Sonne

28 11 2008

Mit Gott in schlechten Zeiten ist es wie mit der Sonne bei schlechtem Wetter: Der Himmel kann noch so verregnet und bewölkt sein – sie ist trotzdem da, auch wenn wir sie dann nicht scheinen sehen können.



Zerreisst eure Ketten!

16 11 2008

Dass in unserer Welt die Schwachen keinen Platz haben, ist leicht zu behaupten, wenn man zu den Starken gehört.

oder auch:

Wenn man jeden machen lässt wie er will, macht jeder für sich.

So ist es auch ein Leichtes, wenn man zu den Starken gehört zu behaupten, es sei nachhaltiger, den ohnehin vor Geld triefenden Schichten unsere Welt weiterhin Geld zu geben, da sich der Reichtum von Geistes Hand alleine verteilen wird. Würde das nicht voraussetzen, dass jeder Mensch eine gute Seele sei? Verurteilt man in dieser Hinsicht nicht jegliche Ideologie, die auf die Eigenverantwortung des Menschen für seine Mitmenschen baut?

Was sehe ich wenn ich nach draußen schaue? Die Starken prassen leichtsinnig mit ihrem Reichtum und entwickeln dabei immer wieder neue Theorien, die ihr schweinisches Verhalten legitimieren. “Es diene der Wirtschaft, es diene der Belegschaft (die im
nächsten Monat entlassen wird), es diene der Nachhaltigkeit und dem Unternehmen …” In Wahrheit dient es nur ihrer eigenen prall gefüllten Geldbörse – der Mensch, ein Jäger und Sammler – von Geld! Solange man noch Gewinn macht, darf man die Starken für das Ausbeuten auch extra belohnen. Mit Boni. Mit Auslandsreisen. Mit Kreuzfahrten. Mit GELD!

Sklaverei ist heute nicht mehr das, was sie früher war. Heutzutage wird nicht offensichtlich versklavt. Keiner kriecht an einer Kette durch die Straßen. Heute sitzen die Herren in den Chefetagen großer Finanzunternehmen, weit über dem Elend unter ihnen. Sie haben keine Skrupel und ihre Moralvorstellungen decken sich in keinster Weise mit denen, denen sie vorgeben zu folgen.
Hauptsache, die Kohle stimmt.

Wer bei uns in der reichen Zivlisation nicht stark genug war um genügend Scheine anzuhäufen, der wird in Ketten gelegt – Mit hinterhältigen Krediten und Lockangeboten, welche die Konsumenten ins Übel stürzen.
Die Sklaverei ist noch
nicht vorbei. Wir können sie nur nicht mehr sehen.

Can we keep hoping, no one knows for sure
Blamelessly renouncing, guilt has no bearing
I must believe that there is a better way.
Beholder of justice
Who have you abandoned
Beholder of justice
Why have you forgotten us

Why, why have you forgotten us
Why, why must the innocent die

Hatebreed – Beholder Of Justice



Überlegenheit

12 11 2008

Es gibt keine Kultur, die einer anderen überlegen ist – es gibt nur überlegene Boshaftigkeit gegenüber anderen Völkern und Menschen.



Gleis 16

9 11 2008

Auf eine bestimmte Weise läuft es mir kalt den Rücken herunter, als der kleine dicke Mann im blauen Anorack mit dem schwarz glänzenden Schnurrbart am Bahnsteig auf der Bank neben mir seine Sebstgespräche unterbricht, um in seinen Schokoriegel zu beissen, und sich dabei so abartig grinsend und fröhlich dabei die Hände reibt, als hätte er vor, den Todfeind seines Lebens zu verschlingen. Er isst ihn, den kleinen Riegel, und es sieht ulkig aus, denn bei seiner Körpergröße wirkt der Riegel einfach unterdimensioniert. Dann spricht er weiter – zusammenhangslos – für mich.

Als er vorhin vor dem Snackautomaten stand und sich schwerfällig an ihm abstützte, starrte er mit einem angestrengten Gesichtsausdruck und zusammengekniffenen Augen auf die Auslage hinter der Glasscheibe, ganz eingenommen von diesem leblosen Automaten. Und er murmelte. Ich verstand es nicht, aber ich bin mir sicher er sprach da zu dem, den er neben sich
sah, bot ihm vielleicht an, ihm eine Tüte Bonbons zu spendieren, doch er bekam keine Antwort, denn neben ihm, da stand niemand.

Jetzt sitzt er immer noch erwartungsvoll die Hände reibend da und unterhält sich also mit jemandem, der gar nicht da ist. Mit sich selbst? Ist er selbst überhaupt noch existent in unserer Welt, oder hat er sich schon längst in seine eigene Welt geflüchtet?
Die wichtigere Frage ist aber eigentlich: Ist er für uns noch da?

Müsste er noch mit sich selbst sprechen, wenn er einen Gesprächspartner hätte? Wir suchen fieberhaft nach den Gründen und doch ist es uns egal.
Wer oder was macht Menschen zu Schatten ihrer selbst? Die Antwort ist einfach: es ist die Einsamkeit, die für die geselligen und behüteten Seelen schwer nachzuvollziehen ist. Die einen auffrisst, einsperrt in einem selbst, uns schwerfällig macht, und uns auch an den
kleinsten Halmen, dem kleinsten Schokoriegel festklammern lässt. Der Mann sitzt unter Menschen und doch ist er allein. Ich sitze eben ihm auf der Bank und doch bin ich nicht da.

Wir vergessen schnell, dass wir für den selbstgesprächigen Irren neben uns und die alte Frau mit dem Gehwagen ebenso verantwortlich sind, wie für uns selbst, und die, die wir besonders lieben, aber ganz besonders für die, die wir hassen.

Ich habe es nicht geschafft mit ihm zu sprechen. Warum? Vielleicht aus Angst. Aus welcher Angst? Aus der Angst, die aus dem resultiert, was unser Bild von solchen Menschen unser Leben lang geprägt hat. In solchen Menschen sitze das Böse – und selbst wenn man diesem mystischen Gedanken keinen Glauben schenkt, weil man sich für einen aufgeklärten und vernünftigen menschenfreund hält – machen es uns nicht Film und Fernsehen, Literatur und Gesellschaft immer wieder
vor, wie man “Irren” wiklich zu begegnen hat?

In uns lebt ein Bild von verrückten Kranken in der Gummizelle, gefesselt und fixiert um nicht sich selbst oder andere zu verletzen; nicht mehr oder nie dazu fähig gewesen in unserer Gesellschaft zu leben.

Doch weshalb sind sie so geworden? Weil wir es ihnen nicht einfach gemacht haben, sich dort zurecht zu finden. Weil wir sie in Kinderheime gesteckt haben, weil wir ihnen keine Aufmerksamkeit schenken, weil wir sie mit einem Euro für das Spielen der Quetschkommode abspeisen und weil wir meinen, mit uns selbst genug zu tun zu haben.
Ignoranz, Fremdschämen, Angst, Verrückheit. Das verbinden wir mit ihnen.

Doch was und wer ist wirklich verrückt?
Wir verstehen unter verrückt sein die Andersartigekit vom Rest der vorhandenen Arten von Existenzen. Wenn jeder mit sich selbst sprechen würde, wäre
dann der selbstgesprächige Irre noch verrückt?

Er sitzt jetzt im selben Zug wie ich, vielleicht, irgendwo. Und er wird mit sich selbst sprechen, bis jemand mit ihm spricht.

Oder solange, bis er nicht mehr sprechen kann.



Blickwinkel

3 11 2008

Die Reichen nennen es Umverteilung – für die Armen ist es gesellschaftliche Verantwortung.