Schönes Leben noch

28 05 2008

“So, da Sport nächsten Mittwoch ausfällt, bleibt mir nur noch euch ein schönes weiteres Leben zu wünschen. Aber baut bitte noch die Tore ab.”



Urlaubserkenntnisse

24 05 2008

Das Einzige was Menschen untereinander verbindet, das sind weder Namen und Nationen, noch Symbole oder Religionen, sondern es ist die Barmherzigkeit, dem anderen zu geben.

Zu dieser bitteren Erkenntnis kommt man gezwungenermaßen, wenn man eine Woche in einem sich im Aufbau befindenden Party-Mekka an der Schwarzmeerküste zwischen ‘Steak house’, ‘cheap pizza’, ‘barbeque’ und ‘here happy hour now!’-Schildern die Sterne am Himmel vor lauter Leuchtreklame nicht mehr erkennen kann. Der Strand war nachts so gut wie Sperrzone und sich auf die Strandliegen zu legen war der größte anzunehmende Sündenfall, denn schließlich muss man für diese tagsüber 7 Leva pro Stück berappen. Die Schuhe, Kleider und Uhren an den selbst zusammengezimmerten Ständchen waren auf Nachfrage natürlich “original” und der Wodka an der All-Inklusive-Bar im ‘young and fun’-Hotel natürlich nicht gestreckt.
Dem absurdesten
Gefühl jedoch, dem unterlag nicht nur ich allein, als es eines Mittags zum Paintball-Match außerhalb des Hotels ging. “Gotcha” oder wie man es sonst nennen mag – dieses Spiel eben, wo man sich mit Farbkugeln abknallt. Nachdem uns ein klappriger Bus über eine Landstraße vorbei an einer verfallenen Fabrik zur Location gekarrt hatte, deren Beschaffenheit so schlecht war, dass man nicht schneller wie 40 fahren konnte, staunten wir nicht schlecht, als der Veranstalter uns hinter einem heruntergekommenen Dorf auslud um uns seine selbstgebaute Spielfläche zu präsentierten: Eine am Hang liegende Wiese, bestückt mit selbst gebauten Deckungen aus Sperrholz, Autoreifen und Steinen. Schutzanzug – Fehlanzeige. Nur ein dünnes Ganzkörperkondom zum Schutz vor Farbe und alte Skimasken mussten reichen.
Was mich aber so nachdenklich gestimmt hatte, war nicht die Tatsache, dass die Anzüge wahrscheinlich noch nie gewaschen worden waren, was ihr Schweissgeruch zu verraten schien, sondern es waren die Kinder des
Dorfes die auf einem Dreckhügel nebenan warteten um während den Feuerpausen die nicht zerplatzten Farbkugeln aufzusammeln. Da bekamen einige von uns dieses Scheissgefühl. Und damit meine ich diese Ahnung, was man mit seinem hier erlebten Spaß eigentlich unterstützt und wen man in den Augen der Einheimischen darstellt.
Wir reiche Ur-Europäer reisen in ein von der Sowjetunion ausgebeutetes Land, wo die meisten Menschen nicht einmal ihre Häuser anstreichen können, mit Autos aus den 60ern herumgurken und von dem guten Willen der westlichen Urlauber abhängig sind. Und was machen wir? Wir spielen Krieg. Darf man da ein schlechtes Gewissen haben?
Um dem ganzen einen versöhnlichen Abschluss zu geben: A. wurde dermaßen zusammengeschossen, dass er seine morgendlich getankten Getränke hinter einem Haufen Reifen wieder verlor, B. beschoss andauernd seine eigenen Teamkameraden und lachte dabei teuflisch und Y. schoss N. fast ein Auge aus, der mir widerrum einige blaue Flecken auf dem Rücken beschert
hatte.
Einige farbige Zeugnisse dieser Gaudi folgen in den nächsten Tagen.



Not Dead

21 05 2008

Nein, dieses Blog lebt noch! ich bin grad nur im übelsten Party-Stress.



Maschinerie

8 05 2008

Wir Individuen sind nicht die wehrlosen Zahnräder einer großen, sauber geölten und unbarmherzigen Dampfmaschine die unsere Welt antreibt, wie das immer so raffiniert formuliert wird. Im Gegenteil: Wir sind kleine und gierige Kartoffelkäfer in Terrarien aus Beton und Stahl, die aus Eigenutz in grauer Vorzeit mal darüber einkamen, dass man Regeln schaffen müsste, die jedem sicherstellen nicht dem anderen in die Quere zu kommen. Diese Regeln entstanden aber, wenn man es im Nachhinein betrachtet, nicht aus Menschenliebe, sondern nur aus Vernunft, denn schließlich verkleinert so jedermann das Risiko, einmal vom Stärkeren gefressen zu werden. Und einen Stärkeren gibt es immer. Wenn aber eine einzelne Person in einer Gesellschaft auch ohne das Einhalten der Spielregeln überleben kann, wieso sollte sie sich dann um die Aufstellung und Einhaltung dieser Regeln scheren?
In der Folge vergessen immer mehr Menschen, dass all das was sie in Besitz nahmen
nicht ihnen gehört, noch nie ihnen gehörte und auch nie ihnen gehören wird, weil es ein Geschenk ist. Nach menschlichen Maßstäben – und nach was anderem als diesen Maßstäben können Menschen nicht urteilen – sind Dinge die man nicht als Gegenleistung für eine eigene Leisung bekommen hat, ein Geschenk. Selbst der härteste Nihilist, kühlste Pragmatiker und der rationalste Atheist kann nicht von sich behaupten, die Natur, das Leben, die Schöpfung selbst erschaffen zu haben. Alles war schon da, dann kamen wir. Ob es jemand erschaffen hat, das ist an dieser Stelle irrelevant. Es existiert ohne unser Zutun, und dann sogar noch viel besser. Die Sonne geht auch ohne unsere Atomkraftwerke auf, Pflanzen wachsen auch ohne unseren Dünger und Tiere überleben auch ohne Gehege im Zoo.
So leben wir jeden Tag stolz unser forciertes Leben, dass wir selbst geregelt haben – ein Leben das wir gar nicht sterben können, weil man einerseits Heerscharen von Feuerwehrleuten und Psycholgen einsetzt um einen Selbstmord
zu verhindern, sich andererseits aber keinen Fetz um den Obdachlosen schert, der im Winter an der Bushaltestelle erfriert. Einfach nur fehlende Konsequenz oder kalte Berechnung und bloße Nebenwirkung des menschlichen Systems?
Wer ist wir? Darunter fallen alle, die ein Leben in Wohlstand und Sorglosigkeit leben.
Solch ein Leben darf nicht mit gutem Gewissen gelebt werden, solange es noch Menschen gibt, die an diesem Wohlstand nicht teilhaben können, denn manche meinen, es gehöre zum natürlichen Gleichgewicht unseres Planten, dass es immer eine Anzahl von Menschen und Lebewesen geben muss, denen es automatisch beschissen geht. Die Nahrungskette muss aufrecht erhalten werden, sonst haben die Asgeier nichts zu fressen.
Wir leben unser schönes Leben auf Kosten derer aus, denen es schlecht geht. Wir trampeln durch ihr Blumenbeet, klauen ihre Früchte für ein müdes Lächeln und hinterlassen ein Schlachtfeld.
Wir halten den saftigen roten Apfel in der Hand und schauen uns hilfsbereit um,
ob jemand hungrig schreit, der auch etwas davon abhaben will. In diesem Fall würden wir natürlich auch ganz großzügig teilen. Doch auf die Idee, dass diese Leidenden nicht einmal mehr schreien können, darauf kommen wir nicht. Wenn wir Menschen mit einem Arsch in der Hose wären, dann würden wir solange mit dem Apfeln bei den Armen hausieren gehen, bis wir ihn selbst essen müssen, bevor er verfault.
Ich warte nur auf den Tag, wenn Regeln nur noch auf dem Papier existieren werden.



Der Hausmeister

7 05 2008

Sie klopfen
an die Türe,
stehen draußen,
die Arme voller Speis’ und Trank,
vor dem ausgebrannten Haus,
dessen Hausmeister – ein böser Kerl,
mit seinem mächtigen Schlüsselbund
alles verriegelt und verrammelt hat.

Und die Bewohner,
zwischen blankem Beton und Asche,
verrecken im Dreck, an der Asche erstickend, im Dunklen ohne Dach,
weil der Hausmeister – der böse Kerl – seinen Schlüsselbund nicht leihen will,
weil Macht so schön in den Ohren klimpert.
#

(Sinnloser mussten Menschen noch nie sterben. Und wenn Menschen so sinnlos sterben, dann zeugt jeder Reim von einer Harmonie, welche die Situation nicht verdient hat.)



Hello Mr. Terrorist

5 05 2008

Eine gute Seite hat Extremismus: Man kann sich in der Diskussion nicht in den Argumenten der Gegenseite verstricken, weil man ihnen nämlich überhaupt kein Gehört schenkt.