Der Teufel muss eine Werbeagentur haben

24 01 2007

Der kleine Max steht im Kaufhaus vor dem großen Regal mit den Süßigkeiten und kratzt sich verwundert den Kopf, nicht etwa überrascht von der riesigen Menge Überraschungseier, sondern eher von den raffinierten Marketingmethoden der Süßigkeitenhersteller.
Er hatte seine Mutter schon oft gefragt, warum denn gerade auf den Süßigkeitenpackungen, deren Inhalt doch so dick machen soll, Werbung für Sportartikelmarken gedruckt ist. Man konnte ihm auch noch nicht erklären, weshalb die Fußballer der Nationalmannschaft ihre Visage gerade für den braunen, süßen und klebrigen Brotaufstrich in Szene setzen, den ihm seine Großmutter verboten hat, weil er doch so ungesund sei.
Von den bunten Packungen paralysiert stolpert der kleine Kerl weiter durch den Supermarkt, vorbei an den billigen Weinflaschen, angefaulten Salatköpfen, und am umetikettierten Schweinerücken und der tiefgefrorenen Käsepizza, hinüber zu den glänzenden Chipstüten, auf
denen schon wieder komische Fußbälle und sportliche Models den kleinen Max mit aufgesetzter Grinsefresse anschmachten, gerade so ausgefuchst, um den armen Jungen dazu zu bewegen, seine kleinen Finger nach den Tüten auszustrecken und sein spärliches Taschengeld für das Knabberzeugs auf den Kopf zu hauen, um es sich dann zu Hause vor dem Fernseher in den Rachen schieben zu können. Mit seinen Fettfingern wird er zufrieden, aber trotzdem einsam und traurig, da seine Eltern sich schon wieder gestritten haben und Mama sowieso den ganzen Tag arbeiten muss, die Fernbedienung unter Chipstüten, Colaflaschen und Schokoladenpapierchen hervorkramen und auf den Sportkanal umschalten um Wrestling zu schauen. Er wünschte, er wäre auch so stark wie die Muskelprotze im Fernsehen und könnte seinem Vater mal ordentlich eine reinhauen, wenn dieser wieder auf seine Mutter einprügelt.
Er schließt die Augen und steht wieder vor dem Kühlregal, mit den Joghurts und Milchschnitten, für die zwei starke und gesunde
Boxer mit ukrainischem Akzent Werbung machen.
Die Luft aus dem Kühlregal weht ihm kühl in Gesicht. In diesem Teil des Supermarkts ist es ruhig und nur das monotone Summen der Kühlaggregate stört die vollkommene Stille.
Doch nach ein paar Minuten wird es immer kühler und um den kleinen Max wird es plötzlich kalt, so eisig kalt.
So kalt, wie es in ihm drinnen eigentlich schon immer war.
So kalt, dass er nicht mal weinen kann.


Ich würde gerne ...

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