Moses und Umweltschutz

2 03 2007

Nach einiger Zeit habe ich mir gedacht, ich blogge mal wieder etwas zu dem Thema, zu dem mein Kopf zur Zeit sehr viele Gedanken ausspuckt. Gott, Jesus, Nächstenliebe, christliche Texte, die Bibel und der ganze Rest – damit können viele nichts anfangen, und viele haben nicht selten eine Aversion dagegen. Ich respektiere das und jeder andere Christ sollte das auch respektieren. Meiner Meinung nach ist es jedoch besser, Brücken zu schlagen, als Mauern zu bauen, oder anderen Menschen erst gar nicht anzubieten, die Brücke zu überqueren. Mit diesen Texten möchte ich zeigen, dass die christliche Religion alles andere als alt und verstaubt ist, und nicht nur aus einer grauhaarigen Eminenz mit Mitra und Goldstab in Rom besteht. In der Öffentlichkeit wird in dieser Sache, wie auch bei vielen anderen Themen, sehr schnell sehr gerne vereinfacht und zusammengestampft, so dass man am Ende von diesen Dingen am Besten gar nichts mehr hören will.
Wer bis
hierher gelesen hat, und sich für das Thema nicht interessiert (wichtig: nicht interessiert und nicht nicht auskennt!), der braucht es nicht zu lesen, doch es würde mich sehr freuen.

1. Mose 1, 26-28
26 Dann sprach Gott: »Nun wollen wir Menschen machen, ein Abbild von uns, das uns ähnlich ist! Sie sollen Macht haben über die Fische im Meer, über die Vögel in der Luft, über das Vieh und alle Tiere auf der Erde und über alles, was auf dem Boden kriecht.« 27 So schuf Gott die Menschen nach seinem Bild, als Gottes Ebenbild schuf er sie und schuf sie als Mann und als Frau. 28 Und Gott segnete die Menschen und sagte zu ihnen: »Seid fruchtbar und vermehrt euch! Füllt die ganze Erde und nehmt sie in Besitz! Ich setze euch über die Fische im Meer, die Vögel in der Luft und alle Tiere, die auf der Erde leben, und vertraue sie eurer Fürsorge an.«

Wie bekannt ist dieser Teil der Bibel nicht? Doch je öfter man
etwas zu Ohren bekommt, desto mehr neigt man dazu, nicht mehr genau hin zu hören und zu vergessen. Man kann nicht behaupten, dass wir Menschen das Beste sind, das dieser Erde hat passieren können. Der Wachsame, mit offenen Ohren und Augen durch’s Leben gehend; dem wird klar wie wir mit unserer Heimat umgehen. Neben der Umweltverschmutzung, holzen wir Regenwälder ab und rotten alle möglichen Tierarten aus. Wir machen diesen Planeten kaputt. Viele sehen darin kein Problem, schließlich hat man es uns doch erlaubt …

Sie sollen Macht haben über die Fische im Meer, über die Vögel in der Luft, über das Vieh und alle Tiere auf der Erde und über alles, was auf dem Boden kriecht.

… glaubt man zumindest auf den ersten Blick.
Eigentlich eine klare Ansage. Doch viele missverstehen diesen Teil. Macht, Herrschaft und Freiheit bringen auch Verantwortung mit sich, und das ist keine alleinig christliche Meinung. Wer bei den beiden vorigen Versen aus dem ersten Buch
Mose genau gelesen hat, dem sollte ein Licht aufgegangen sein.

Ich setze euch über die Fische im Meer, die Vögel in der Luft und alle Tiere, die auf der Erde leben, und vertraue sie eurer FÜRSORGE an.

Nach damaligem hebräischem Verständnis gehörten Herrschaft und Fürsorge zusammen. Man erkennt hier sehr gut, dass das Alte Testament kein veraltetes Schriftstück ist, welches nicht mehr in unsere moderne Welt hineinpasst.
In den Köpfen der Menschen hat es soviele Jahrhunderte gebraucht, bis man auf die Idee gekommen ist, dass wir auf unsere Umwelt achten sollten, und sie nicht zerstören, dass Batteriesäure und Sperrmüll nicht in den Wald gehören und verschwenderischer Umgang mit Rohstoffen und übermäßige Produktion von Abgasen unserer Atmospähre schaden.
Geht man so mit etwas um, das einem geschenkt und anvertraut wurde?

Dieses Buch war schneller als Greenpeace und schneller als Al Gore mit dem mahnenden grünen Finger.
Wenn also das nächste mal jemand die Bibel als veraltete Antiquität bezeichnet, die in unserer modernen Gesellschaft keine Gültigkeit mehr besitzt, dann werde ich ihm vom Umweltschutz und verantwortungsvollen Umgang mit der Erde erzählen.
In der Bibel steht der nämlich auf der ersten Seite.


Ich würde gerne ...

Infos

22 Antworten to “Moses und Umweltschutz”

3 03 2007
Und täglich grüßt der Klimawandel… « dailychanges.de (11:38:45) :

[...] finden sich in dem Artikel von tagesschau.de. Passend zu diesem Thema finde ich einen Blog-Artikel von Marc B., der in seinem Blog “Gedanken im Glas” darüber sinniert, daß uns der [...]

5 03 2007
Malek Nosghu (19:40:38) :

“In den Köpfen der Menschen hat es soviele Jahrhunderte gebraucht, bis man auf die Idee gekommen ist, dass wir auf unsere Umwelt achten sollten, und sie nicht zerstören,…”
- das ist so einfach nicht richtig. Bewusster Umgang mit der Natur, Wertschätzung und Achtung ihr gegenüber (nicht nur, weil sie uns nützlich ist) usw. usf. – all das existierte bereits lange vor dem alten Testament, lange vor dem Christentum, lange vor der Industrialisierung Europas und existierte auch während der Industrialisierung der heutigen Industrienationen in den Köpfen der meisten Menschen. Viele wollten es aber einfach nicht wahrhaben. Handelten wider besseren Wissens, aus Profitgier oder ähnlichen Gründen.
Basis für die groß angelegte Zerstörung weiträumiger ökologischer Systeme bildete meines Erachtens während der letzten zweitausend (!) Jahre das römische Denken, welches bis in
die heutige Zeit in derartigen Ausmaßen wirkt, dass es schwer fällt sich zu entscheiden, ob man darüber lachen oder deswegen heulen soll – weil es schlichtweg kaum große römische Denker gegeben hat (im Vergleich zu anderen Kulturen dieser Zeit), von denen heute noch irgendetwas überliefert ist und deren Ansätze, an der Denkleistung gemossen, überhaupt erwähnenswert sind…
Schließlich ist die Sache mit der “Fürsorge”, die im alten Testament benannt ist, keineswegs ein Verdienst irgendeiner Religion, die sich auf diese Schrift bzw. Gott selbst beruft – wachsame Menschen achteten schon immer auf ihre Umwelt und sorgten im Guten für sie.
Aber mit einem hast Du Rechst: es ist traurig und bezeichnend, dass die Menschen heute einen derartigen Medienrummel um die Natur veranstalten müssen, um ihr “näher” zu kommen.
Dabei wird Natürlichkeit im selben Moment zunichte gemacht, in dem versucht wird, sie zu erzwingen.

6 03 2007
plasmaoxyd (13:29:35) :

Das mit dem medienrummel ist ein guter Punkt. In anderen Religionen schnallen sich Gläubige Rasseln und Besen an den Körper um Tiere zu verscheuchen und Käfer wegzufegen, damit sie sie nicht zertrampeln. Das nenne ich Ehfrucht.
Das die Fürsorge kein Verdienst einer bestimmten Religion sein soll, da muss ich dir widersprechen. Die jüd./christl. Form/Sichtweise von Gott ist möglicherweise nicht die Einzige, die solches ideologisches Gut verbreitet hat (-> Ehrfurcht vor der Schöpfung), aber sicher eine der wenigen.

7 03 2007
Malek Nosghu (16:56:09) :

Soweit ich weiß, versucht so gut wie jede Religion (mit wenigen Ausnahmen) mit mehr oder weniger großen Bemühungen, die Ehrfurcht vor “der Schöpfung” zu verbreiten.
Allerdings: die Religionen sind nicht die Quelle der (ich nenne es nun einfach so) “Naturfreundlichkeit” – sie übernahmen einfach einen Gedanken, den sie mit ihren Vorstellungen und Glaubenssätzen vereinen konnten und der bereits lange vor ihnen existierte.

Um noch auf den Begriff “Ehrfurcht” einzugehen: Ich glaube nicht, dass Ehrfurcht eine gute Voraussetzung für einen natürlichen Umgang mit der Natur darstellt. Den Medienrummel sehe ich nicht nur als Symptom von Heuchelei, sondern zum Teil sogar als Produkt von zügelloser (vielleicht falsch verstandener) Ehrfurcht.
Wir selbst sind ein Teil der Natur, sind IN ihr, nicht unter ihr, nicht über ihr oder außerhalb. Wir sitzen im selben Boot, stehen
auf gleicher Höhe mit allem, das uns umgibt (= meine persönliche Perspektive). Ehr-Furcht führt zu Entfremdung von der Natur – so meine These. Weil man damit “die Schöpfung” (oder wie auch immer man es benennen will) meist als etwas von sich selbst Verschiedenes betrachtet. Achtung und Respekt sind gefragt, wenn man sich seiner Natürlichkeit besinnen will und es nicht als Synonym für Ehrfurcht versteht. (natürlich werden viele das anders sehen)

PS: auch der Islam beruft sich (wenn auch mit Abweichungen) auf das alte Testament.

7 03 2007
plasmaoxyd (17:14:34) :

Im Grunde genommen sind Islam, Christentum und Judentum alle 3 einer einzigen “Ursuppe” entsprungen. Die Urabsicht Gottes ist in allen 3 Religionen ungefähr gleich, wenn nicht identisch (wobei es natürlich auch Querschläger gibt. Siehe Kreationisten). Andere Glaubensgemeinschaften, zb die Rastafari, haben ein ähnliches Gottesbild.
Diese schöpfungsehrfürchtigen Werte waren zwar schon vorhanden, aber wurden durch Jahwe erst für gültig und unumgänglich erklärt. Das Buch Genesis (1. Mose), ist zwar chronoglisch das Erste in der Abfolge der Bücher Mose, wurde allerdings als letztes geschrieben und zwar im Exil des Volk Israels in Babylon, wobei diese Abschrift aus mündlichen Quellen zusammengefasst wurde.
Über Baal und andere Fruchtbarkeitsgötter ist meines Wissens nach nicht überliefert, dass sie ähnliche Werte übermittelt haben, wie der Jahwe.
Zum
jüd./christl. Gottesbild kann ich gerne mal was reinposten wenn ich mehr Zeit habe.

Wie bei fast allem versucht der Mensch aus Unheil Profit zu schlagen. So kann man das jetzt auch wieder beobachten.
Zur Entfremdung: Ehrfurcht definiert sich meiner Ansicht nach aber positiv, in Form vom Leben im Einklang mit der Schöpfung, und nicht als Furcht vor ihren Reaktionen, also aus vorsorglicher Distanz.

7 03 2007
Malek Nosghu (17:21:56) :

PPS: mir sind keine besonderen Anstrengungen der Christenheit bezüglich dem Weg zur Natur bekannt. Ich lasse mich aber gerne aufklären, sollte mir ein wichtiges Detail entgangen sein.

Was ich aber weiß: die Christen verteufelten im wahrsten Sinne des Wortes in Europa jede angebetete Figur der Kelten, die eigentlich nur einem Prinzip der Natur entsprach, den christlichen Sitten jedoch widersprach. Das christliche Bild des Teufels, des Gehörnten, ist beispielsweise nichts anderes als das Zerrbild des keltischen Cernunnos, der auf Kunstwerken – man lese und staune – oft auch mit einer Schlange oder gleich mehreren Schlangen dargestellt wurde und – nun kommts richtig Dicke – in der Vorstellung der Kelten jeweils an der Sommer- und Wintersonnenwende (nicht zufällig wurde Weihnachten, die “Geburt Christi” auf jenes Datum festgelegt!) mit der Muttergöttin (später bei den
Christen dann die “Mutter Gottes) geschlechtlich verkehrte. Das war den Christen jedoch zu “obszön”, weshalb sie sich dazu genötigt fühlten, die nette Geschichte bekanntlich kurzerhand umzuschreiben…
Ganz nach dem Motto: “Das “Fest der Liebe” – das darf doch niemals etwas mit Geschlechtsverkehr zu tun haben! TZ!!”

7 03 2007
Malek Nosghu (17:58:25) :

“Diese schöpfungsehrfürchtigen Werte waren zwar schon vorhanden, aber wurden durch Jahwe erst für gültig und unumgänglich erklärt.” – und genau hier liegt mein Problem. Achtung vor der Natur, nicht der Natur selbst, sondern dem jeweiligen Gott zuliebe (sofern Gott und Natur nicht als Einheit angesehen werden) scheint mir keine Liebe zur Natur zu sein.

7 03 2007
Malek Nosghu (18:22:01) :

PS n°2: letztendlich bescheinigt das Christentum, aber auch sämtliche andere monotheistische Religionen tun dies, dem Menschen mit seiner Interpretation der Fürsorge absolute Verfügungsgewalt über die Natur und genau diese Bescheinigung zeugt m.E. von einer anti-natürlichen Haltung.

7 03 2007
Malek Nosghu (18:45:32) :

PPS n°2 (dann ist bis zu Deiner Antwort aber wirklich Schluss :D ): dieses den-Menschen-über-die-Natur-Stellen scheint mir dann allerdings sehr wohl alt und verstaubt und alles andere als sympathisch.
Religion darf nicht Ersatz für den eigenen Verstand sein und muss für Kritik offen bleiben. Die “Vorherrschaft des Menschen über die Natur” als “gottgegeben” hinzunehmen und nicht zu hinterfragen – kann wohl keine Basis für einen achtsamen, von Selbstgerechtigkeit und Willkür befreiten Umgang mit der Natur bedeuten.

7 03 2007
plasmaoxyd (21:17:55) :

Wenn wir annehmen, dass Gott die Erde geschaffen hat, dann ist es nichts anderes, als wenn mich jemand umsonst in seiner Wohnung wohnen lässt, und ich darauf achte, nichts kaputt zu machen. Die Gebote und das “Wort Gottes” sind dort sozusagen die Hausordnung.
Absolute Verfügungsgewalt? Nun ja, in gewissem Maße schon, aber “Vorherrschaft des Menschen über die Natur” bedeutet, wie ich es im Text beschrieben habe ebenso eine Fürsorge, Wenn Gott uns explizit die Erde in die Hände legt, dann erwartet er auch von uns, dass wir pfleglich und dankend mit ihr umgehen. In der Bibel darf so ein Satz nicht aus dem Kontext gerissen werden. Hier wird nämlich im Zusammenhang mit Vorherrschaft immer auch die Fürsorge genannt.
Ich denke, wir haben diese Vorherrschaft. Diese Vorherrschaft ist sogar so stark, dass wir unseren Planeten komplett zerstören können.
Got hebt
den Menschen über alle anderen Lebewesen, und kein Wissenschaftler wird bestreiten, dass das menschliche Denken weit dem jeglicher Tiere und anderer organischer Wesen überlegen ist.
Diese unglaublich raffinierte, logische, wunderschöne Schöpfung kann für mich kein verdammter Zufall sein.
Ich verstehe deinen Standpunkt, aber “gottgegeben” heisst nicht gegeben um auszunutzen.

8 03 2007
Malek Nosghu (20:57:54) :

Die Erde ist nun mal aber nicht “unsere” Wohnung. Unsere Spezies füllt “nur” eine Nische dieses komplexen Systems der Natur aus, die wir unseren Ursprung nennen und in welcher wir “nur” ein Teil des Ganzen sind.
“Hier wird nämlich im Zusammenhang mit Vorherrschaft immer auch die Fürsorge genannt.” – etwas anderes habe ich nie behauptet. Genau diese Interpretation der “Fürsorge” in von Dir genanntem Zusammenhang ist es ja, die mich stört. Die Natur kommt bestens ohne uns aus. Naturschutz sollte, wenn schon nicht aus Liebe zur Natur, dann wenigstens aus der Einsicht erfolgen, dass wir uns mit unserer rücksichtslosen Ausbeutung derselben unser eigenes Grab schaufeln. Dann also aus rein egoistischen Gründen.
Die Vorstellung, der Mensch könne den Planeten zerstören, ist ein typisches Zeichen für das übersteigerte Ego des Menschen; sollte unsere Art, die sich
überheblicherweise “homo sapiens sapiens” nennt, eines Tages ausselektiert werden (sei es durch psychische Fehlentwicklungen, die zur Selbstvernichtung oder zumindest zur Benachteiligung aufgrund von der Unfähigkeit zur Anpassung an Umweltbedingungen führen, sei es durch gravierende klimatische Veränderungen, die zu schnell vonstatten gehen, als dass sich der Mensch anpassen könnte o.ä.), wird wahrscheinlicherweise wohl eine andere unseren Nischenplatz nach entsprechender Evolution zu füllen wissen.
Die Natur lässt sich nicht vom Menschen lenken, umgekehrt hat der Mensch aber gar keine andere Wahl, als sich von der Natur lenken zu lassen. Und so sehe ich auch nichts, das auch nur im Geringsten einer “Vorherrschaft” ähneln könnte.
Die Befähigung des “homo sapiens sapiens” zu Denken, kausale Zusammenhänge zwischen zwei Ereignissen herzustellen, die wir dann als “Ursache” und “Wirkung” bezeichnen, ist nicht einmal innerhalb des im Vergleich zum Rest des Universums verschwinden winzigen Systems
auf der Erde eine Einzigartigkeit. Selbst Raben sind im Stande, einfache Werkzeuge herzustellen…
Darüber hinaus frage ich mich, wie der Mensch zu der anmaßenden Behauptung kommt, sein Gehirn würde alle anderen Arten mit seiner Denkleistung übertrumpfen. – Versteht der Mensch die Sprache von Walen, Delfinen, Vögeln denn wirklich? Oder gibt es einzelne Individuen unter uns, die von sich mit amtlicher Bewilligung behaupten dürfen, die Gedanken der Tiere (von denen unsere Art sich immer wieder aus Eitelkeit untscheiden will) tatsächlich zu kennen, ja gar lesen zu können?

Was bedeutet schon das Wort Zufall? Etwas anderes als dass einem eine Gelegenheit zu-fällt? Vielleicht, weil sie einem zugeworfen wurde? Ich glaube nicht.

Wenn ich im besagten Kontext das Adjektiv “gottgegeben” verwende, dann spiele ich vor allem auf eine unreflektierte Geisteshaltung an, die ohne Skrupel auf ihren felsenfesten Dogmen beharrt, um sich in geglaubter Erhabenheit über alle Einwände hinwegsetzen zu
können. Denn “Gott” sei unantastbar und alles, das “gottgegeben” sei somit unanzweifelbar.

8 03 2007
Malek Nosghu (21:11:06) :

PS: Die Erde ist nicht der Mittelpunkt des Universums. Die Sonne dreht sich nicht um sie, sondern umgekehrt. Und aufgrund der riesigen, unvorstellbaren Ausdehnung/Dimension des Universums halte ich die Annahme, nach der die Erde als einziger Ort dem Leben eine Chance gibt, für äußerst unrealistisch, wenn nicht gar realitätsfremd. Selbst wenn wir also annehmen, der Mensch würde auf der Erde eine “hochrangige” Position einnehmen, wäre es demnach anmaßend zu behaupten, der Mensch stünde mit seinem geistigen und seelischen Horizont über *allen* anderen Tieren. Da wir schließlich davon ausgehen müssen, dass auch auf anderen Planeten Leben nicht nur möglich, sondern sogar wahrscheinlich ist.

8 03 2007
plasmaoxyd (21:42:58) :

Wir haben soviele Atomwaffen um die Erde für viele viele Jahrzehntausende unbewohnbar für jegliche Lebewesen zu machen. Wir leiten Flüße um, und schütten Meere auf. Wir bauen Tunnel unter dem Meer und überwachen die komplette Oberfläche unseres Planeten per Satellit. Innerhalb weniger Stunden können wir uns an jeden Ort der Welt bewegen und über Internet und Telefon sind wir untereinander vernetzt, so dass wir in weniger als einer 1000tel Sekunde mit einem Individuum auf der anderen Seite unserer Erde kommunizieren können. Das nennst du nicht Vorherrschaft? Ich habe nicht gesagt, dass wir “gute” Herrscher sind.
Ein Volk kann mit Demokratie auch ganz gut ohne Herscher (König) leben. Aber der König (Mensch) ist eben nun mal da, also muss er aufpassen, dass er mit seinen Füßen (Beton, Chemiedreck und Bomben) nicht das Volk (die Natur mit Flora und Fauna)
kaputt macht.

“Denn “Gott” sei unantastbar und alles, das “gottgegeben” sei somit unanzweifelbar.” Nunja, das ist eine Glaubenssache. :)

“dass auch auf anderen Planeten Leben nicht nur möglich, sondern sogar wahrscheinlich ist.” Ja, aber was für Leben? Amöben und so? Eingefrorene Bakterien?
Um wissenschaftlich zu bleiben: Die Dinosaurier konnten nicht ins Weltall fliegen und sich in Betonbunker verkriechen, als sie vor dem Aussterben standen, um sich vor Naturkatastrophen zu retten.

9 03 2007
Malek Nosghu (15:03:52) :

JA, selbst das nenne ich keine Vorherrschaft. Ein Wink mit dem Zaunpfahl seitens der Natur genügt, und die Menschheit *war* einmal. Vor allzu starken Klimaveränderungen kann sich selbst der Mensch nicht schützen. Wenn wir die Ozonschicht zerstören, sind wir allen möglichen (radioaktiven) Strahlen ausgesetzt, nicht “nur” der UV-Strahlung. Wenn das Magnetfeld der Erde sich wieder einmal umpolt sind wir ebenso vorübergehend ungeschützt bestimmten Strahlungen ausgesetzt. Wie soll sich die Menschheit davor schützen? In die Unterwelt flüchten? 6-7 Milliarden Menschen??
Wir *sind* der Natur unterworfen, ohne Ausnahme, nicht umgekehrt. Dabei genügt es schon, sich die “kleinen” Ereignisse anzusehn: Überschwemmungen, Dürreperioden, Insektenplagen, Krankheitserreger, die gegen unsere Medikamente resistent bzw. immun geworden sind usw…Die Natur wird niemals vom Menschen
kontrollierbar sein, so sehr er sich das auch vorzumachen versucht. Es wird immer unvorhersehbare Geschehnisse geben, die uns unvorbereitet treffen, und solche, gegen die wir niemals gewappnet sein können.

Zur “Glaubenssache” – jede Religion, die sich der Kritik der Vernunft zu entziehen versucht, begräbt sich selbst.

9 03 2007
Malek Nosghu (15:08:13) :

Zum Leben auf anderen Planeten: Nein, ich spreche durchaus von komplexer strukturierten Wesen. Angesichts der Unendlichkeit des Universums ist es auch nicht verwunderlich, dass bisher (noch) nichts dergleichen gefunden wurde. (Wobei wir nicht wirklich wissen können, ob man nicht schon längst weiß, dass es Wesen gibt, die in ihren Fähigkeiten dem Menschen ähnlich sind, dieses Wissen jedoch von der Öffentlichkeit fernhält…)

9 03 2007
plasmaoxyd (18:32:56) :

Ich denke nicht, das sich das Christentum einer auf Vernunft basierenden Kritik entzieht. Für mich steht nun mal fest, dass der Mensch auf einer höheren Ebene wie jegliches Tier und jegliche Pflanze anzusiedeln ist. Ich gestehe auch ein, dass die Menschheit von der Natur in hohem Maße abhängig ist, aber daran kann man schlecht was ändern. Wir leben ja auch nicht mehr im Garten Eden, in welchem die Menschen diese Nachricht empfangen haben. (Fang nicht an, das als unmöglich zu kritisieren, es ist eine symbolisch zuverstehende Geschichte, die die christlichen Werte transportieren soll.) :)

9 03 2007
Malek Nosghu (22:14:57) :

Es ist eben schon ein sich-der-Kritik-der-Vernunft-Entziehen, wenn “Gottgegebenes” ohne vernünftigen Grund (außer der Furcht um den eigenen Glauben) als *unantastbar* “festgehalten” wird.
(Die Art, wie Du mich “bittest”, inkludiert meiner Auffassung eine unterschwellige Unterstellung, dernach ich ähnliches schon getan haben soll – vonwegen Kritik an symbolisch zu verstehenden “Geschichten”… Verstehe ich Dich da richtig? Wenn ja, dann möchte ich sagen, dass ich nicht weiß, wo ich sowas schon einmal getan haben soll, liegt es doch gänzlich außerhalb meiner Absichten. Ich kritisiere Inhalte, wobei ich die Bibel noch nie als wörtlich zu verstehendes Werk betrachtet habe. Dazu schrieb ich weiter oben bereits, dass die Schöpfer der Bibel sich einiger Symbole vorangegangener Kulturen und Religionen bedienten, nicht ohne sie vor der schriftlichen “Verewigung” grausigst
verunstaltet zu haben. (siehe der Gehörnte) – was bereits voraussetzt, dass ich begriffen habe, dass es sich um Symbolik und keine Berichte (“Gott bewahre!”) handelt.)
Um auf die Vorherrschaft zurückzukommen: “Ich gestehe auch ein, dass die Menschheit von der Natur in hohem Maße abhängig ist, aber daran kann man schlecht was ändern.” –> und genau darin liegt die Herrschaft der Natur über den Menschen. Während die Natur nicht vom Menschen abhängig ist. Der Mensch kann seine Umwelt gestalten, aber das kann jedes andere Lebewesen (Bakterien, Ameisen, Spechte, Raben, Schimpansen etc.) genauso. Letztendlich bleiben dennoch alle Diener der Natur. Manche mit Hingabe, andere mit Verachtung für ihre “Gebieterin”.

Ich verstehe nicht, warum das Christentum ständig versucht, seine eigenen Wurzeln abzuschlagen. Aus Eitelkeit?
Mit abgehobener, realitätsferner Arroganz lässt sich heutzutage jedenfalls niemand mehr beeindrucken, geschweige denn für gemeinsame Ziele gewinnen.

Die
christliche Haltung gegenüber der Ehe, der Sexualität, der Verhütung, der Abtreibung, dem Verhältnis des Menschen zur Natur, den Natur- und Geisteswissenschaften, allen anderen Religionen, “nicht-westlichen” Kulturen … all dies und noch viel mehr lässt mich, während ich mir die großen Probleme der Gegenwartsgesellschaft ins Bewusstsein rufe, ein Gefühl der Befremdung, Verwunderung und Verwirrung empfinden und scheint mir ein einziger großer Komplex von Symptomen des Zerfalls zu sein.

12 03 2007
EBF (01:52:20) :

jetzt hab ich mir tatsaechlich alles durchgelesen und inzwischen bin ich so erregt, dass ich nicht laenger schweigen kann. eigentlich hab ich auch nicht viel zeit, aber jetzt muss ich doch was dazu sagen.
1. teufel mit hoernern: im kompletten alten testament und fast im kompletten neuen, steht nirgends (soweit ich weis) etwas von einem teufel mit hoernern. eventuell steht da was in der apokalypse, aber ob johannes auch nur einen einzigen kelten kannte, das wage ich zu bezweifeln.
dass christen aber einige braeuchtuemer der heiden angenommen haben, laesst sich nicht leugnen. dazu gehoeren osterhasen, das datum von ostern, … wichtig ist hier aber, was gefeiert wird: die fruchtbarkeitsgoettin oder die auferstehung von jesus christus!
2. schoepfung: ich empfehle dir, schau dir einen bluehenden baum an. und dann stell dir vor, dieser baum, mit blaettern, zellen, dem stamm und den
wunderschoenen blueten waeren rein zufaellig entstanden. und dann ueberlege dir, wie viele wunderschoene pflanzen und tiere es gibt. reiner zufall?
3. nieschenplaetze: dass jedes tier seine niesche hat, begruendet sich (soweit ich weis) auf darwin. und es ist auch eindeutig, dass sich jedes tier, jede pflanze und auch jeder mensch seiner umwelt anpasst. allerdings ist das begrenzt. er wird nie die art aendern. wuerde die moderne evolutionstheorie stimmen, muesste es unendlich viele artengeben. es gibt aber nur eine begrenzte anzahl. es gibt keine mischung aus affe und mensch, keine zwischen elefant und giraffe und keine zwischen narzisse und geranie. freilich gibt es unterschiedliche geranienarten, aber keine geraniennarzisse. die evolutionstheorie kann so, wie sie ist, auf keinen fall stimmen.
4. mensch ueber natur: als gott die menschen geschaffen hat, war die schoepfung perfekt. (“und alles war sehr gut!”) erst, als die schoepfung fiel, traten gefahren auf. als die suende in die welt kam, als der
mensch selbst ueber die konsequenzen seines handelns sich klar werden konnte (baum der erkenntnis), kamen gefahren in die welt. aber die natur hat sich nie ueber den menschen erhoben, bis zur sintflut. und hier hat nicht die natur die menschen bestraft, sondern es war gott, der mit den menschen schluss machen wollte. auch spaeter ueber in der ganzen bibel hat sich nie die natur ueber den menschen erhoben, es war immer gott, der die natur lenkte, mal fuer und mal gegen die menschen. und so ist das (nach christlichem verstaendnis) noch heute. auch wenn es manchmal weh tut, das zu glauben (siehe tsunami). hier darf man aber auch die macht des teufels nicht ausklammern, was aber ein anderes thema ist. aber selbst der teufel kann nichts ohne die zustimmung gottes unternehmen (siehe hiob).
ich bin mir fast sicher, dass du mir widersprechen wirst, mir argumente auftischen wirst, bis du irgendwann nichtmehr kannst. ich kann das auch, das waere kein problem. aber lass mich dir sagen: glaube ist nicht rational! mit
argumenten ist noch kaum jemand bekehrt worden. mit argumenten kann ich dir zeigen, dass alles einen sinn ergibt in der bibel, ich kann dir nicht zeigen, dass es keine alternative dazu gibt.
ich wuensche dir jetzt abschliessend nicht, dass du erkennst oder dass dir bewusst wird, dass gott die welt erschaffen hat und schon garnicht, ob jetzt der mensch ueber oder unter dem affen steht, ob adam gelebt hat oder ob maria eine jungfrau war. ich wuensche dir und jedem menschen, dass du erkennst, dass jesus christus fuer dich gestorben und auferstanden ist! alles andere ist nebensache…

herzliche gruesse aus der geistlichen naehe aber der raeumlichen ferne,
josse/ebf/…

15 03 2007
Malek Nosghu (10:47:34) :

ad 1) “Das christliche Bild des Teufels, des Gehörnten, ist beispielsweise nichts anderes als das Zerrbild des keltischen Cernunnos,…” – ich unterstellte auch nicht, dass Luzifer *in der Bibel* als Gehörnter dargestellt wird. Es ist jedoch ein Faktum, dass durch die gesamte Geschichte des Christentums hindurch das Bild Satans als Gehörnter und als Zerrbild des keltischen Heros verbreitet wurde und wird. Davon abgesehen: Johannes soll jeden Abschnitt der Bibel, worin der Teufel erwähnt wird, verfasst haben??

ad 2) ich kann mir sehr gut vorstellen, dass alles auf einem Zufall beruht. Wobei ich den Begriff Zufall sehr wahrscheinlich anders als Du interpretiere.

ad 3) Ziel der Evolution ist *gerade* die Herausbildung neuer Arten. Aus Deiner Äußerung wird ersichtlich, dass Du das in der Bibel Geschriebene gut kennen magst, die Evolutionstheorie allerdings nur höchst
unzureichend.
Der Mensch bildete sich der Evolutionstheorie zufolge aus dem Geschlecht der Affen als eigene Art heraus. Dass es keine “Mischlinge” zwischen bestimmten Arten gibt, liegt in gewissen Barrieren begründet. Auch die Geschlechtsorgane spezialisieren sich im Lauf der Zeit immer mehr. Der Samen eines Elefanten würde beispielsweise, wenn er überhaupt in die Gebärmutter einer Giraffe gelangt, dort kaum lange überleben. Darüber hinaus ist die Vagina einer Giraffe wahrscheinlich nicht dazu befähigt, das Glied eines Elefanten in sich aufzunehmen usw…
Ich sehe also nichts in Deiner Argumentation, das die Evolutionstheorie widerlegen könnte.

ad 4) Wie die Welt entstanden sein könnte oder nicht – das geht mich nichts an. Solche Dinge sind für mich von eher geringer Bedeutung. Genausowenig will ich Dich von Deinem Glauben an einen Gott, der über der Natur steht und sie “von oben” lenkt, abbringen.
Ich kann mich eben nicht damit identifizieren und sehe darin große Gefahren.

nIch weiß auch sehr gut, dass Glaube nicht rational ist und es stand nie in meiner Absicht, irgendjemanden zu “bekehren”. Wer bin ich denn, dass ich mir sowas anmaßen wollen könnte?
Es gibt nicht nur “oben” und “unten”, “vorne” oder “hinten”. Die “Mitte” scheint mir am gangbarsten.
Für Deinen Wunsch für mich bedanke ich mich nicht. Ich wünsche Dir auch nicht, dass Du meine Ansicht irgendwann für “die wahre” halten wirst.

dennoch herzlich,
malek

18 03 2007
Anne (18:22:52) :

man kann auch etwas tot diskutieren…
glauben ist nicht gefährlich, du brauchts keine angst vor ihm zu haben. er will helfen. orientierung geben. das problem ist die interpretation… (siehe kath. kirche im mittelalter) wahrscheinlich hättest du eine ganz andere einstellung gegenüber gläubigen (ich sage nicht christen) wenn du als kind andere interpretationen mitbekommen hättest…
naja… ist im grunde wirklich nicht wichtig… wie josse sagte: es reicht zu wissen, dass jesus für uns gestorben ist und dafür dankbar zu sein… der rest kommt von alleine… :)
ähm josse… ich weiß nicht… ich glaube nicht, dass gott für den tsunami oder andere naturkatastrophen verantwortlich ist… denk an den regenbogen :) ich glaube, dass jeder ein stückchen anders glaubt… oder eben ein stück, je nachdem…

marc? dankeschön für diese denkanstöße… ich
wünsch dir, dass du weiter bei deinem wunderbaren glauben bleibst :) das macht mich irgendwie froh!

liebe grüße! anne

18 03 2007
plasmaoxyd (20:14:59) :

danke =)
Die Denkanstöße werden nicht versiegen, wenn’s nach mit geht. ^^
“ich glaube, dass jeder ein stückchen anders glaubt… oder eben ein stück, je nachdem…”
Und im Endeffekt “glauben” wir wahrscheinlich alle Stück vorbei, wenn es überhaupt eine explizit “richtige Art” gibt zu glauben.

20 03 2008
Glasdildos (23:12:00) :

Schließlich ist die Sache mit der “Fürsorge”, die im alten Testament benannt ist, keineswegs ein Verdienst irgendeiner Religion, die sich auf diese Schrift bzw. Gott selbst beruft – wachsame Menschen achteten schon immer auf ihre Umwelt und sorgten im Guten für sie.
Aber mit einem hast Du Rechst: es ist traurig und bezeichnend, dass die Menschen heute einen derartigen Medienrummel um die Natur veranstalten müssen, um ihr “näher” zu kommen.
Dabei wird Natürlichkeit im selben Moment zunichte gemacht, in dem versucht wird, sie zu erzwingen.

Gib deinen Senf dazu

Du kannst diese Tags benutzen : <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>