Wiedersehen, oder auch: Das Gegenteil vom Abschied

25 07 2006

Die Blumen riechen säuerlich und nicht so süß, wie man es von ihnen erwartet, doch in diesen Augenblicken ist dieser Geruch das Schönste auf der Welt.
Er blickt aus dem Fenster und sieht die Bäume und Felder vorbeiziehen, immer langsamer. Gebäude erscheinen. Bekannte Gebäude, Schilder, Straßen, bekannte Geräusche klingen durch das Abteil.
Sein Blut rauscht in den Ohren und sein Atem wird unregelmäßig. Er nestelt nervös mit den Fingern an den Blumenstengeln.
Plötzlich wird das Zugabteil wie ein Gefängis und stürzt auf ihn ein. Der Sitz scheint ihn so kurz vor dem Ziel festhalten zu wollen.
Laut quietschen die Räder, es rumpelt und ächzt, während seine Zunge immer schneller über die Lippen fährt.
Stillstand.

In seinem Leben gab es wohl kaum einen so kurzen Moment wie das Öffnen der Wagontüren, der ihm so ekelhaft lang erschien.
Die Türen sind geöffnet und ein lauer abendlicher Sommerwind kitzelt ihn an der
Nase.
Benommen springt er aus dem Wagon auf den Bahnsteig. Fester Boden, Orientierung?
Hastig und panisch schnellen seine Augen über die Gesichter der vorbeidrängenden Menschen. Wo? Wo nur? Torkelnd irrt er im Kreis umher. Nichts.
Erschöpft lehnt er sich gegen den Pfosten auf dem ein Schild mit dem Namen des Bahnhofs montiert ist.

Der Zug setzt sich wieder in Bewegung und nachdem der ohrenbetäubende Lärm in der Ferne verschwindet, blickt er traurig zu Boden. Falsche Freude war es und Enttäuschung die einzig logische Folge.

Wie einen Knüppel trifft es ihn als er wieder aufblickt. Ein lähmendes, unbeschreiblich schönes Gefühl der Euphorie macht sich in seinem Körper breit.
Am Ende des Bahnsteiges, so ganz verlassen neben dem schon geschlossenen Kiosk, erblickt er wunderschöne blaue Augen, aus welchen dicke Tränen kullern.

Er stolpert los und lässt seine Tasche fallen. Er beginnt zu rennen, wie sie. Er hört ein Schluchzen doch bemerkt das es nicht ihres ist,
sondern sein eigenes. Die warmen Freudentränen rinnen über seine Wangen und tropfen von seinem Bart. Ein Bart der Sehnsucht und der Schmerzen, durch welchen er so oft mit zittrigen Fingern in Stunden der Einsamkeit gestrichen hatte.

Als sie sich endlich um den Hals fallen, brechen sie Arm in Arm zusammen und beginnen hemmungslos zu weinen.
Ein befreiendes Gefühl durchströmt die beiden und macht sofort wieder lebendig, was auch Jahre und Monate nicht ganz haben töten können.

Liebe.


Ich würde gerne ...

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