Mariella

31 08 2007

Die Geschichte von Mariella ist eine traurige Geschichte. Ich will euch von ihrem Leiden berichten, denn wenn jemand in unserer ergrauten, schadenfrohen Welt von Einsamkeit geknechtet wird, dann ist das Mariella.
Man sollte es eigentlich nicht glauben, dass so ein fabelhaftes Wesen wie sie einsam durch die Straßen der Stadt streifen musste. Schon so viele Kerle haben sich in ihr wunderschönes Lächeln und die kristallklaren Augen verliebt, grünblau über den runden Wangen eingebettet. Wenn sie blinzelte, dann wirkte das jedesmal so, als würde sie sich für ihre betörenden Augen enschuldigen wollen. Die nussbraunen Haare fielen leicht gelockt über ihre Schultern. Sie trug sie meist offen.
In diese Mariella haben sie sich alle verliebt, diese Windhunde. Doch wenn Mariella dann in trauter Zweisamkeit ohne böse Absicht beim Lächeln ihren Mund zu weit öffnete, dann ergriffen ihre Liebhaber in spe auch ebenso schnell die Flucht, wie sie sich
in ihren Bann haben ziehen lassen. Dann nämlich erscheinen sie, die spitzen Eckzähne, messerscharf und bedrohlich blitzten sie dann unter den hellroten Lippen hervor.
Sie wollte doch nie eine Vampirin sein, niemanden beissen, doch niemandem weh tun, erst recht nicht Menschen, die sich in sie verliebt hatten und die sie begann zu lieben. Wenn ihre Verehrer dann angstvoll die Türe hinter sich zuschlugen, dann sank sie in die Knie und begann zu weinen.
Das letzte Mal hatte sie einen Menschen vor 3 Jahren gebissen und als sie danach im Spiegel ihren blutverschmierten Mund betrachtete, da begann sie Angst vor sich selbst zu bekommen. Dieses Erlebnis bewog Mariella dann dazu, die scharfen Eckzähne mit einer Feile aus ihrem Mund verschwinden zu lassen. Unvergesslicher Schmerz, Übelkeit und brennende Augen waren die Folgen dieses vergeblichen Versuchs, endlich normal zu werden, so wie alle anderen, um endlich akzeptiert zu werden. Doch die ungebliebten Hauer wuchsen bereits nach einer Woche wieder auf
ihre ursprüngliche Größe zurück.

Lange lange Zeit habe ich nichts mehr von Mariella gehört. Sie ging aus Scham und wegen der Sensationsgier ihrer Nachbarn nicht mehr auf die Straße. Man erzählte sich sogar, sie habe alle Spiegel in ihrer Wohnung abgehängt, um sich selbst, der Missgestalt, als die sie sich betrachtete, nicht mehr unter die Augen treten zu müssen, zu der sie eines Nachts nach einem Biss geworden war, dem sie wehrlos ausgesetzt war. So begann sich selbst die Schuld an ihrem Aussehen zu geben. Irgendwann verlor sie dann sogar ihr Lächeln, welches selbst noch in größter Trauer und Angst ihr Gesicht erhellt hatte.
An einem Januarmorgen musste ich in der Zeitung von einer jungen Frau lesen, die man aus dem Fluss gefischt hatte. Einen Tod in dieser elenden Dreckbrühe hätte man nicht dem größten Verbrecher gewünscht. Ihr toter Körper war Verschlussache, die Zeitung berichtete nie von der Aufklärung ihres Todes.
Kalt ist der Fluss um diese Jahreszeit.

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Lost Prophets – 4:AM Forever



Mondsüchtig

28 08 2007

Ein Blick auf die Uhr: Ich hasse es so, erst am Mittag aufzuwachen. Wir hatten Vollmond, zumindest fast. Bin da nicht so bewandert.
Heute Nacht um halb vier ist mir so ein sinniger Satz durch den Kopf rotiert.

Lachen können wir über unseren Tod gemeinsam.
Sterben müssen wir ihn alleine.



Ist doch auch egal

26 08 2007

Der nächtliche Heimweg war deprimierend. M. war derselben Ansicht. Während wir in den frühen Morgenstunden, als das schwarz der Nacht noch immer den Himmel bedeckte, unseren Weg nach Hause gingen, da erschien mir alles so klar und so unbarmherzig. Jedes Thema das wir anschnitten, mündete in der Erkenntnis, dass man jede offene Frage am Ende mit einem tiefen Seufzen beantworten kann. Mit Achselzucken und Resignation. Wir schaffen unser Leben nicht allein. Das hat noch nie jemand geschafft. Nicht einmal Jesus. Es ist wohl auch nicht der Sinn der Sache, sich allein durch’s Leben zu schlagen und das Herz mit Mörtel und Beton dicht zu kleistern, damit nichts hineingelangt. “Verschobene Inbetriebnahme des Herzens aufgrund akkuter Angst um die lebenserhaltenden Funktionen.” Ist das denn Leben?
Eine weitere Erkenntnis ist umso erschreckender. Sind wir nicht nach allem süchtig. Nehmen wir Drogen um uns abzulenken, stürzen wir in Abhängigkeit.
Entkommen wir dieser Sucht, stürzen wir uns in eine andere. Entweder nach Anerkennung und Erfolg, oder nach Liebe und Zuwendung. Eines dieser Attribute ist es immer und wird es immer sein. Das Leben ist eine einzige Sucht, ein Teufelskreis, dem wir nicht entkommen können. Ohne Süchte könnten wir nicht leben.
Autos waren nicht viele unterwegs. Diejenigen, die trotzdem herumfuhren, hinterließen bei mir die Frage, weshalb diese Autos Sonntagmorgens um kurz vor 4 Uhr durch die Gegend rollen. Da die Scheiben von der Kälte beschlagen sind, kann man die Menschen, die diese Kästen durch die Welt lenken, nicht erkennen. Es sind Phantome die Ihre Wagen durch die Straßen manövrieren. Wer sitzt da drin und wo fährt er hin? Wo kommt er überhaupt her? Kommt er überhaupt woher? Ist doch eigentlich auch egal. Es sind Autos mit irgendwelchen Menschen drinnen, die von irgendwo herkommen und irgendwo hinfahren. Ist es denn von Bedeutung? Wahrscheinlich wissen die Fahrer nicht mal selbst wo sie hinfahren,
eingesperrt in Glas und Metall. Aber ist es bei uns beiden Fußgängern denn anders? Wo gehen wir denn schon hin? Wer weiß das schon. Ein tiefes Seufzen.
Vorbei am Bahndamm. Einfach absurd wie es da aussieht, wenn man es genau auf sich wirken lässt, was da so alles aus dem Boden ragt, was wir in die Welt gestellt haben, zur Orientierung, Markierung oder einfach für Gar nichts. Straßenlampen, Straßenschilder, Warnleuchten, Markierungsschilder, Ortsschilder, Geländer und Werbeschilder. An dieser Stelle sieht es einfach erschreckend aus. Ein Wald aus Orientierung und Wegweisern, doch wie heißt es so schön: Man sieht den Wald vor lauter Bäumen nicht. Man sieht überhaupt nichts, verdammt nochmal einfach gar nichts! Die Blicke werden von der Dunkeheit verschluckt.
In der Nähe kracht und kleppert es. Die Geräusche scheppern durch die Dunkelheit. Ich habe keine Ahnung was es ist und es ist doch eigentlich auch völlig egal. Mich erfasst das Gefühl, als wären die Diskussionen und Gedanken schon
alle einmal dagewesen. Es dreht sich immer um dasselbe. Alles mündet in allem, alles hängt zusammen. Von einem Punkt kommt man immer zu einem bestimmten anderen, wenn man diese Verbindung denn will. Wir finden aber für unser aktuelles Problem keine Lösung und sind beide ratlos.
Und das ist eben nicht egal.

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The Pixies – Where Is My Mind?



Och Elvis …

22 08 2007

Och Elvis, halt einfach s’ Maul. I’m lonesome tonight, das bin ich. My heart is auch filled with pain. Und die Hälfte von diesem verdammten Lied laberst du nur sentimentalen Quatsch an deine Zuhörer.
Naja, aber irgendwie hast du ja doch recht …
Goodnight lonesome night.



Boulevard of broken dreams … scheiss drauf!

22 08 2007

Da ist wohl heute ein scheiss Traum zerplatzt. Verziehe man mir – mein scheiss Traum.
Schade. Hätte ganz toll werden können. Hätte ein paar Sorgen ins Nirvana verabschiedet. Hätte Sicherheit bedeutet.
Teamspirit hätte ich versprüht, sei so super gewesen. Aber trotzdem können sie mich nicht nehmen. Nächstes Jahr nochmal, ich wäre hervorragend gewesen. Aber ein paar Fragesteellung bezüglich meiner Entscheidung soll ich überdenken. Vielleicht wäre es doch nicht das Richtige für mich.
“Nehmen sie es als Übung mit,” klingt es noch in meinen Ohren, während ein paar Wenige grinsend ihren Vertrag in den Händen halten und nebendran eine zarte Blonde rote Augen bekommt und sich die Tränen von den Wangen wischt.
“Sie können ja noch ein Jahr um die Welt reisen und es dann nochmal probieren.” Toller Trost. Was ich denke, spreche ich nicht aus.
Im ersten Moment war es bei mir ein Adrenalinstoß, dann ein bisschen Übelkeit.
Dann gar nichts, nur ein starrer Blick ins Nichts. Der formte sich zu Enttäuschung und diese mündet in Gleichgültigkeit und Anflügen von Wut.
Ich kann es ihnen nicht übel nehmen, wahrscheinlich hätte ich in ihrer Position genauso gehandelt. Jetzt lasse ich mich aber nicht mehr blenden.
Vielleicht ist es Fügung, vielleicht ist es auch ganz gut so. Nein, ich denke ist es ist auf jeden Fall richtig so.
Ich glaube fest daran.



Sag ja

20 08 2007

Sag ja zum Leben, sag ja zum Job, sag ja zur Karriere, sag ja zur Familie. Sag ja zu einem pervers großen Fernseher. Sag ja zu Waschmaschinen, Autos, CD-Playern und elektrischen Dosenöffnern. Sag ja zur Gesundheit, niedrigem Cholesterinspiegel und Zahnzusatzversicherung. Sag ja zur Bausparkasse, sag ja zur ersten Eigentumswohnung, sag ja zu den richtigen Freunden. Sag ja zur Freizeitkleidung mit passenden Koffern, sag ja zum dreiteiligen Anzug auf Ratenzahlung in hunderten von Scheiß-Stoffen. Sag ja zu Do-it-yourself und dazu, dass Du am Sonntagmorgen nicht mehr weißt, wer du bist. Sag ja dazu auf Deiner Couch zu hocken und Dir hirnlähmende Gameshows reinzuziehen, und Dich dabei mit scheiß Junk-Frass vollzustopfen. Sag ja dazu, am Schluss vor Dich hinzuverwesen, Dich in einer elenden Bruchbude vollzupissen und den missratenen Ego-Ratten von Kindern, die Du gezeugt hast, damit sie Dich ersetzen, nur noch peinlich zu sein. Sag ja zur
Zukunft, sag ja zum Leben. Aber warum sollte ich das machen? Ich habe zum ja sagen nein gesagt. Die Gründe? Es gibt keine Gründe. Wer braucht Gründe, wenn man Heroin hat?

Eröffnungsmonolog von Mark Renton (Ewan McGregor) in Trainspotting.

Ein beeindruckender Film getränkt von dunklem Humor – düster, selbstzerstörerisch und durchsetzt von dramatischen Momenten, die den Zuschauer zwischendurch aus seinem hämischen Lachen reissen. Der Film nimmt menschliche Abgründe einfach hin und stört sich nicht an ihnen, aber hinterlässt gerade deshalb einen bleibenden Eindruck.
An manchen Stellen weiss man nicht, ob man Lachen oder Weinen soll, aber es scheint so, als wüssten es die Figuren im Film genauso wenig. Der Film war für mich als einer der zehn besten britischen Filme (brit. Filminstitut) ein Muss und es hat sich gelohnt!



Die Welt steht still

19 08 2007

Einfach faszinierend, wie es manche Bands schaffen, selbst in ihren alten Liedern noch mein Leben zu zitieren – Joint-Stummel, und das Erbrochene mal außen vor.

Aber du kannst dich nicht immer verlassen auf morgen
Denn kriegst du Spinnenweben an den Beinen,
dann mach dir Sorgen
Wenn du Schweißausbrüche und Gänsehaut kriegst
sobald du nur einmal kurz aus dem Fenster raussiehst
Ich sag dir: Dann steht die Welt bald still für dich
Aber auf ewig und immer
Sie finden dich nach Monaten
vermodert und verwesen im Zimmer
aufm Bett zwischen Jointstummeln und Pizzaresten und Erbrochenem
Die Nachbarn, sie riefen die Bullen, es hatte so komisch gerochen

Sam Ragga Band Feat. Jan Delay – Die Welt steht still



Wir nennen es …

18 08 2007

Dunstfetzen, die über uns hinweg ziehen. Wir nennen sie Wolken.
Eine überfahrene Katze am Straßenrand. Wir nennen es Pech.
Vergiftete Erde, die wir hinterlassen. Wir nennen es Fortschritt.
Menschen, die wir betrügen. Wir nennen es Freundschaft.
Sich treffen und vor Kameras die Hände schütteln. Wir nennen es Politik.
Tote und Tränen. Wir nennen es Gerechtigkeit.
…. . Wir nennen es ….

to be continued
by you?



Freiheit und andere missverständliche Freuden

13 08 2007

Vielleicht gibt es keine Freiheit, sondern nur Freiheiten. Und davon nehmen wir uns soviel wie wir kriegen können.
Wolfgang Kohlhaase

Dass das Geniessen von Privilegien durch Freiheit immer auch Pflichten mit sich bringt, ist eine alte Erkenntnis. Manchmal macht man es sich aber zu einfach, wenn man die Freiheit, den Aufkleber des persönlichen Schlüssels zu den Wolken, alleinig einer bestimmten Sache aufdrückt.
Freiheit ist Doping, Freiheit ist Opium. Freiheit ist eine Versprechung, die man nicht so anderen versprechen kann, wie man sie sich selbst vorstellt.
Letztendlich können wir gar nichts. Das was wir können, wird uns zugestanden. Wir haben nicht die Freiheit unter Freiheiten zu wählen, wir müssen die Freiheiten annehmen, die uns gegeben sind. Wir sind unser eigener Gefangener der Vorstellung, wir wären unser eigener Gott. Alles andere ist Einbildung.

Ich warte noch immer darauf,
dass mir jemand erzählt, der Glaube sei nur ein Stein am Fuß, und ohne ihn könne man sich viel freier fühlen, weil man sich keinen Zwängen und Regeln unterordnen muss, welche die eigenen Gedanken einschränken.
Darüber habe ich mir auch schon Gedanken gemacht. Ich bin zu einem Schluss gekommen, der mich selbst zufrieden macht.
Ohne meinen Glauben würde ich nicht frei durch die Sphären der Erkenntnis und des freien Denkens schweben, nein – ich würde gefangen sein in einem kleinen schwarzen Käfig in einem Raum von Nichts, der alle Chancen auf Antworten und Schutz, jeden Funken Hoffnung in seiner undurchdringlichen Dunkelheit verschluckt. Still würde es sein in meinem Kopf, weil sich alle Gedanken und Ideen in ein paar Bücher und Zettel fassen lassen könnten, an die ich mich klammern könnte.
Ich hasse Käfige.



Ein Bestatter bloggt

12 08 2007

Ein neues Blog hat den Weg zu meinen absoluten Favoriten gefunden: Das Bestatter-Weblog!
Der Autor räumt nicht nur mit Vorurteilen und Klischees bezüglich dem Beruf des Bestatters auf, er porträtiert auch die wundersamsten kunden, schrägsten und kuriosesten Ereignisse in seinem Berufsalltag als Bestatter.