Rundumschlag

27 07 2007

Manchmal frage ich mich schon, wie offensichtlich manch einer Prinzipien hegt, sie aber nicht pflegt – sprich: Es gibt Leute, die lügen, ohne das überhaupt von sich zu wissen. Sie lügen nicht hauptsächlich in Worten, obwohl sie da meist niemandem nachstehen, sondern eher in der Art, wie sie manche Dinge handhaben.
Da steht so zum Beispiel ein Auto in unserer Straße, ein Van, schon recht alt, ich entsinne mich an ihn schon seit frühester Kindheit.
Der “Atomkraft?-Nein-Danke!”-Aufkleber hat von seiner strahlenden Leuchtkraft schon einiges eingebüßt. Der Emissionsaustoß-Aufkleber vorne unten rechts an der Windschutzscheibe hingegen leuchtet kräftig rot auf Stufe 2! Ein 11 Jahre alter Golf III würde eine grüne Plakette auf Stufe 4 bekommen. Dieses grüne Polit-Streitgut bekommt sowieso jede alte Dreckschleuder; wie treibhausig muss diese Karre dann sein?
Jauuu, schaffen wir die Atomkraft ab und erzeugen Strom nur noch mit solchen alten
Schottmühlen, dann bekommen wir das schon
alles in den Griff. Der soziale Faktor darf dabei nicht vergessen werden: Ihr tut somit was für zugewanderte aus dem Amazonas-Gebiet, die sich nicht an das trocken-kühle mitteleuropäische Klima gewöhnen können. Solange ihr noch solche Autos fahrt, bleibt nämlich wenigstens das Wetter schön schwül und heiß. Und Regenfälle und Fluten lassen auch nicht zu wünschen übrig.

Da gibt es übrigens noch einige andere Dinge, über die ich mich gerade aufrege. Zum Beispiel die total beschissene Erreichbarkeit meines Webspace. Alle 2 Tage irgendein Ausfall, mal sind es die Datenbanken, mal wirklich alles. Dann flattern die Mails ins
Postfach: Dies passiert, das ist passiert … Es tut ihnen uns so sehr Leid – und vielen Dank, dass sie sich für uns entschieden haben!
Wenn E-Mails dieser Art in Gestalt von Staubsaugervertretern auftreten würden, sie hätte dieses arschkriecherische Lächeln eines frischverheirateten Vertreters mit beschem Anzug und
Mundgeruch.

Das momentane sportliche Geschehen lässt sich in einem sehr treffenden Zitat beschreiben.

“Die französische Übersetzung für »Offene Drogenszene« heisst: »Tour de France«.”
Gerhard Kocher

Desweiteren stelle ich dann auch noch eine thematisch ganz unpassende rosafarbene Frage: Muss man sich einsam fühlen um sich verlieben zu können?

Habe dann noch eine weiteren Appell an die Weltbevölkerung:

Entführt Terroristen!

Ob man dann beim Märtyer-Tod nachhilft, bleibt Geschmackssache. Wollen wir uns etwa auf deren Niveau herunterlassen und unsere Geiseln töten?

Werde die nächsten 10 Tage in der wunderschönen Natur nur mit Lagerfeuer, Stockbrot und Gott verbringen, fernab aller bösen Nachrichten. Diesen Ausfall schätze ich als nicht so gravierend ein, da ich sogar vermute, dass mein Hoster in der Zeit irgendwelche Wartungs-Drohungen aus diversen E-Mails
wahrmachen wird. Die Post-Frequenz ist zur Zeit sowieso unter aller Sau. Die Anzahl von Bindestrich-Wortneuschöpfungen steigt aber komischerweise ungemein an.
(Wer ist der König der schwachsinnigsten Wortneuschöpfungen? Ja, genau der!)

Wünsche allen solange warme, sonnige und vor allem fröhliche und glückliche Tage! ;)



Stand der Dinge

25 07 2007

So, nun beginnen die letzten Sommerferien meines Lebens. Bewerbungsfirsten sind jetzt schon 5 vor 12, und es läuft alles anders, wie man es sich gedacht hat. Alles was in der Zukunft liegt, auf das man gespannt hinarbeitet, verliert, je mehr man sich dem Zeitpunkt nähert, ziemlich schnell seinen Zauber.
Je älter man wird, desto mehr stumpft alles ab. Das Verlangen nach neuen Abenteuern wird kleiner, der Blickwinkel weiter. Man betrachtet alles aus immer größerer Entfernung und erinnert sich kaum noch an den Kampf mit sich selbst in der Hundehütte, sondern schwebt gleichgültig und taub über den Wolken.
Das Leben verliert seine Musestunden. Ich befürchte, mit solchen würde ich auch nicht mehr viel anfangen. Ich brauche immer etwas zu tun, und wenn es etwas total unkonstruktives und idiotisches ist. Nur etwas tun.
Kommt mir im Sommer meistens so vor, oft zumindest, glaube ich. Vielleicht die nachklingenden Symptome eines Gute-Laune-
Overkills.

Was mir heute noch so durch den Kopf schoss:

Glaube heisst nicht dem zu folgen was ist, sondern dem zu folgen was sein muss.



Klingel Klingel!

19 07 2007

Während des Zweiten Weltkrieges gab es einen “Witz”. Wenn da jemand meinte, die Juden seien Schuld an allem Unglück in Deutschland, dann antwortete man darauf: “Und die Fahrrardfahrer!”
Damals funktionierte der Witz noch, weil es dann möglicherweise manchem verwaisten lieblosen SS-Obersturmbannführer klar wurde wie Kartoffelschnaps, dass der Kot in ihren neuralen Nervenbahnen nicht geschmeidiger wird, wenn man seinen Hass auf bestimmte Volksgruppen projeziert.
Der Lauf der Dinge hat im letzten halben Jahr die Pointe zerstört. In gewisser Weise sind Fahrradfahrer nämlich das typische Beispiel für den bösen Menschen. Halt – ich verbessere mich: Fahrradfahrer die gerne mal zuviel Hustensaft und Nasenspray schlucken.

Sie stochern alle alibimäßig Scheisshaufen. Alles voller Lügner. Gerade eben schworen sie noch ab, dann schaut man weg und schon wieder geht es los. Was ist ein besserer Werbeträger als ein gedoptes Rennrad-Team im
gleisenden Licht der skandalgeilen Öffentlichkeit? Da kann kein Ursus maritimus mithalten.
Wenn ich mal ehrlich bin: Sollen sie sich doch alle totdopen, bis sie alle totgedopt von ihren Fahrrädern fallen. Wie kann man nur so dreist und sein und Millionen von Menschen ins Gesicht lügen, fair und ordentlich seinen Sport ausüben zu wollen, wenn man sich nach dem Interview die nächste Spritze in den Körper ballert?
Fairness ist unmöglich weil es immer Querschläger geben wird. Deswegen brauchen wir auch Geld und Waffen, Banken und Tresore, Schlösser an den Türen und Alarmanlagen. Fahrradfahrer sind das Beste Beispiel dafür.

Meine Güte, das ist ja mal eine Leistung. Anti-Semitismus und gedopte Fahrradfahrer in einen Zusammenhang bringen.



Juli

18 07 2007

Da berührt Musik gerade wieder die Adern in der Seele, die an früher erinnern und an jetzt denken lassen. An Tage und Gewohnheiten die mir damals ganz normal oder manchmal auch langweilig und stupide erschienen. Wenn ich aber heute daran zurückdenke, dann wünschte ich mir, nur für 5 Minuten wieder diese Tage erleben zu können.
Genau aus diesem Grund sollte man jeden langweiligen Film, jeden verkorksten Abend in einer Kneipe, jeden anstrengenden Tag und jeden unangenehmen Regenschauer niemals vergessen.

“Denn ich liebe dieses Leben
ich liebe den Moment in dem man fällt
ich liebe dieses Leben
und ich liebe diesen Tag
und ich liebe diese Welt …”

Normalerweise bin ich gegenüber der aktuellen Pop-Welt sehr skeptisch, aber dieser Liedtext von der Band
Juli (genau, das waren die mit dem schlechten Timing mit ihrem Lied “Perfekte Welle” kurz vor dem Tsunami in Süd-Ost-Asien) spricht mir einfach aus der Seele.
Wort für Wort.



Mittelmeer-Blues

14 07 2007

Jetzt sitze ich nun da vor der Tastatur, habe eine gigantische Woche hinter mir und bin froh, dass ich so endlich wieder Inspiration gefunden habe, um die Seiten dieses Blogs mit Leben zu füllen. Bevor ich in das Loch falle, dass allen geilen Zeiten folgt, wenn noch immer die Stimmen der Freunde durch den Kopf geistern und man die Brandung rauschen hört, wenn man die Augen schließt – bevor dieser Emotions-Jetlag zu seiner Entfaltung kommen wird, werde ich von der letzten Woche erzählen, vom Mittelmeer-Blues.

Studienfahrt, Klasse 12, Gymnasium. Faules Pack im schulischen Endstadium auf dem Weg nach Süd-Italien, Piano di Sorrento ein paar Kilometer von der Millionenstadt Neapel entfernt.
Das erste erwähnenswerte Erlebnis waren die Hütchenspieler an einer Autobahnraststätte; traurig, wie viele Idioten sich noch immer ihr ganzes Urlaubsgeld abzocken lassen. 18 Stunden Busfahrt gingen an die Substanz, aber es hat sich gelohnt.
Neapel ist
ein kranke Stadt. Müll an jeder Ecke, eng stickig, dreckig, aber voll von Leben – ein lebendiger Pickel am Rande der italienischen Mittelmeerküste. Von Mafia und Kriminalität auf den großen Hauptstraßen keine Spur. Ein Hehler bot uns eine nagelneue Digitalkamera und einen teuren Laptop erst für 550 Euro, dann 400 Euro und letzlich 300 Euro an – wir lehnten jedoch dankend ab.
In der Stadt und der ganzen Umgebung sind Verkehrsregeln und Ampeln offenbar eine freiwillige Erfindung, an die man sich besser nicht hält, oft zumindest, wie unser erfahrener Busfahrer uns erklärt hatte. Jedes Auto sieht aus wie von Pariser Vorortjugendlichen vandaliert, und wenn die Parkplätze aus sind, dann parkt man einfach ein paar Spuren im fünfspurigen Innenstadtverkehr zu.
Wenn man die Mentalität der Neapolitaner beschreiben will, dann kann man das glaube ich so: Man baut etwas auf und lässt es einfach stehen. Wenn etwas kaputt geht, dann repariert man es nur, wenn man ansonsten etwas nicht weiterbenutzen
könnte.
Wenn der Vesuv ausbricht, sterben auf den Schlag 300.000 Menschen in der Region, Millionen werden obdachlos werden. So wie ich das sehe wird das die Bewohner der Gegend wenig stören, sie würden nach wenigen Wochen wohl wieder ihren Wochenmarkt abhalten.
Capri ist übrigens auch ein Muss. Die Bootsfahrt auf diese wunderschöne Insel brachte mich zwar dazu meinen Magen zu entleeren (viel war nicht drin), aber das wurde allein schon durch das Klippenspringen, die viertgrößte Yacht der Welt und Tom Hanks entschädigt. Er hat uns sogar zugewunken.
Mit D. und B. bin ich am ersten Abend am Meer gewesen und wir haben einem einsamen Hundchen ein Lied zur Melodie von “Angie” von den Stones gesungen.
Hundiii, Huuuuuuundiii, du bist so einsam und aha-allein.
Und einen Blues mit alkholdurchtränkter, schmetternder Stimme: Den Mittelmeer-Blues. Das Reglement sieht für diese Art von musikalischer Selbstunterhaltung folgendes vor: Eine billige Akusitikgitarre, eine frische Brise am Meer,
etwas Bier und die Füße in der kalten Brandung.
Ich werde diese Tage niemals vergessen. Wenn nicht wegen der Gegend und der Erlebnisse, dann wegen den Menschen, mit denen ich sie erlebt habe.



Feuchtes Erlebnis

3 07 2007

Vorweg: Die Überschrift ist ein derber Leserfänger; aber das, was wohl 90% der Menschen die diesen Satz lesen werden, mit obiger Überschrift assoziieren, entspricht sicherlich nicht den Erwartungen an den folgenden Text.

Der Regenjacke lag zu Hause. Da lag sie gut.
Es ergab sich so, dass sich die dunklen Wattebäusche vor die Sonne schoben, just zu dem Zeitpunkt an welchem ich mich unter freiem Himmel über unsere schöne Mutter Erde bewegte. Der Weg war nicht kurz, aber die Regentropfen in nicht geringer Zahl. Die Menschen um mich herum spannten ihre bunten Regenschirme auf, blinzelten durch den Regen und zogen ihre Nacken ein.
Ich schritt weiter durch den Regen, ignorierte ihn einfach. Um eine rettende Abkürzung zu nehmen, schlug ich den Weg über eine Wiese ein. So stolperte ich über das Grün, und der Wind brauste um meinen Kopf und schleuderte die kleinen Tröpfchen in mein Gesicht. Was ich sonst genervt aus meinem Gesicht
gewischt hätte, ließ ich einfach gewähren. Ich schloss die Augen, meine Füße gingen von allein, ich spürte den Wind und das lauwarm bis kühle Wasser, und wurde mit dem Regen eins.
Der Regen machte mich nicht mehr nass, ich war der Regen.
In solchen Moment schiesst einem durch das Bewusstsein, in was für einer schönen Schöpfung wir leben dürfen. Das muss jeder anerkennen.
Verwirrend allerdings ist, dass ich mir in der folgenden Nacht den Kopf über den Tod zerbrochen habe.



Zwiespalt

1 07 2007

Voll Fehler, töricht und besessen,
von Fragen die wir nie vergessen,
gejagt vom Willen zu verstehen,
können wir die Welt nicht sehen.

Mit Logik die sich selber frisst,
Leere predigt, flüstert, schreit,
das Leben nur an Zahlen misst,
man keinen von der Qual befreit.

Kein Lichte soll dort oben sein,
kein Sinn und Halt in Gottgestalt,
versteckt durch der Sterne blendend Schein,
Leben für etwas, sterben für nichts.

Doch Hoffnung streichelt mein Gesicht,
wenn man von diesen Fragen spricht,
zeigt mir täglich diesen Weg,
auf dass ich einmal ewig leb’.