Feuchtes Erlebnis

3 07 2007

Vorweg: Die Überschrift ist ein derber Leserfänger; aber das, was wohl 90% der Menschen die diesen Satz lesen werden, mit obiger Überschrift assoziieren, entspricht sicherlich nicht den Erwartungen an den folgenden Text.

Der Regenjacke lag zu Hause. Da lag sie gut.
Es ergab sich so, dass sich die dunklen Wattebäusche vor die Sonne schoben, just zu dem Zeitpunkt an welchem ich mich unter freiem Himmel über unsere schöne Mutter Erde bewegte. Der Weg war nicht kurz, aber die Regentropfen in nicht geringer Zahl. Die Menschen um mich herum spannten ihre bunten Regenschirme auf, blinzelten durch den Regen und zogen ihre Nacken ein.
Ich schritt weiter durch den Regen, ignorierte ihn einfach. Um eine rettende Abkürzung zu nehmen, schlug ich den Weg über eine Wiese ein. So stolperte ich über das Grün, und der Wind brauste um meinen Kopf und schleuderte die kleinen Tröpfchen in mein Gesicht. Was ich sonst genervt aus meinem Gesicht
gewischt hätte, ließ ich einfach gewähren. Ich schloss die Augen, meine Füße gingen von allein, ich spürte den Wind und das lauwarm bis kühle Wasser, und wurde mit dem Regen eins.
Der Regen machte mich nicht mehr nass, ich war der Regen.
In solchen Moment schiesst einem durch das Bewusstsein, in was für einer schönen Schöpfung wir leben dürfen. Das muss jeder anerkennen.
Verwirrend allerdings ist, dass ich mir in der folgenden Nacht den Kopf über den Tod zerbrochen habe.


Ich würde gerne ...

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9 Antworten to “Feuchtes Erlebnis”

3 07 2007
Farlion (22:34:35) :

Hm, ich dachte beim Lesen der Überschrift, Du berichtest von einem Erlebnis im Schwimmbad. Kein Witz.
Woran sollte man im Sommer auch sonst denken? :)

3 07 2007
.markus (22:57:50) :

Leben und Tod, naheliegend oder?!

Ich erkenne es an, immer wieder.

4 07 2007
Philanthrop (11:11:54) :

wenn dir “eins werden mit dem regen” so gut gefällt, empfehle ich dir costa rica ;)
was mich noch interessieren würde: auf was bist du bei deinen gedanken über den tod denn gekommen? müss mr mal wieder n bier trinken ;)

4 07 2007
plasmaoxyd (17:27:07) :

@Farlion: Im Sommer kann man an so vieles denken, aber du denkst einfach zu brav. :D
@.markus: Ja, aber sehr gegenteilig und jedesmal irgendwie erschreckend.
@Philanthrop: Das weiß ich nicht mehr genau, vielleicht kommt’s mir ja bei dem Bierchen wieder. :)

5 07 2007
Wadenbeißerchen (11:57:05) :

Vielleicht hast Du in diesem Moment das wahre Leben erkannt, ohne zu werten, ohne Dich zu wehren, ohne wenn und aber, das Hier und Jetzt. Gegenwart ist auch bald wieder Vergangenheit – also ist alles Vergänglich – Vergänglichkeit bedeutet Sterben – Tod -. Und was liegt nun näher zusammen als das Leben und der Tod? Also über den Tod zu stolpern ist was ganz Normales. Ich denke, das wird Dir immer mal wieder passieren, unabhänging von einem coolen Spaziergang durch den Regen.
Ich finde es auch wichtig, sich mit dem Tod auseinander zu setzen, denn nur wenn ich dies auch annehme kann ich ohne Angst erkennen, dass ich ab dem Zeitpunkt der Geburt jeden Tag ein Stück sterbe.
Ähm….bin ich jetzt zu ernst? Hat mich einfach so mitgerissen…hör ja schon auf.

5 07 2007
plasmaoxyd (22:45:18) :

Keiner hat gesagt, du sollst aufhören. =)
Wenn man sich zuviel mit dem Tod auseinandersetzt, dann kommt er umso schneller. Der Kontrast war einfach extrem. ^^

6 07 2007
canela (15:41:16) :

wenn man sich oft mit dem tod auseinandersetzt, weiss man was leben wirklich heisst…

11 07 2007
Wadenbeißerchen (09:53:28) :

..also im besoffenen Kopp könnte ich hier nichts mehr reinposten, denn ich könnte die Zahlen nicht addieren *grins*
@carnela: Da gebe ich Dir ohne Umschweife recht. :-)
@plasmaoxyd: Wer hat Dir denn Angst gemacht? Da unterliegst Du einem fetten Irrglauben. Selbstverständlich kommt der nicht schneller – wir sind doch schon groß, oder?
Wenn wir vorbereitet sind auf den Tod, liegt überwältigende Hoffnung sowohl im Lebens als auch im Tod. Es bedeutet Freiheit und wir selbst bestimmen, nach dieser Freiheit zu streben.
Sogyal Rinpoche dazu:
Als ich in den Westen kam, war ich schockiert, wie grundlegend sich die hier vorherrschende Einstellung zum Tod von der Sicht, mit der ich aufgewachsen war, unterschied…Ich begriff, dass die Menschen heutzutage lernen, den Tod zu verdrängen, und daher im Sterben nichts als Vernichtung
undVerlust sehen. Daraus folgt, dass die Meisten den Tod verdrängen oder leugnen…viele Menschen glauben, dass sie allein durch Erwähnung des Todes das Risiko eingehen, ihn auf sich zu ziehen…Tod bedeutet nicht Letztendlichkeit!
Die Gelehrten wissen, dass Menschen, die an nicht an die Letztendlichkeit glauben, eine ganz andere Lebenseinstellung haben. Sie besitzen einen entschiedenen Sinn für persönliche Veranwortung und Ethik. Mensche, die nicht an ein Leben danach glauben, machen sich kaum Gedanken über die Kosequenzen ihres Tuns und schaffen eine Gesellschaft, die fast ausschließlich auf Kurzzeitergebnisse fixiert ist. Brutalität und Kriege, sowie Unfreundlichkeit sind Folgen diese Handelns.
Gut ich will nicht weiter abschweifen, jedoch lass Dir nicht so ein Unsinn einreden, große Philosophen sowie Gelehrte wissen drum: der Tod gehört zum Leben!

19 11 2007
Theresa (00:31:38) :

…are these tears or is it rain … the only thing I know, even heaven cries…

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