Hmpf …

16 04 2007

Wie ich darauf warte, das eines Tages der, der mächtiger ist jeder Mensch und jedes Sein auf diesem erbärmlich zugerichteten Planeten, mit einer riesigen symbolischen Feuerwalze niederbrennt, so dass nur die Liebe, Freundlichkeit, der Glaube und die gesunde Vernunft sich dieser Welt erfreuen können.
Die letzten Tage haben mir mal wieder bestätigt, dass man in die Politik sowie in die breite Öffentlichkeit im In-und Ausland kein gesundes Vertrauen mehr setzen kann. Mit der Menschheit geht es weiter stetig bergab, weil eine nicht zu kleine Masse an Menschen große Verantwortung trägt, die sie nicht tragen sollte. Ein paar “kleine” Beispiele:
Zum einen ist das ein etwas radikaler baden-württembergischer Ministerpräsident, zum anderen ist es eine total verbrämte und überzogen reagierende Öffentlichkeit.
Oder ob es ein paar tausend Kilometer entfernt ein Arschloch an der Spitze eines riesigen Landes, dass in der Gemeinschaft der Welt behandelt wird, wie jeder andere verfassungsgemäß, anständig und menschlich regierte Staat, diese Würde jeodch um keinen Fetz verdient hat.
Was für ein Gewissen haben russische Polizisten eigentlich, wenn sie auf wehrlose Demonstranten einschlagen?
Da kommt mir echt der Mock hoch …



Breathe fresh air

14 04 2007

Der Akkuschrauber in der Hand versenkt die Schraube mit sonorem Summen im trockenen helle Holz. Mit zusammengekniffenen Augen, die Holzspäne in der Nase und goldene Sonne auf der Stirn erinnere ich mich an die Werbung einer großen Baumarkt-Kette.
Das Einzige was zählt beim Projekt: Das Projekt.
Kein Loch in der Hand. Bringt trotzdem Freude.
Was will man mehr vom Tag?



Fressen und gefressen werden

13 04 2007

Der Regen kleidet die Betonklötze mit glitzerndem Gewand ein und lässt die dunkelblonden Haare in dicken Strähnen an der Haut kleben. In durchnässten Sommerkleidern kniet sie auf dem schwarzen Teer und hält den blutenden Kopf ihrer Mutter zwischen den Beinen.
“Helfen sie mir doch!”, schreit sie in die Wand aus Regen und Blindheit hinein.
Eilige und schnelle Füße entfernen sich aus dem Kreis von Schaulustigen, der sich um sie gebildet hat.
Glotzende Augen, glotzende Münder, glotzende Fressen, glotzendes Staunen über den Tod, der seinen Atmen so knapp neben einem selbst aus den Lungen presst. Wie gern man sich doch von seinem Hauch im Genick kitzeln lässt. Sensationsgeilheit, Maulaffenfeil und Fotohandys, die man jedem einzelnen aus der Hand reissen, oder noch besser, gleich mitsamt der ganzen Hand vom Arm abhacken sollte! Wenn man seine Hände nicht zum Helfen nutzen will, dann braucht man sie überhaupt nicht.
“Bitte helfen sie mir
doch!”, schreit das Mädchen mit verzweifelter Miene, während graue Mäntel der Anonymität an ihr vorbeistreifen.
“Oh Gott, bitte helfen sie mir doch, meine Mutter stirbt sonst!”
Tränen oder Regen – wer kann das schon noch unterscheiden. Mittlerweile hat sich eine dunkle Lache aus Blut gebildet, die sich in kleinen Ärmchen und zarten Äderchen auf dem nassen Boden schwimmend immer weiter vergrößert.
Das erstickte “Mama, Mama” dringt kaum noch durch den prasselnden Vorhang hinter dem sich die schuldigen Gesichter so leicht verbergen können. Und niemand hilft. Und niemand hilft. Niemand.

Wenn diese Menschen, die nicht geholfen haben, dann zu Hause am reich gedeckten Abendbrottisch bei heißem Tee sitzen, bei ihren Kindern und die Mathenoten ihrer Jüngsten bestaunen, dann werden sie von ihrem aufregenden Tag erzählen:
“Es war so schrecklich, Schatz! Diese Frau war schwanger und lag im Sterben. Und erst das verzweifelte Mädchen, dass ihr so aufopferungsvoll den Kopf gehalten hat. Und
keiner hat geholfen, alle sind nur drumherum gestanden. Schreckliche Welt ist das … Das es soweit gekommen ist mit der Zivilcourage, da sollte man etwas dagegen tun. Wie dem auch sei, ich bin dann schnell weiter, damit ich die Bahn noch erwischt hab. Gibst du mir mal die Butter rüber, Schatzi?”

Das Schreien hat nicht aufgehört.
Morituri te salutant – Die Todgeweihten grüßen dich.



Ballons, Ballons

12 04 2007

Ein riesiger Raum voller bunter Ballons der sich Leben nennt. Man kämpft sich durch den Berg aus zähem Gummi und wenig Luft zum Atmen, bewaffnet mit einer Nähnadel. Jeder Ballon, den man zum Platzen bringt, enthält wieder Ballons, mal mehr mal weniger, mal unüberschaubar viele, die einen fast drohen zu erdrücken und manchmal sind auch gar keine drinnen. Wenn man sie lange genug betrachtet, dann werden aus den erst ganz kleinen Kugeln übergroße Heißluftballons.
Aber wehe, man verliert die Nadel. Die Gedanken und Theorien, die als Ballons durch die Welt schwirren, werden zu unüberwindbaren Hindernissen.
Wir sind auf der Suche nach der Tür, die aus diesem Raum hinausführt, nach einem neuen Raum, aber wer weiß was wohl dort auf uns wartet … Vielleicht die verdammte Ballonfabrik?
Besser wir wissen es nie, denke ich mir manchmal und wir machen uns ganz klein und wandern auf den Gummiporen eines einzelnen Ballons herum.
Nur das
Knallen der Ballons mag ich nicht.
Es ist so laut.



Alice im Frauenland

11 04 2007

Zapp. Zapp. Ah, das schaun wir mal.
Menschen bei Maischberger ist ja eigentlich eine niveauvolle Talksendung, moderiert von Sandra Maischberger, die weiß, von was sie redet. Die werte Frau wird in ihrer Babypause jedoch von Gastmoderatoren vertreten.
Das Thema gestern Abend: Früher, härter, unromantischer – Sex ohne Liebe?
Und jetzt kommt’s: Moderiert von Alice Schwarzer. Eine ganz und gar überhaupt nicht neutrale Moderatorin – die Mutter der Feministinnen, der Schreck aller Nicht-Hausmänner. Da hat die ARD aber ordentlich ins Klo gegriffen!

Vergewaltigungopfer und Aufklärungsbeauftragte erzählen in der Sendung von ihren schlimmen Erlebnissen.
Als Reinkarantion allen Bösens muss ein ärmlicher Rapper herhalten, der sich ‘King Orgasmus One‘ nennt und Pornofilme produziert.
Der sitzt eher teilnahmslos da, versteckt sich hinter einer schwarzen Sonnenbrille und bekommt keinen grammatikalisch korrekten deutschen Satz über die Lippen und wird von Alice Schwarzer fortwährend mit der Anschuldigung torpediert, für die sexuelle Verwahrlosung von Kindern in Deutschland verantwortlich zu sein.
Ja, Frau Schwarzer: Die Texte seiner Songs sind frauenverachtend, und mit dem Kerl würde ich meine Tochter, wenn ich eine hätte, auch nicht ausgehen lassen.
Man sollte jedoch differenzieren können: Nicht nur, dass die Geschlechtsverteilung der Gäste mehr als unfair war – die ganze Sendung hatte den Klang, als wären alle heranwachsenden Jungen und Männer böse Sexmonster, immer mit einem Fläschchen K.O.-Tropfen in der Tasche, das Handy vollgestopft mit Pornos und selbstgedrehten Vergewaltigungsvideos.
Einen letzten Hoffnungsschimmer
stellt der Sexualforscher dar, der in der Ecke der Runde sitzt, und noch kein Wort von sich gegeben hat. Doch selbst den würden erboste Mütter von jedem Kinderspielplatz verjagen; sieht aus wie der letzte Kinderfängern und wirft mit Erkenntnissen um sich, die zwar stimmen, welche ich mir aber auch selber denken kann.

Eine ganze Sendung für den Arsch und danach ist auch keiner schlauer wie vorher.
Ich will das Leid von Opfern sexueller Gewalt ganz und gar nicht mindern! Mich regt einfach nur auf, wie oberflächlich dabei die Rolle des Mannes in unserer Gesellschaft, vor allem des Heranwachsenden, in den Dreck gezogen wird.
Es gibt auch normale männliche Jugendliche.
Wer pauschalisiert, der polarisiert, und wenn man dieses Thema jetzt schon so Aufblasen muss, dann bitte doch korrekt und mit Argumenten, und nicht mit dümmlichem Geschwätz.



Vampirwaise mit Saugrüssel

8 04 2007

Es soll ja manchmal auch vorkommen, dass so einer wie den Staubsauger hervorholt und Staubschichten und Locherkonfetti von 2004 aus der Dunkelheit unter gewissen Möbelstücken errettet. Das Amüsante bei der Sache ist jedoch der Name unserer Staubsauger-Modells. Gute alte AEG-Qualität, den Schuppen gibts ja seit letzten Monat nicht mehr. Modellname: Vampyr. Muaaahh! Transilvanien lässt grüßen, haben die ihre Produktion jetzt also auch in die Karpaten verlegt … Sauerei!
Das Design wird von einem glänzenden Plastikschwarz dominiert und hat diese geile “Kabelaufroll-Funktion”. Deswegen finde ich dieses Gerät so super. Es macht jedes Mal erneut Spaß, auf den Knopf zu drücken, was bewirkt, dass das Kabel ohne jegliche Energie aus der Dose in den Kabelschacht zurückgezogen wird.
Auf der AEG-Website lässt sich nichts mehr anklicken. Alles tot.
Wie soll ich das nur dem kleinen
Staubsaugerlein erklären?



Hasslyrik

7 04 2007

Er stürmt und rast durch alle Ecken,
keiner kann sich mehr vor ihm verstecken,
tilgt auch noch das letzte Licht,
das durch seine schwarzen Wolken bricht.

Es ist der Hass der zerrt und reisst,
und lechzend in die Seele beisst,
den rosa Schimmer deiner Haut,
letztes Blut aus deinem Körper saugt.

Am Grunde ist die Flucht zu Ende,
dort schimmert das Gesicht so blass,
wo ich im Schlamm des Sees verende,
stirbt zum Glück der letzte Hass.



Werbeagenturen sind blöd

6 04 2007

Für mich sieht es aus, als würde es verdammt cool wirken, als Student eine Werbeagentur zu gründen, mit so einem richtigen abgefahrenen alternativen, Kulturträchtigkeit versprühendem Namen. status zwo, mediaterran, ritter & eschenbach, schriftZUG oder was sich sonst noch tiefgründig und einfallsreich anhört. Natürlich ist der Name, soweit möglich, der auf dem Glasschild an dem dekonstruktivistischen Bürogebäude prangt, klein geschrieben, genauso wie das Büro klein ist, welches so unglaublich teuer eingerichtet, seine Winzigkeit damit entschuldigt, dass es einfach cooler, individueller und simpel avantgardistisch ist, seine extrem ausgeklügelten PR-Gags in der U-Bahn zwischen ‘Unter den Linden’ und ‘Pariser Platz’, schlafenden Studenten und verrückten Bloggern, die mit ihren Handys und Kameras reden, am Laptop zu entwerfen, als in einem teuren Büro mit altmodischer Kaffeemaschine und Sekretärin.
Die Website der Agentur
muss sehr minimalistisch aussehen und moderne Designelemente haben, die eher an ein ikeamöbliertes Wohnzimmer im iPod-Look erinnern. Der Link zum Kontaktforumlar muss so versteckt ins Gesamtkunstwerk eingeflochten sein, dass die Suche nach einer einfachen E-Mail-Adresse zum Erlebnis wird.
Noch cooler ist es natürlich, verrückte Aktionskünstler zu verpflichten, oder junge Internet-Startup-Unternehmer zu engagieren, die dann mit abgefreakten Web-2.0-Events in Kooperation mit dümmlich agierenden Musik-Sendeanstalten Überraschungskonzerte für vor 3 Wochen gegründeten Indiebands promoten.
Das Leben wird zu einer Fassade.

Avantgardisten sind Leute, die nicht genau wissen, wo sie hinwollen, aber als erste da sind.
nRomain Gary



Gedankenfetzen IX

3 04 2007

Die Jugend verglüht in einem brennenden Kometenschweif zwischen den bauschigen Wolken am Äther, RTL und MTV.

Wie sagt es Remarque nicht so schön: Es sind die Uniformen. Nimm ihnen die Kostüme weg, und keiner würde mehr Soldat werden wollen.
Der schwarze Obelisk, S. 178

Wo unser Wissen aufhört, beginnt der Glaube. Wer nie das Wagnis des Glaubens eingeht, ist dazu verdammt, beständig innerhalb der engen Grenzen des sicher geglaubten Wissen zu verharren.
Die Geister, die ich rief, S. 24

Das Leben kommt einem eigentlich erst so richtig sinnlos vor, wenn man lange genug über die Sinnlosigkeit gegrübelt hat, über welche man eigentlich nur nachdenkt, weil man sich vormacht, über eine nicht vorhandene Sinnlosigkeit zu nachzudenken.

Hugh, Häuptling Schnapsdrossel hat gesprochen.



Nachtgedanken

3 04 2007

Zu lieben muss man lernen, Hass kommt von allein.

Ich spüre wie das Unglück über mir schwebt. So restlos glücklich wie im Moment, so kann ich mir kaum vorstellen, dass es so bleibt. Vielleicht ist aber genau dies das Geheimnis: Man muss einfach nur an sein Glück glauben.
Ich geistere nach einer durchzechten Nacht durch die Stadt und telefoniere mit meiner Mailbox. Die erzählt mir was von “Keine neuen Anrufe”.
Ich bin allein, die Straßen sind leer und ich springe frei, glücklich und angetrunken über den Asphalt. Im Rohbau neben mir plätschert Wasser vor sich hin. Komische Geräusche dringen mir zu Ohren, welche ich sonst nie wahrgenommen habe.
Die Tankstelle hat zu. Keine Menschenseele weit und breit. Ich inspiziere die Zapfsäulen.
Wenn ich eines komisch finde, dann sind es solche Momente. Überall leuchtet Licht, von innen hört man das
Summen der Kühlschränke, oder das Surren der blauen Neonlichter über meinem Kopf.
Keiner braucht das, weil auch niemand da ist. Fröhlich blinken die Lichter durch die Nacht und keinen juckt’s.
Einen Moment fühle mich als eines dieser Lichtchen, die verloren und sorglos die Nach erhellen – und niemand interessiert sich dafür.