Erklärungkönige

21 06 2007

Ich will nicht, dass meine Gefühle und Gedanken auf neurochemische Fehlfunktionen meines vorderen Gehirnlappens reduziert werden.


Ich würde gerne ...

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6 Antworten to “Erklärungkönige”

21 06 2007
goron (21:18:17) :

du kannst ja beim gehirnlappen beschwerde einlegen.

21 06 2007
Phil (22:42:22) :

Herr Schäuble hat noch nicht die Bio-Chemie entdeckt … ;-)

23 06 2007
plasmaoxyd (12:46:38) :

Hat der auch nicht nötig – wo kein Hirn ist … :P

23 06 2007
Malek Nosghu (15:20:37) :

aus dem selben grund wählte ich für meine schriftliche arbeit für die matura in chemie das gebiet: psychopharmaka!
ich finds immer witzig und traurig zugleich, wenn diese leute versuchen da ganz professionell und seriös zu wirken, während sie dinge erklären, von denen sie im grunde noch so gut wie überhaupt nichts wissen.
hast du das gewusst: im rahmen von forschungsarbeiten zu *antiallergischen* substanzen hat man unmittelbar nach dem zweiten weltkrieg die sogenannten phenothiazine untersucht, zu denen eine vielzahl von farbstoffen gehört. methylenblau beispielsweise. die warn aber n bisschen zu giftig, um sie klinisch anwenden zu können, weshalb man an der struktur dieser stoffe so lange herumgemurkst hat, bis sie ein “günstigeres nebenwirkungsprofil” aufgewiesen haben. weil man dann auch eine sedierende, sprich *dämpfende*
wirkung neben der erwarteten antiallergischen wirkung feststellte, hat man die stoffe, die bei der murkserei herausgekommen sind, versuchsweise bei der behandlung von psychosen angewendet.
dadurch wurden die betroffenen menschen umgänglicher (klar – wenn sie mit drogen vollgepumpt werden) für ihre umwelt und auf dieser ach so grandiosen entdeckung baute anschließend die ganze psychopharmakaforschung auf.
tjoa, und obwohl man über die psychologischen vorgänge selbst noch viel zu wenig weiß und die zusammenhänge zwischen pharmakologischen wirkungen der pharmaka, den angriffsorten der medikamente, den biochemischen reaktionen, sowie den wirkungen auf die menschliche psyche heute noch weitgehend unklar sind, pumpt man menschen mit diesen dingern voll. nicht selten ohne die zustimmung der betroffenen…

23 06 2007
plasmaoxyd (17:24:18) :

Interessant. :)
Das ist auch eine Sicht der Dinge. Meine Intention lag aber eher darin, mich über einen Kerl aufzuregen, der meinte, die Frage nach einem Gott und überhaupt die Tatsache, dass sich jeder Mensch irgendwann über die Existenz einer höheren Macht Gedanken macht, sei eine Fehlfunktion des Gehirns.
Dann könnte man sich ja gleich abschreiben. Dann wäre kein Mensch individuell und “frei”, sondern Sklave seiner Synapsen und Neuronen.

Was man mit Medikamenten aber mittlerweile anrichten kann ist wirklich erschreckend. Man kann eine Identität zerstören und komplett verändern.

24 06 2007
Malek Nosghu (10:08:32) :

(gleich zu beginn: nicht “psychologische” sondern “psychische” vorgänge – war so in den gedanken vertieft, dass ich mich nicht mehr auf solche kleinigkeiten konzentrierte ;-)

hmm – so jemand wär mir nicht mal ne zeile wert. :D

der begriff der “freiheit” ist in gewisser hinsicht allerdings sehr problematisch…(aber ich möchte an dieser stelle keine abhandlung über die freiheit schreiben)

“sklave der synapsen und neuronen” zu sein, das wär ja nicht weiter schlimm (das wort sklave passt meiner meinung nach nicht so wirklich, aber ich wollte deine worte verwenden =) – wir sind nunmal davon abhängig, dass unser gehirn funktioniert. diese tatsache allein beraubt uns noch nicht unserer individualität und “freiheit”. aber wir wissen viel zu wenig, als dass wir die funktionstüchtigkeit eines gehirnes beurteilen könnten.
zudem zeugt es von purer einfallslosigkeit und arroganz, jede “abnormität” als fehler zu deuten.

es gibt zum beispiel auch menschen, die bei manisch-depressiven einen (ich weiß, es als “fortschritt” zu bezeichnen mag durchaus anmaßend sein) fortschritt in der evolution vermuten – und keine *fehlfunktion* des gehirns -; sie deuten depressive phasen als zeiten der erholung, des ausruhens und/oder des “anlaufnehmens”, als vorbereitung für die darauf folgende manische phase, in welcher der betroffene dann zu (beispiellosen) höchstleistungen imstande ist. man müsste dieser these nach eben noch den richtigen umgang mit diesen phasen lernen.

ich bin auch davon überzeugt, dass uns ein sehr großer teil an selbstbestimmung in die wiege gelegt worden ist – selten wird jedoch das volle potential ausgeschöpft.

mit medikamenten ist es wie mit allen anderen dingen auch: die dosis macht das gift. wenn man dann zusätzlich noch absolut keine ahnung hat, wie das medikament denn konkret welche
wirkung entfaltet, ist der zerstörerische effekt schon vorprogrammiert.
psychopharmaka sind okay – wenn sie in absoluten notfällen verabreicht werden und dadurch unerträgliche schmerzen gelindert werden können. heutzutage werden einem allerdings schon antidepressiva verschrieben, wenn man sich beim hausarzt über rückenschmerzen beschwert. (ich kenne eine junge frau, der genau das passiert ist)

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