Ist doch auch egal

26 08 2007

Der nächtliche Heimweg war deprimierend. M. war derselben Ansicht. Während wir in den frühen Morgenstunden, als das schwarz der Nacht noch immer den Himmel bedeckte, unseren Weg nach Hause gingen, da erschien mir alles so klar und so unbarmherzig. Jedes Thema das wir anschnitten, mündete in der Erkenntnis, dass man jede offene Frage am Ende mit einem tiefen Seufzen beantworten kann. Mit Achselzucken und Resignation. Wir schaffen unser Leben nicht allein. Das hat noch nie jemand geschafft. Nicht einmal Jesus. Es ist wohl auch nicht der Sinn der Sache, sich allein durch’s Leben zu schlagen und das Herz mit Mörtel und Beton dicht zu kleistern, damit nichts hineingelangt. “Verschobene Inbetriebnahme des Herzens aufgrund akkuter Angst um die lebenserhaltenden Funktionen.” Ist das denn Leben?
Eine weitere Erkenntnis ist umso erschreckender. Sind wir nicht nach allem süchtig. Nehmen wir Drogen um uns abzulenken, stürzen wir in Abhängigkeit.
Entkommen wir dieser Sucht, stürzen wir uns in eine andere. Entweder nach Anerkennung und Erfolg, oder nach Liebe und Zuwendung. Eines dieser Attribute ist es immer und wird es immer sein. Das Leben ist eine einzige Sucht, ein Teufelskreis, dem wir nicht entkommen können. Ohne Süchte könnten wir nicht leben.
Autos waren nicht viele unterwegs. Diejenigen, die trotzdem herumfuhren, hinterließen bei mir die Frage, weshalb diese Autos Sonntagmorgens um kurz vor 4 Uhr durch die Gegend rollen. Da die Scheiben von der Kälte beschlagen sind, kann man die Menschen, die diese Kästen durch die Welt lenken, nicht erkennen. Es sind Phantome die Ihre Wagen durch die Straßen manövrieren. Wer sitzt da drin und wo fährt er hin? Wo kommt er überhaupt her? Kommt er überhaupt woher? Ist doch eigentlich auch egal. Es sind Autos mit irgendwelchen Menschen drinnen, die von irgendwo herkommen und irgendwo hinfahren. Ist es denn von Bedeutung? Wahrscheinlich wissen die Fahrer nicht mal selbst wo sie hinfahren,
eingesperrt in Glas und Metall. Aber ist es bei uns beiden Fußgängern denn anders? Wo gehen wir denn schon hin? Wer weiß das schon. Ein tiefes Seufzen.
Vorbei am Bahndamm. Einfach absurd wie es da aussieht, wenn man es genau auf sich wirken lässt, was da so alles aus dem Boden ragt, was wir in die Welt gestellt haben, zur Orientierung, Markierung oder einfach für Gar nichts. Straßenlampen, Straßenschilder, Warnleuchten, Markierungsschilder, Ortsschilder, Geländer und Werbeschilder. An dieser Stelle sieht es einfach erschreckend aus. Ein Wald aus Orientierung und Wegweisern, doch wie heißt es so schön: Man sieht den Wald vor lauter Bäumen nicht. Man sieht überhaupt nichts, verdammt nochmal einfach gar nichts! Die Blicke werden von der Dunkeheit verschluckt.
In der Nähe kracht und kleppert es. Die Geräusche scheppern durch die Dunkelheit. Ich habe keine Ahnung was es ist und es ist doch eigentlich auch völlig egal. Mich erfasst das Gefühl, als wären die Diskussionen und Gedanken schon
alle einmal dagewesen. Es dreht sich immer um dasselbe. Alles mündet in allem, alles hängt zusammen. Von einem Punkt kommt man immer zu einem bestimmten anderen, wenn man diese Verbindung denn will. Wir finden aber für unser aktuelles Problem keine Lösung und sind beide ratlos.
Und das ist eben nicht egal.

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The Pixies – Where Is My Mind?


Ich würde gerne ...

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3 Antworten to “Ist doch auch egal”

26 08 2007
Anne (22:53:19) :

Na, na!
Du kannst natürlich alles schlecht reden, was einem verdammt leicht fällt, wenn man schlecht drauf ist… aber “die Sucht nach Liebe und Zuwendung” finde ich garnicht so negativ. Sucht hat nur einen so negativen Beigeschmack. Die Suche wäre da schon passender. Das Verlangen. Die Notwendigkeit von Liebe und Zuwendung. Ja. Geb ich zu. Ich brauche Freunde. Und die mich. Gott brauche ich auch. Und überhaupt, Liebe halt. Und das ist nicht negativ.

Also… Hast du ein Kaleidoskop? Das ist ein “Schönsichtseher”. Guck doch mal auf die schönen Dinge, ohne einen Sinn zu suchen. Tut gut. Ehrlich.

Gute Nacht und liebe Grüße.

28 08 2007
plasmaoxyd (19:15:26) :

Da hast du vollkommen recht.
Der Heimweg hatte einfach bedrückende Vibrations und hat alles abgestumpft wirken lassen. Ich gestalte mein Leben nicht nach den hoffnungslosen Prinzipien wie im Text beschrieben, aber manchmal drängen sie sich eben unvermeidlich auf.

3 09 2007
Anne (21:36:14) :

Puh! :)

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