Millionen Schreie

27 06 2007

Wir sind ja so mitfühlend und zivilisiert geworden in den letzten Jahrzehnten. Seit einem halben Jahrhundert haben sehr viele Länder dieser Welt sogar Menschenrechte in ihre Verfassung reingedruckt. Meine Güte -das ist doch fortschrittlich! Weltkriege und Holocaust sind nur noch Geschichtsbewältigung.
Viele Millionen Menschen sind früher gestorben. “Völkermorde haben aufgehört. Alles ist gut!”
Die Nachrichten erzählen von Gipfeln auf denen sich Länder einigen, Menschen zusammenschließen und man sich um die kleinsten politischen Details streitet. Die größten Probleme hat man doch beseitigt.
BULLSHIT!

Im Sudan gehen die Toten in die Hunderttausenden und niemand schert sich darum. Werden 10 Europäer ermordert, dann ist das Geschrei groß – werden in Darfur täglich ganze Dörfer ausgerottet, dann ist das den Nachrichten keine Headline wert!
Liegt wohl daran, dass dort nichts Neues passiert. Irgendwann werden tote schwarze
Kinder und Frauen langweilig. Sie sehen ja alle gleich aus. Wer stirbt denn da schon? Sie heißen alle gleich, sehen alle gleich aus, können alle nicht lesen und nicht schreiben, sind alle schwarz und haben nichts was sie besonders macht – vielleicht die Kleider an ihrem Körper die mit ihren Leichen im Wüstensand versinken. Totes Menschenmaterial!
Die toten Babys haben nichts von unseren Menschenrechten. Aus diesem beschissenen Grund soll sich verdammt nochmal keiner mit seinem fetten Wohlstandsarsch auf den tollen Errungenschaften der Menschenwürde und Verfassungsrechte setzen und entspannt zuschauen, wie draußen Menschen zerfetzt werden.

Das Recht eines jeden Menschen sollte die Pflicht sein, bei Leid nicht wegzuschauen.
Aus diesem Grund richtet sich meine Wut gegen alle Menschen die der Ansicht sind, in unserer Welt wäre alles in Ordnung. Was ist das für eine Ordnung, die sie vertreten wollen? Eine Ordnung, in der die Zahl getöteter Menschen jeden Tag gleich hoch ist?
Gestern Nacht
bin ich aufgewacht und musste an diese Menschen denken und habe in mein Kissen geweint.
Was nutzen meine Tränen?

Wenn mich die Menschen irgendwie hören, die dieses Leid nicht beachten und Tag für Tag sorglos durch ihr Leben streifen, dann sollen sie sich eines gesagt sein lassen: Ich hasse sie dafür.



63 Zeichen

22 06 2007

Die Anzahl der Zeichen einer Top-Level-Domain sind auf 63 Zeichen beschränkt.
Wenn Leute mit ihrer total komplizierten, unhandlichen und verkrüppelten Sprache Rekordversuche starten, dann ist das immer sehr spaßig.

www.Llanfairpwllgwyngyllgogerychwyrndrobwllllantysiliogogogochuchaf.com

Soviel dazu.



Erklärungkönige

21 06 2007

Ich will nicht, dass meine Gefühle und Gedanken auf neurochemische Fehlfunktionen meines vorderen Gehirnlappens reduziert werden.



Hochglanz perfekt

20 06 2007

High-Definition. Hochqualitativ. Maximalästhetisch. Perfekte Blicke, perfekter Look, prefekte Welt. Alle Natürlichkeit durch perfekte Formen abgetötet. Neutral und ohne Aussage. Einfach so, zum “Schön-finden”.
Ein Engelsgesicht hat sie, sich einfügend unter der prangenden Überschrift in großen Lettern, preist mit ihrer Anwesenheit auf dem Hochglanzpapier den Inhalt an. Dort lächelt sie verführerisch in unsere traurigen Gesichtern. Unerreichbar ist sie unter der kühlen Oberfläche, auf welcher wir mit unseren Fingern höchstens fettige Fingerabdrücke hinterlassen können.
Nein, für diese Welt sind wir nicht perfekt genug. Das sagt sie dir mit ihrem Grinsen, dieses wunderschöne Geschöpf.

Nur dumm, wie sie alle gleich enden.
Das Deckblatt des Magazins flattert wehrlos und zerknittert, umgeben von Pappbechern mit eingetrocknetem Kaffee, im warmen Wind, der auch nichts mehr retten kann.
Kein Hochglanz mehr. So liegen sie da.
r
Im Mülleimer.



(Un)zufriedenheit

18 06 2007

Über kleine Erfolge sollte man sich auch freuen. Meckern, das tut man viel zu schnell. Viel eher sollte man sich mit Schmerzen, sorgvollen Gedanken und Unzufriedenheit anfreunden und darüber glücklich sein, noch am Leben zu sein.



Blumen

15 06 2007

Als ich klein war, da wurde mir immer erzählt, das Blumen so schön duften. Die Blume war das absolute Bild für guten Geruch.
Eines Tages, in irgendeinem Park, waren da viele schöne, große und kleine, aber durchgängig bunte Blumenbeete. Ich wagte es und schnüffelte an den bunten Blüten.
Ich konnte nichts riechen. Die Blumen rochen nach nichts – vielleicht etwas säuerlich oder nach Gras, oder sie kitzelten einfach nur in der Nase, aber da war kein himmlischer Geruch, keine Süße und kein eau de toilette.
Ich hatte meine Erwartungen eindeutig zu hoch geschraubt; das musste ich mir selbst eingestehen.
Doch damit konnte ich mich nicht abfinden. Was war aus ihnen geworden, diesen schönen farbigen Formen, der Lebendigkeit im Farbenspiel, der rauschende Bewegung der unbeweglichen Blüten, die der Stiel im Winde wiegt: ein aufmunterndes Nicken im Sturm. Die Sanftheit im Wesen der Blume, diese zerbrechliche Ästhetik, Schönheit und Jugend
- das konnte doch nicht alles eine lügnerische Fassade sein!

Die Natur sollte mich aber doch nicht im Stich lassen. Vor einiger Zeit habe ich meiner Mutter Blumen gekauft. Ich kann nicht mehr sagen, wie die Blumen hießen. Namen sind unwichtig. Genauso wenig weiß ich noch, wie sie aussahen, oder wieviel sie kosteten, in diesem kleinen Blumenladen an der Ecke.
Doch ihren lieblichen Duft habe ich immer noch in der Nase. So unbeschreiblich ist dieser Geruch, etwa so unbeschreiblich wie das Gefühl der Liebe, welches man nie so beschreiben wird können, dass jeder darunter dasselbe versteht.

Wein, Pralinen, Bitterschokolade oder der Spinat, vor dem man sich als Kind furchtbar fürchtete: Manchen Geschmack und Geruch scheint man erst zu schätzen, wenn man älter wird und seine Erwartungen an eine paradisische Welt mit Prinzessinen, Benjamin Blümchen und ‘Bello auf dem Bauernhof’ tief unten bei den Bauklötzen und Kuschelbären verstaut hat.

Seit diesem Tag sind Blumen für mich
wieder das geworden, was sie meiner Meinung nach symbolisieren sollten.

Hoffnung.



Perle

13 06 2007

Falls ich mal ein Kind haben sollte, in ferner Zukunft, und falls dieses Kind eine Tochter sein sollte – ich wüsste schon, wie ich sie gerne nennen würde. Zumindest wäre es eine Überlegung wert. Ein außergewöhnlicher und schöner Name.

Coralie.



*schwitz*

10 06 2007

Unter Druck besser arbeiten zu können, ist eine schlechte Ausrede dafür, sich zu spät an die Arbeit gemacht zu haben.



Soviel zur Gerechtigkeit

7 06 2007

Paris Hilton ist schon nach drei Tagen überraschend wieder aus dem Gefängnis entlassen worden. Allerdings muss sie den Rest ihrer Strafe – 40 Tage – daheim verbüßen und zur Überwachung eine elektronische Fußfessel tragen.

Polizeisprecher Steve Whitmore sagte am Donnerstag in Los Angeles, für die Entscheidung seien medizinische Gründe ausschlaggebend gewesen. Nähere Auskünfte über die Krankheit gab er nicht.

Paris Hiltons Tante Kyle Richards hatte vor der Freilassung erklärt, dass es ihrer Nichte im Gefängnis nachts zu laut und zu hell sei, außerdem langweile sie sich.
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Die Strafe wird eines Tages die Gerechten
verschonen und die Ungerechten gerecht bestrafen.
Irgendwann …

UPDATE:

Verärgert über ihre Freilassung bestellte Richter Sauer, der Hilton Anfang Mai wegen verschiedener Verkehrssünden zu einer Haftstrafe von 45 Tagen verurteilt hatte, die 26-Jährige wieder ins Gericht.
Im Gerichtssaal forderte der Richter die weinende Hilton auf, ihm persönlich über ihre gesundheitlichen Probleme zu berichten, die zu der Entlassung geführt hatten, entschied letztendlich jedoch für ihre Rückkehr ins Gefängnis. Hilton hörte die Entscheidung in Tränen aufgelöst an und rief laut schluchzend: “Mami, Mami, Mami!” [die Boulevardpresse muss diese dramatischen Worte natürlich in den Bericht übernehmen - entweder zur Befriedigung des Sadismus der Leser oder zur Mitleidserregung]
Der schwarze Bürgerrechtler Reverend Al Sharpton nannte Hiltons Entlassung in einem CNN-Interview eine “himmelschreiende
Ungerechtigkeit”. Er sprach von Doppelmoral und Begünstigung je nach Hautfarbe. Auch Fernsehkommentatoren sagten, andere Häftlinge müssten trotz Aids, Diabetes, Krebs und Herzkrankheiten hinter Gittern bleiben.

Die Gerechtigkeit hat doch gesiegt …



Sommerregen

7 06 2007

Bedrohliches Rumpeln kündigt an: Die Wolken verrücken ihre Möbel.
Sie machen dem Wind Platz. Soeben hat die Sonne das Bett noch in schüchternes Gelb getaucht, nun schwindet das Licht hinter den Wolken und die Tapeten wechseln mit dem Himmel die Farbe.
Es ist jedes verflixte mal das Selbe mit dem Sommer – er geht so schnell vorrüber, jedesmal schneller. Im schulischen Frühjahrsstress jagt man in Gedanken seinen Sommerträumen nach, einer unbeschwerten Zeit, die bald kommen wird. Dann fängt sie ganz unmerklich an und man verlebt unwiederbringbare Tage.
Warum kann ich nicht einfach in diesem Sommer steckenbleiben? Alles macht glücklich. Die Erlebnisse, die Freunde und Menschen die man kennenlernt, die Musik, das Essen, das Wetter, das Netz, der Kühlschrank, die Familie, die Menschen – das Leben.
Man ist das komplette Leben damit beschäftigt zu versuchen, das Leben und seine Erlebnisse festzuhalten, bis man sich auf dem Totenbett
wiederfindet.
Kann man zufrieden sterben? Ich denke nicht. Soviel wird sich bis zu meinem Tod nicht ändern. Wie sagte der alte Rentner doch, der unter uns wohnte: “Ich bin alt, kann mich kaum noch bewegen, aber trotzdem lebe ich doch noch gerne …”

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