Wintermärchen

14 05 2007

Ich sollte Wintermärchen im Winter lesen, nicht im Sommer, bei Sonne und auch nicht bei Regen. Verzeih Heinrich, aber die Poesie reizt mich eben schon jetzt. Auch wenn die moderne Welt mir dies gratis und legal auf dem digitalen Silbertablett offeriert, so mag ich zu Bedenken zu geben, dass die wahre Magie aus der Lyrik nur aus dem Papier überspingen mag, zumindest wenn man von solchen Klassikern spricht.
So wunderbar, das jeder in diese Fußstapfen treten kann, Gefühle und Gedanken kompensieren kann in Wort und Text. Papier kann schweigen und kann es weitertragen. So muss es doch das sinnvollste sein, dass Gedanken geteilt werden und nicht hinter staubigen Buchdeckeln in alten missachteten Bücherregalen vermodern.
Text und Bild halten mich mit enormen Sog vom Arbeiten ab. Doppelt so lange in Erinnerungen an vergangene Zeiten geschwelgt, als die
Ereignisse eigentlich ursprünglich an Zeit eingenommen haben. Jetzt kann man darüber schmunzeln und sich der nötigen Distanz freuen, die man aufgebaut hat.
Neues Schreiben wird deshalb zur Sucht.
Besser das als THC, Alkohol, Schmerzen oder Playstation.



Seelenlose Welt

12 05 2007

Menschen tief in die Seele blicken. Die Seele ist ein dunkles Loch, denn bei vielen ist der Weg vom freundlichen Lächeln zum tödlichen Hass kurz und rutschig. Ist es das wert?
Irgendwann wird mal eine Zeit kommen, da wird es jedes Buch geschrieben sein und jedes Lied schon gesungen, jedes Bild schon gemalt und jeder Tanz vollführt – dann stirbt die Kunst. Dann sterben wir, denn in deinem Kopf lebt die Seele und wenn der Kopf kaputt geht, dann gehst du kaputt.



Soviel dazu

10 05 2007

“Geld ist nicht so wichtig. Darum ist es mir egal, ob ich 70 oder 50 Millionen Dollar besitze.”
Arnold Schwarzenegger

Der bescheidene Österreicher in rhetorischer Hochform. Hoffentlich bleibt er mal vernünftig und lässt wenigstens das kleine Blondchen in den Knast wandern. Wenn man Geläuterte auf dem E-Stuhl brutzelt, dann kann man Alkohol-Promis auch ruhig mal ihre “Simple Life”-Realityshow in Realität erleben lassen.
Das ist das einfache Leben.



Netzsucht

9 05 2007

Rauschend geht die Reise durch einen Wasserfall aus Informationen. Innerhalb weniger Sekunden erreicht man alle Informationen, jegliches Wissen, das man begehrt: Eine nie zuvor erreichte Dichte von Informationen, Fakten und Gedanken die in so geringer Zeit auf uns hereinprasseln. Tut das gut?
Die Konsequenzen des Internets werden neben der Aufklärung der Menschheit in jedem möglichen Wissensgebiet auch die allgemeine Verwirrung und Orientierungslosigkeit inmitten einem Meer von Meinungen, Verschwörungstheorien, Behauptungen und falschen Propheten sein. Keine Erkenntnis, kein Sinn lässt sich durch das größte Wissen, durch die schnellste Recherche erreichen. Man stößt höchstens auf Chaos. Ein Chaos ohne ein Genie, welches es beherrschen kann.
Auf was können wir uns noch freuen, noch neugierig sein, wenn wir alles wissen können?
Daten speichern, Daten verknüpfen, alles anpassungsfähig, dynamisch, fliegend, surrend, fluid, flüssig,
unfassbar. Früher konnte man anderen Wissen voraus haben. Heute hat uns das Wissen unser Leben voraus.
Wie amüsant es wäre, wenn ein einzelner Mensch die Macht über das Netz hätte. Er könnte das Leben von Millionen, nein, gar Milliarden Menschen beeinflussen.
Gott des Wissens? Des Lebens? Des Denkens? “Die Gedanken sind frei, keiner kann sie …” – scheisse nein, sind sie nicht!
Das einzige das Freiheit hat, ist das Monster Internet.
Und wir sind seine Gefangenen.



So, Herr Brandner, fahren sie mal bitte rechts ran

8 05 2007

Gedankenprotokoll:
Was? Oh Gott, bitte nicht!
Der mit dem Lappen in der Aktentasche:
“Sie sind mir eindeutig zu langsam gefahren, da fährt ja meine 80 jährige Oma schneller.”
Ahh, bitte nicht, das kann nicht sein.
“Ich habe normalerweise eine Engelsgeduld, aber sie haben es eindeutig überzogen!”
Bibber, bibber … Scheisse!
“Sie denken sie sind damit auf der sicheren Seite …”
Zustimmendes, unterwürfiges Nicken.
” … sind sie aber NICHT! Der Opel hinter uns wollte schon zum gefährlichen Überholen ansetzen!”
Kacke. Das kann jetzt aber nicht sein. Eine Welt bricht in sich zusammen.
“Nun, sie haben jetzt zwar bestanden, aber ich muss ihnen das eindrücklich klar machen, dass …”
Was? Habe ich da sowas wie ‘bestanden’ gehört? What ?!?
“Willkommen im Club!”
What the f*ck? Will der mich verarschen?
Nein, der schaut recht ernst, ich glaub er meint es auch ernst! Auch nur ein Mensch. :)
“Hier, den kriegen sie – halt – ich werde sie beobachten. 08.05.2009. Ich will sie davor nicht nochmal sehen müssen!”
Darauf kann er Gift nehmen. Und was für ein Kompliment – aber Moment: Halte ich da das Ding jetzt wirklich in der Hand? Kann’s kaum fassen.

Ich fang’ fast an zu heulen und bin überglücklich meine 2. Chance genutzt zu haben.
Glaube, meinen Fahrlehrer macht mein fröhliches und noch etwas verstörtes Lächeln ein bisschen glücklich.
Händeschütteln, ein letztes Lächeln, Verabschieden. Heimweg.

Ich nehme nicht die Bahn, weil ich die in Zukunft nicht mehr brauchen werde. Ich laufe zu Fuß, und als ich aus dem Ort herauskomme, blicke ich auf eine wunderschöne hügelige Wiesenlandschaft inmitten von Wäldern und Feldern. Schon immer da, aber durch meine Freudensprünge in meinen Augen einfach noch brillianter in seiner Farbenprächtigkeit und Geruchsintensität.
nDie Siegeszigarillo ist schon geraucht.



Dunkel

5 05 2007

Es ist hier plötzlich so dunkel. Das Licht fällt lieblos durch das Fenster, so dass mein Schreibtisch ganz verlassen in die Ecke gerückt wird. Das Dachfenster, durch welches mein Blick so oft fällt, ist mit Pollen zugekleistert, die durch den kurzen nächtlichen Regenschauer die Sicht durch das Glas trüben.
Immer das gleiche Bild. Nur hin und wieder stehen neue Häuser da, die um mich herum aus dem Boden wachsen, und die schöne Sicht auf den Schwarzwald im Horizont verdecken. Die Aussicht darf nun jemand anders genießen, der glücklich eine dieser Wohnungen bezieht. Es wird langsam heller.



Chamäleon

4 05 2007

Er ist ein eines. Während seine Augen in ausgeschlafenen Höhlen liegend, von einer ruhigen und ausgeglichen Mimik unterstrichen entspannt die Umwelt abtasten und die Worte gewählt und ganz ohne Aufregung aus dem Mund plätschern, tobt innen ein Inferno von ungeahntem Ausmaß. Weshalb aufregen? Später wird es doch auch nicht besser. Es lässt sich auch leicht umdrehen, selbst wenn es nicht dem Wesen entspricht, dass versucht seine Gefühle auf einer Leinwand unter Kontrolle zu haben: Die Niedergeschlagenheit kondensiert am Herz, doch das Gesicht strahlt dem Gegenüber Spaß und Unsinn entgegen. Er peitscht sich selbst an, aber spürt zugleich die Angst vor dem Verlieren. Keine Chance, etwas dran zu drehen? Oder ist alles nur Einbildung?
Wann erkennt man die wahren Gefühle? Wann ist man soweit sich in jemanden anderen hinein versetzen zu können? Das kann man erst dann, wenn man es nicht vermutet. Wenn man es vermutet, dann empfindet man eine
Persönlichkeit nach, die nicht existiert.
Das Schlimmste ist aber eindeutig, dass man nie sich selbst kennt, während man versucht, andere zu erkennen.



Blumen gießen

2 05 2007

“Ist das auf dem Bild ihre Familie?”
“Ja, das waren meine Frau und meine Tochter am letzten Geburtstag.”
“Hm, warum sind sie dann noch nicht zu Hause?”
“Wollte gerade noch Blumen kaufen gehen.”
“Haben sie Blumen gern?”
“Rosen mag ich. Meine Frau hat aber Nelken sehr gerne. Davon kriegt sie heute einen schönen Strauß.”
“Aber Nelken, das sind doch Friedhofsblumen.”
. . .