Klötzchen

29 10 2007

Heute habe ich ihn weggebracht. Er war ein treuer Freund über Jahre hinweg. Von wem ich rede? Es geht um mein “Klötzchen”, 19″ Phillips 109 S4. Irgendwann stirbt jeder Titan und er war nicht nur sprichwörtlich einer, sondern auch vom Gewicht, wie ich es so oft erfahren konnte, wenn ich ihn auf LAN-Parties schleppen musste. Zwar hatte er von Beginn an einen Schlag weg, hat immer komisch geklappert wenn man ihn bewegte, und das Bild war auch nicht immer erste Sahne, aber die Erfahrungen und Erlebnisse die ich mit ihm gemacht habe, schufen eine gewisse Verbundenheit. Ja, ja, ich weiß – man soll keine Beziehungen zu Sachen aufbauen, doch hinter seiner Glasscheibe tobte das wahre Leben. Das waren nicht nur Elektronen an der Lochmaske, es war etwas ganz besonderes. Was hab ich nicht alles daran erlebt?
Chatgespräche die mich lachen, doch auch solche die mich weinen ließen, erste Clanwars, nächtelanges Zocken mit Kumpels … Soviele Präsentationen
wurden auf seinem Antlitz zusammengewürfelt, soviele Layouts entworfen – meine ganze digitale Jugend fand auf ihm statt. Und nicht zuletzt auch tippte ich auch den ersten Blogeintrag meines Lebens mit gespannt auf ihn gerichteten Augen.
Der letzte Gang war ein schwerer, seelisch wie auf physisch. Zwischen zwei rostigen orangenen Containern in einen roten Gitterkasten neben einem kaputten Laminiergerät und zerbrochenen Lötplatinen stellte ich ihn auf dem Wertstoffhof ab. Er blieb da einfach so stehen, wie ein kleiner Hund, wenn man ihn anbindet und aussetzt, weil er denkt und darauf vertraut, dass das Herrchen sogleich wieder zurück kommt. Den kleinen “This is not a touchscreen”-Aufkleber fummele ich noch von ihm ab – als kleine Erinnerung – und schenke ihm dann ein paar letzte Blicke. Seufzen. Auf dem Weg zum Auto drehe ich mich nochmal mehrere Male um. Er ist immer noch da. Alles drumherum scheint total gleichgültig. Die Sperrholz-Presse nebenan brummt und zerquetscht krachend ihren Inhalt.
Es
tut mir Leid, mein Kleiner …

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Einfach gut?

24 10 2007

Nein, nur weil sie damals von Andy Warhol produziert worden sind, und als Ikonen oder so ein Schrott gelten, muss ich Velvet Undeground nicht gut finden. Mal rein musikalisch. In harten Worten: Ihr erstes legendäres Album, hört sich in meinen Ohren total langweilig an.
Nur weil alles Kunst ist und es Leute gibt, denen die Musik gefällt, muss man sie nicht gerne anhören.
Das ist ein guter Ansatz: Man darf Musik auch scheisse finden!



Abfluss

23 10 2007

Die Tage verrinnen mit jedem Atemzug. In einem großen Schwimmbecken plantsche ich dabei herum, die Sonne im Nacken, im Gesicht und auf dem Kopf. Das Wasser läuft in den Abguss und verschwindet in den Tiefen des Abwassersystems, während sich meine nassen Arme an einen Wasserball klammern. Aller Sonne zum Trotze ziehen schon dunkle Wolken am Horizont auf, Wolken die vor einiger Zeit noch weißen verträumten und bauschigen Schäfchenherden glichen, sich jetzt aber zu Ungetümen verwandelt haben – Cumulonimbus! Der aufkommende Wind, er lässt mich frieren und treibt die Wolken vor den hellen Kreis am Himmel. Leise säuselt er über das Wasser und rauscht dann bedrohlich durch die Bäume deren tausend Blätter um ihr Leben rascheln. Der Ball wippt auf und ab. Meine Blicke fixieren das Handtuch, an dessen Spitzen der Wind schon zerrt und auch die herumwirbelnden Blätter, wie auch das Gras, das nicht mehr hellgrün zu meinen Füßen liegt, sondern eklig
kalt in dunkelgrün unbeweglich den Boden bedeckt. Vielleicht muss man so oder so im Regen stehen – aber doch nicht darin untergehen?
Romantiker bezeichnen Regen als die Tränen des Himmels. Verträumte Neurotiker hingegen sehen in ihnen einfach Wasser, das die Wolken da oben nicht mehr brauchen.
Regnet es schon?

Quelle: www.noaa.gov



Runter von meiner Wolke

17 10 2007

Nur wer versteht, dass er nichts versteht und nichts weiß, der wird verstehen, dass er niemals wissen wird, weshalb er nichts verstehen kann.

Und jetzt weiß ich nicht mal mehr selbst, was das heißen soll …
Sprache scheint einfach unzureichend dafür, komplizierte Sachverhalte zu beschreiben. Wie wär’s denn dann mit Musik?
Hey hey, du du, geh runter von meiner Wolke! singen die allseits bekannten und beliebten Lokalgrößen, die Rollenden Steine.

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Willste haben?



Müde Augen blicken aus dem Fenster

13 10 2007

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Diskutieren von Fragen, deren Antworten nicht exisitieren,
Lesen von Visionen, die niemals können wahr werden,
Uns verlassen auf Menschen die wir verlieren,
Greifen nach Idealen, die sterben.

Jagen nach Zielen, die schon längst weiter sind,
Kämpfen für eine Zukunft, die es nicht geben kann,
Sparen von Zeit, die dir verrinnt,
Leben für eine Welt, die dich nicht brauchen kann,
denkst du,
weil du nicht weißt, wohin …

Blätter, die verwesen,
Farbe, die abblättert,
Stützen, die verrosten,
Äpfel, die verfaulen.

Und ich mittendrin.

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Wurstlüftung

11 10 2007

Besser wie jedes Überraschungsei. Ohne Klimaanlage im Auto ist das Fahren noch richtig interessant. Nach was stinkt es wohl heute aus der alten, schimmligen Lüftung? Meistens erinnert der Geruch an Speck oder so. Die Meisten kennen das von langen Busfahrten auf Reisen. Wenn da in einem etwas älteren Bus bei einer Fahrt durch das stickige und warme Italien zu später Nacht die Augen nicht zugehen wollen, dann liegt einem zumeist dieser Geruch in der Nase. Vonwegen frische kalte Luft, wenn man das Rad an der Amatur auf blau einstellt.
Zum Glück exisitiert da noch ein vorzüglich funktionierendes Schiebedach.
Weshalb schreibe ich hier gerade eigentlich so einen Scheiss?



Sowas kommt nie zu spät

6 10 2007


Free Burma!



Vakuum

6 10 2007

Mit der Zeit geht mir das langsam alles auf den Sack. Jede Woche ist im Endeffekt gleich, jeder Abend endet gleich. Jede Prüfung läuft im Endeffekt gleich ab, jede Party endet im gleichen Rausch, welcher Art er auch sein mag, jeder Film endet mit den gleichen Sätzen, jedes Lied hat den selben Rythmus; alles läuft auf die gleiche Trägheit hinaus. Da habe ich das Gefühl, ich würde in einem Vakuum leben, dass seine unüberwindbaren Grenzen in alle Richtungen auf allen Ebenen zieht. Versinkend im Sumpf, wühlend in meinem viel zu großen Musikarchiv reize ich mein Gehirn mit dem Maximum an Klangvielfalt, das die Welt zu bieten hat. Reizüberflutung des Gehörgangs, während sich fortschreitende Abstumpfung der eigenen Seele breit macht. Nichts ist gut genug. Durch den Bildschirm habe ich den informellen Zugang, mit meinen Augen und Ohren zu allen Teilen der Welt. Mich beschleicht das Gefühl, als gäbe es nichts mehr Neues zu erfahren an Wissen und
Impulsen, als gäbe es nichts mehr zu sehen, was ich noch nicht durchdacht habe.
Wie stehen jeden Tag an einem neuen Anfang – der Meinung war ich lange treu. Doch die Realität sieht anders aus: Sie ist eine Lüge.
Je älter man wird, desto weniger kommt man damit hinterher, in alten Bildern und Erinnerungen zu schwelgen, und jeden Tag das zu wiederholen, was man gestern eigentlich noch zum letzten mal tun wollte
Weil wir alles haben, denken wir nicht mehr nach und alles läuft nur noch zweckmäßig, einfach so wie es soll. Bahnen fahren ab, Autos fahren herum, Geld wechselt seinen Besitzer.
In Flames haben so recht mit ihrem Lied “Vacuum“:

The yesterday we loved speaks of tomorrow.
The burden of man is that time never takes a pause.
We live from Monday to Sunday but forget what it
means.
Then a ghost comes to visit and we tell stories from tabloids
Call all your friends watch fake photos from a made up vacation speaking in tongues about ancient artifacts …

Wie oft habe ich das Lied gehört und dabei abfällig über die beschriebenen Menschen gedacht, über diese oberflächlichen Trolle, die nichts besseres wissen, als ihr Leben abzuleben und war dabei so von mir selbst überzeugt, dass ich nicht gemerkt habe, wie in diesem Lied jemand beschrieben wird, den ich doch eigentlich sehr gut kennen sollte.
Nämlich ich selbst.