2006: Die Abrechnung

22 12 2006

Sommeralptraum.
Nicht wegen dem Fußball, es war das persönliche Auf und Ab. Das Hin und Her, hoch, tief, fröhlich, traurig, verkotzt, geil, beschissen.

Leere Straßen, zirpende Grillen und die Menschen sitzen vor ihren Sony, Sharp und Samsung Fernsehern und aus den offenen Balkontüren hört man leise das typische Pfeifen und Rauschen der Fußballstadien.
Ein Sommer ausgeschlachtet bis auf den letzten Tropfen Blut, um noch davon im tristen Herbst und Winter zu zehren – lächerlich.
Diese Kackeuphorie hat noch jeden letzten verklemmten Geizer zum spendierfreudigen Partyhengst verwandelt; und jedes Scheissprodukt mit WM-Special in der Packung in einen Verkaufsschlager. In den Müll damit!
Einmal bitte in die Kamera gröhlen. Vierundfüffsig, virusissig, neusig, swaidausend … oh, ist etwa die schwarz-rot-geil Schminke verschmiert? Du bist hässlich, mit dem falschen Grinsen auf deiner Visage erst recht!
Bitte nicht in die
Blumekübel kotzen, das tut meinen Radieschen und der Kresse nicht gut.
Komm, hoch mit dem T-Shirt, auch wenn’s im Fernsehen ist, wir haben doch WM, da darf man so was.

Alles platzt aus den Nähten. Es ist doch nur mental besser geworden, in unseren Köpfen.
Es sind noch immer die selben Probleme. Egoistische Menschen, die sich vor den beknackten Nazis fürchten, sich über ihre pluralistische Gesellschaft beschweren in der sie freiwillig leben und bei Krieg und Leid einfach wegsehen.

Aber Hauptsache WM, hauptsache schön gesoffen und den freundlichen, feucht-fröhlichen Kumpel rausgehangen.
Hauptsache einen viel zu lichtschwachen Beamer aufgestellt. Public Viewing, wunderbar!
Nur scheisse wenn dann jemand austickt und mit seinem Kleinwagen in die Menge reinrast.
Achtung, Amok! Nein, mein Kind bleibt zu Hause, es könnte ihm ja was passieren. Sollen lieber die anderen Kinder sterben, bloß nicht meins.
Überhaupt hat sich das Meiste in der zweiten Jahreshälfte abgespielt.
Dem Sommerloch folgt der Gipfel der Peinlichkeiten.
Alles Trug und alles Schein, betrinkt euch mit Euphorie und Lüge, den Durchfall davon dürft ihr dann selber auslöffeln!

Am Schlimmsten sind jedoch die Massen, die das Individuum raushängen. “Ich bin anders!” und du musst genauso so anders sein, sonst bist du ausgeschlossen. “Du bist nicht true, du bist Möchtegern!” Mit T-Shirts rumrennen die Kreativität und Verständnis für das Suggerieren was falsch läuft, aber eigentlich haben sie’s nur an, weil es verdammt cool aussieht.
Nicht so übertrieben cool, so aufgetragen, eher smooth und groovy im Hinterkopf nach dem Motto: “Hey, ich habs verstanden, ich hab es so drauf man!”

Bei mir selbst? Viel passiert und nichts geblieben. Schade …
Nächstes Jahr wird jemand etwas anderes finden, was er für sich ausnehmen kann, wie ein moldawischer Leiharbeiter das Gammelfleisch für einen Hungerlohn zusammenmantschen muss.
Aber der kann nichts dafür, eher sein Chef, der mit der Kohle
die er ihm vom Teller klaut nach Feierabend um 16:30 Uhr für seinen Sohn einen iPod nano kaufen geht.
Für die Teenietochter gibt es eine BRAVO, mit der sind wir ja alle groß geworden.
Sogar ich.


Ich würde gerne ...

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6 Antworten to “2006: Die Abrechnung”

22 12 2006
DIbenzoylperoxid (15:22:04) :

einfach nur gut ^^

22 12 2006
plasmaoxyd (18:34:08) :

ty =)

22 12 2006
Niemand (20:06:40) :

gut?
SEHR gut, zutreffen und perfekt geschrieben ;D :>

23 12 2006
plasmaoxyd (11:57:07) :

solche comments sind schöner wie manches weihnachtsgeschenk! :)
vielen dank :D

25 12 2006
josse (19:02:54) :

sorry, aber habt ihr euch nicht gefreut, dass es endlich mal mehr menschen gab, die stolz auf deutschland waren, als andere? gut, es läuft vieles falsch in deutschland, aber deswegen frust auf ganz deutschland zu schieben bringt doch irgenwie auch nichts, oder? ich finde, die einzige möglichkeit, deutschland aus der misere zu kriegen, wäre es, gemeinsam als “deutsche” die sache anzupacken, und nicht “den deutschen” die arbeit zu überlassen.
die euphorie für deutschland allerdings im alkohol zu suchen, ist falsch, da geb ich dir recht.
wenn das jetzt auch nicht ganz so ein weihnachtsgeschenk ist…

26 12 2006
plasmaoxyd (14:36:22) :

Das ist genauso ein Geschenk, es ist nur etws zu arg zugeschnürt. :P
Habe mit dem ganzen eigentlich nicht den Patriotismus kritisieren wollen.
(Meine Meinung zu Patriotismus: Ein Land das sowas braucht um zu exisitieren, ist schon verloren. ^^)
Grund waren eigentlich eher die persönlichen sehr subjektiven Erlebnisse.
Warum jetzt plötzlich so euphorisch?, dacht ich mir. Was für ein Land ist das, in welchem man erst ein Milliardenprojekt braucht, um einen fröhlichen Sommer zu erleben?
Aber deine Kritik ist schon berechtigt.
Sieh den Text einfach als subneutral (hrhr, geile Wort wa? :P ), hatte eine eine ziellose Wut im Bauch als ich den Text getippt habe. :)

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