Maul voll mit Konfetti, die schon seit 2 Stunden dasselbe Glas Sekt in die Kamera halten.
Wie oft habe ich es denn nicht während der letzten Tage in meinem sozialen Umfeld propagiert?

Fasching exisitiert nur, weil den Leuten kein besserer Grund eingefallen ist, sich zu besaufen. Unkreatives Pack!

Dabei kann man sich doch auch so volllaufen lassen, oder?
Oder ist das den Leuten zu auffällig? Haben die ganzen Eier keinen Mumm dazu, sich mal richtig schön unter der Woche zu besaufen, und auf dem Heimweg in der S-Bahn das ganze Abendessen auf die Lederschuhe des Gegenübers zu entladen, in welchen dummerweise die Füße des Chefs stecken, mit dem man am Morgen noch schönen Stress hatte, der zufälligerweise,
dumm für dich, seine aufgetakelte Frau gerade heute Abend, an dem Abend an dem du dich schön vollgesoffen hast, zur Oper ausgeführt hat – Vivaldi gab’s, was du an der goldenen Aufschrift des Opernführers erkennst, den die alte Schrulle deines Chefs gerade erschreckt in die Höhe gerissen hat, als du ihr den Pelzmantel vollgereihert hast. Schon blöd, oder?
Wärst du bloß auch in die Oper gegangen, oder auf einen Poetry Slam, oder ins Kino, dann wäre dir das wohl nicht passiert, denkst du dir.
Die kichernden pubertierenden Kinder im anderen Abteil grinsen dich doof an und fangen dann an teuflisch zu lachen. Du bist so wütend, dass du ihnen am liebsten ihren gefälschten Dolce&Gabbana-Fummel vom Leib reissen würdest, und zu einem Strick zu drehen um sie damit zu erdrosseln.
Und jetzt rate mal, wo diese kleinen Gören gerade waren. Etwa im Zoo, oder auf dem Rummel? Nein, sie waren auf der Fasnet und bewerfen dich jetzt mit den ekeligen harten Billig-Bonbons, die sie beim traditionelle
Maskenumzug durch die Stadtmitte vom Boden aufgesammelt haben, in der Hoffnung diese heute irgendwann noch einem armen Idioten an den Kopf werfen zu können, der soeben arbeitslos geworden ist, weil er in die Handtasche der Frau seines Chefs gekotzt hat.
Die Anonymität des Bierzeltes ist nicht unendlich, sage ich euch! Sie hat auch ihre Grenzen. Bekennt euch zu den Freitrinkern! Fast so wie die Freimaurer, bloß nicht mit 23 als magische Zahl, sondern den 4,5 Promille – und zwar immer, und nicht nur wenn auch alle anderen voll sind, damit es bloß nicht auffällt, dass man sich nicht beherrschen kann.

Die absolute Freakshow – in unserem Land und in meinem Kopf.
Nehmt euch wenigstens ein Taxi …
Prost.



Le Schmerz is foltering my hals

16 02 2007

Glücklich bin ich heute, über den netten Menschen im Computerladen, der mir eine Grafikkarte verkauft und mich erstklassig beraten hat. Angenehm erfreut war ich über die netten Mitarbeiter bei Subway, wie immer eben. Warum kann nicht jeder Mensch so nett sein?
Jetzt sitze ich hier vor dem Rechner, mit Halsweh, an das ich mich mittlerweile gewöhnt habe und ärgere mich, dass mir nichts Gehaltvolles einfällt, mit dem ich die Datenbanktabellen dieses Blogs füllen könnte.
Was mir noch auf dem Herzen liegt:
Ein Spruch, den ich schon lange mal bloggen wollte und welcher eventuell zum Nachdenken über manche Ansicht zur Religion anregt.

“Wer glaubt, ein Christ zu sein, weil er die Kirche besucht, irrt sich.
Man wird ja auch kein Auto, wenn man in in der Garage steht.”

Albert Schweitzer – Arzt, Nobelpreisträger und sympathischer Kerl

Ach, und
übrigens: Fasching stinkt, nur das Fasnets-Bier hat Daseinsberechtigung.
*Intoleranzkoffer wieder wegpack*
Mit dem Fasching werde ich noch abrechnen …
*DA DA ! … Schaurige Musik durchströmt den Raum und jagt die Gänsehaut über den Rücken herunter*



Rosen und andere schöne Dinge

13 02 2007

Wenn ich so durch die Welt stolpere, stelle ich so langsam fest, dass man sich nicht alles nehmen muss, um damit glücklich zu sein.
Bei schönen Wesen und Dingen ist es wie mit blühenden Rosen im Sonnenschimmer des Spätnachmittags. Wenn du sie betrachtest, sind sie wunderschön und zaubern dir ein Lächeln auf die Lippen, doch wenn du sie pflücken willst, dann wirst du dich später beim Betrachten ihrer geschmeidigen Blätter jedesmal an ihre schmerzhaften Dornen erinnern müssen.

Lass das Schöne unangetastet, dann wirst du dich für immer daran erfreuen können, ohne dich daran geschnitten zu haben.