Momente

25 05 2009

Da saß der Bursche nun allein auf dem grünen Hügel, nebst den leuchtenden Narzissen und sprach zum Himmel:
“Hallo Sonne, die du da über mir hinwegziehst und mich schelmisch angrinst. Und ihr Vögel da, die ihr mich mit eurem Geplapper verhöhnt. Gegrüßt seist du, du unbarmherzige Existenz. Zu wessen Belustigung quälst du mich? Stiehlst mir die Zeit mit großen Säcken, erbeutest meine Tage im Nu, peinigst meine Träume mit all deiner Macht. Momente wie Jahre, Jahre wie Momente. Sitzt in meinem Kopf und ziehst an den Fäden, kontrollierst das Gift, dass mich zu Schlafe bringt und mich aus ihm reisst. Machst Sekunden wie Monate ungeschehen und wirfst mich durch Raum und Zeit. Machtest mich zum Idealisten, zum Romantiker, zum Träumer, aber haben die doch alle gemein, entweder bei Schlachten in der ersten Reihe zu sterben, vom Schicksal verhöhnt oder in Gedanken vom Sturm überrascht zu werden.”
So er diese Worte gesprochen hatte, lärmten
die Wolken und ergossen ihre Scham über sein Haupt.