Kalender

28 01 2008

Mir sind gerade eben fast die Augen aus dem Kopf gefallen, als ich beim Durchschauen meines Kalenders entdeckt habe, dass bei den Geburtstagen fast aller meiner Eintragungen nur noch Zahlen mit Zweien am Anfang stehen. Zwanzig, Zweiundzwanzig, Dreiundzwanzig.
Nicht, dass ich das nicht gewusst hätte, aber noch vor so kurzer Zeit standen da Zahlen wie 16, 17 und 18.
Wo ist die ganze Zeit hin?



Herbst im Frühling

27 01 2008

Am Dienstag ist Beerdigung. Wieder einer von Bord. Und wir sind noch da.
Die Jugend verwelkt wie eine Blumenwiese im Herbst, das Gras wird braun, doch es fällt kein Schnee. Was man sonst nur in Büchern liest oder in Filmen sieht, wird Realität. Menschen verschwinden, Menschen scheitern, Menschen sterben. Und es sind nicht mehr nur die Großeltern und Urgroßeltern, in deren Trauerzug man sich einreihen muss, denen man die letzte Ruhe verschaffen muss – es sind wir, die Jungen, deren Herbst noch lange nicht anzubrechen hat. Nein, wir sterben in unserem Frühling.
Irgendwann muss man erkennen, dass davon auch wir davon betroffen sind, dass es keine Phantasien und Geschichten sind, keine Fernsehsendungen, von denen man einfach zum nächsten Sender zappen kann.
Zerfall, Verfall … Die heile Welt ist tot. Hat sie je gelebt? Sie war schon immer tot, bloß will man das nicht wahrhaben.
Wer weiß wie es passiert ist. Der eine oder andere beginnt
eines Tages nachzudenken, und so mancher davon wird merken, dass sich eigentlich nichts ändern würde, wenn er verschwindet; das alles weiter seine Gang gehen würde, auch ohne dich selbst, dass man nichts verändert hat, niemand sich durch dich gestört fühlt und du aber auch in keinem Herzen eine Heimat gefunden hast. Existierst du dann überhaupt noch? Bist du je dagewesen, wenn sich ohne dich auch nichts ändern würde? – wirst du dich dann fragen.
“Für die Welt bist du irgendjemand, aber für irgendjemand bist du die Welt.”, sagte Erich Fried.
Auch wenn wir dich verbuddeln und der Grabstein in ein paar Jahren von Moss bedeckt sein sollte, in vielen Herzen hast du Anerkennung gefunden.



Suppe

19 01 2008

Wenn man in den Kochtöpfen von anderen rührt, dann kann trotz des Vertrauens in das eigene Wissen über Rezept und Zutaten ganz schnell die Suppe anbrennen, weil man nämlich oft keine Ahnung davon hat, wie stark der eigentliche Koch den Herd überhaupt aufgedreht hat.



Tatü Tata … Tata

16 01 2008

Wenn man zur richtigen Zeit mal politisch wird, dann sollte das erlaubt sein. Dabei ist es auch wichtig sich mal darüber zu informieren, wie es denn auf der Straße wirklich aussieht. Mir geht es nämlich heute um die bewundernswerte Arbeit unserer Polizei.
Nette Polizisten habe ich schon oft kennengelernt. Junge Beamte vorrangig, die bei Ausweiskontrollen den Rauchern sogar mal Feuer geben, “Aufpasser” mit denen man auch mal einen kleinen Small-Talk halten kann. Dagegen ist nichts einzuwenden, dass ist sogar zu loben: Die Regulatoren der öffentlichen Ordnung in Einigkeit mit ihren Schützlingen – wunderbare Sache, sichere Öffentlichkeit, wenig Kriminalität. Doch manchmal muss man sich echt wundern. VIelleicht ist die Gegend, in der ich wohne, einfach zu verwöhnt, oder leidet unter panischen Angstzuständen.
Bei einer Ruhestörung um 5 Minuten nach
12 durch eine Feier im Jugendhaus werden zur Auflösung und Beendigung der Veranstaltung mehrere Polizeiwagen und Busse inklusive Hunde angefordert. Unbemerktes Patrouillieren um das Objekt, mit Blick auf die Uhr, und dann um Punkt 12 – zugeschlagen!
Seit neuestem werden bei der Fahndung nach einem 14-jährigen Zigarettendieb auch mehrere Einsatzwagen und Hubschrauber(!) eingesetzt. In einer Kleinstadt. Für einen Zigarettendieb. Alleine schon den Schlüssel im Helikopter mit Besatzung umzudrehen, kostet doch mehr als eine ganze Stange Kippen.
Würde mal gerne wissen was passiert, wenn man auf dem Rathausplatz eine unangemeldete Demonstation durchführt. Dann rückt sicher die Bundeswehr an. Schade nur, dass sie das verfassungsrechtlich gesehen nicht darf.

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Also wenn …

15 01 2008

Also wenn Quentin Tarantino eines nicht ist, dann ja wohl Mainstream-Kino.

Daraus schließe ich, dass Mainstream-Kinogänger kein Recht dazu besitzen, seine Filme schlecht zu machen.



In the jungle the lion sleeps tonight …

12 01 2008

Etwas muss an der Sache doch dran sein. Alle, die ihr Schülerleben schon hinter sich gelassen haben, seien es Freunde, Verwandte oder Lehrer, predigen einem sehr glaubwürdig, dass wir als Schüler doch noch glücklich sein können. Verklärt man die Vergangenheit nicht fast durchgängig für unerreichbar, für die gute alte Zeit? Oder ist da in diesem Fall etwas anderes dran?
Eigentlich kann man die Schule als einen dichten Dschungel bezeichnen, einen wilden gefährlichen Raum voller Lianen über die man stolpern und Sträucher in die man hineinfallen kann. Die wilden Raubtiere klassifiziere ich mal lieber nicht, aber unter denen kann sich jeder vorstellen, wen er will. Mit unserer Hand umklammern wir fest ein lange Machete, ein Werkzeug welches uns dabei hilft, uns durch den Schulalltag zu schlagen, den Schweiss auf der Stirn, im Morast watend. Die Luft ist feucht, wirkt einschläfernd und nur die hellen Strahlen die hier und da durch das dichte
Blätterwerk der Baumkronen fällt und die verkratzte Klinge der Machete glänzen lässt, schenken einem die Zuversicht, dass am anderen Ende des Tunnels, hinter dem letzten Baum, eine weite, in Sonnenlicht getauchte Wiese auf uns wartet. Schritt für Schritt geht es vorwärts und einige müssen auch mal Rast machen und sinken geschwächt und resigniert auf einen Baumstumpf und wieder andere, die bleiben im undurchsichtigen Dickicht zurück.
Irgendwann dann, reissen wir den letzten Ast aus unserem Gesicht und stolpern in die Freiheit, die einen in eine Steppe, die am Horizont keine Ziele birgt, andere ins nächste Abenteuer. Nun brennt die Sonne mit ihrer vollen Kraft auf den Kopf, denn jetzt ist da kein schattenspendender Wald mehr, der uns vor der ungehemmten Einstrahlung aus dem Himmel schützt.
Und da wird mir bewusst, dass man bei aller Verbitterung und allen Gedanken, die sich schon Jahre voraus in der Zukunft ihr Plätzchen suchten, das eigene Blickfeld durch diese Anstrengungen so eingeent war,
dass sie die Sicht auf das Schönste versperrt hatte: die farbenfrohen und exotischen Pflanzen, die frischen Früchte an den hohen Ästen, die grüne und unberührte Natur – auf das Leben.
Wir werden sehen …



In Gedenken

6 01 2008

Auch wenn einige behaupten, wir Menschen würde die Vergangenheit verehren, weil wir ein perverses Verhältnis zu ihr haben – das Graben in alten Fotografien von Vorfahren, seien es solche die man noch gekannt hat, oder solche, die man nie getroffen hat, das ist etwas Besonderes.
Fotografien von den Brüdern meiner Großmutter. Einer gesunken mit der Scharnhorst, einer gefallen bei Warschau durch einen Kopfschuss. Dafür gab es ein Verwundetenabzeichen. Ein Stück lackiertes Metall. Was wollen Tote mit Abzeichen, wenn wir sie selbst vergessen? Beide damals erst um die 20. Gesichter deren Züge man kennt, Verwandte, die einem selbst ähnlich aussahen, in denen man sich selbst zu sehen vermag, auch wenn sie ihre letzten Gedanken dachten, ihre letzten Atmezüge taten, als wir noch lange nicht begonnen haben zu existieren. Gefallen, so wie viele andere auch, auf allen
Seiten, ob für eine gute Sache oder nicht, spielt für die einzelnen Schicksale in diesem Moment keine Rolle.
Im nächsten Stapel sind Bilder zu finden, die einen der beiden auf einem Landweg mit Freunden zeigen, lachend in stattlichen Anzügen, wenige Wochen vor dem Gang in den Krieg, in fröhlicher Pose mit der Mandoline in der Hand. Fotos im Garten, Portaits in Uniform in Hochglanz – das einzige was bleibt, was den Müttern damals blieb.
“Wollte dich fragen, ob du meine Mandoline haben willst”, steht in einer Karte an meine Großmutter. Vielleicht wollte man sie ihm wegnehmen, vielleicht wollte er sie retten, falls ihm was passieren sollte – vielleicht wieder damit spielen, wenn er wieder zu Freunden und Familie zurückgekehrt wäre. Vielleicht, vielleicht, vielleicht …
Briefe von Freunden, die mit 18 Jahren im März 45 an die Front gingen, und ebendies in den letzten, in den Hinterlassenschaften auffindbaren Briefen in Eile, mit Bleistift und zittriger Schrift berichteten.
Niemand weiß
genau, was sie dachten und wer sie waren, und die die es noch wussten, die sind auch schon fort. Von Asche zu Asche, von Staub zu Staub. Was übrig bleibt sind die vergilbten Postkarten und bleiche Fotografien. Man kennt diese Schicksale, man kennt sie aus dem Fernsehen, aus dem Geschichtsunterricht, aus Büchern, doch hier hält man ihre Briefe, ihre Worte, ihre Sätze in der Hand … ihre Gedanken. Das ist etwas anderes. Das sind die eigenen Wurzeln, für die man sich heute meist nicht mehr zu interessieren vermag.
Wo wäre ich gestanden zu dieser Zeit, was hätte ich gedacht, was hätten wir gedacht?
Vielleicht sind uns diese alten Fotos eine Lehre und möglicherweise schauen diese Menschen auf uns herunter und wünschen uns nicht nur, dass es uns besser ergeht, sondern dass wir alle Kriege und jeden Hass, der solches auszulösen vermag, zu verhindern wissen mögen …



Dein eigener Feind

5 01 2008

Leben ist ein Kampf gegen sich selbst.
Ein Kampf gegen das eigene Verlangen.
Ein Kampf gegen den eigenen Hass.
Ein Kampf gegen die eigenen Vorurteile.
Ein Kampf gegen die eigene Faulheit.
Ein Kampf mit den eigenen Gedanken.
Ein Kampf mit deinem Kopf.
Ein Kampf mit dir selbst.

Eine Feindschaft die den Willen zu überleben aufrecht erhält.

Ach übrigens, ganz anders Thema: Wie oft habe ich nicht kritisiert, dass die Fast-Food-Industrie uns mit den leckeren Werbefotos ihrer Produkte verarscht?