Jugendträume eines Wohlstandskindes

2 12 2007

Wie schwer die Augen sind. Als ich durch die kalten Straßen streifte, da dachte ich daran, wie ich nächsten Sommer vor einer großen Wiese stehe, die Grillen zirpen höre und die Luft vor meinen Augen flimmern sehe. An die Ereignisse des vergangenen Jahres werde ich denken – wie nervig eine Menge Leute und Ereignisse doch waren. Wie ereignislos dieses Leben als Schüler doch war. Das werde ich denken. Doch wenn ich eines Tages mit Sabbermaul, Gehstock und Weinschorle in einem Café sitzen werde, dann werden mir diese Tage vorkommen, wie das Paradies, wie die guten alten Tage. So wie Bryan Adams dem Sommer 69 nachtrauert oder Remarque die unschuldigen Jahre vor 1914. So wie mich manches maßlos angekotzt haben mag, so maßlos werde ich dann heulen. Aber der Lauf der Dinge sieht das nun mal so vor und der Lauf der Natur sieht nun mal auch vor, dass einem diese Tage dann vorkommen werden wie gestern; das Bier wird schmecken wie damals, wenn auch mit
anderem Etikett, und auch die Musik wird die selbe sein, die aus den Lautsprechern tönt. Sogar die Jugend wird die selben Probleme haben und Witze reissen wie wir zu der Zeit.
Leider liegt es in der Natur der Sache, dass man ab einem bestimmten Alter nicht mehr im kollektiven Schweiss, alle in den Armen, zur Musik springen, oder vor dem Supermarkt mit gemopsten Einkaufswagen Rennen veranstalten und sich schamlos um 3 Uhr nachts unter der Woche in der Disco auf einem heruntergekommen Klo übergeben kann. Irgendwann kommt die Zeit, da macht man keine Sturmfrei-Hauspartys mehr und da geht man nicht mehr zu Fuß aus Spaß in den Burger-Drive-In.
Man könnte es theoretisch schon, aber man wird sich wahrscheinlich einfach fehl am Platz vorkommen. Kindisch.
Vielleicht. Wird man je erwachsen? Why can’t I save the moment? Every single moment?
Manche Episoden des Lebens kann man einfach nur einmal erleben. Manche dürfen sie nie erleben, weil sie nicht mal Wasser trinken können ohne danach Durchfall und
Ruhr zu kriegen.
Es mag sich egoistisch anhören: Aber, danke dafür, dass ich ein verwöhntes und proletendes Wohlstandskind sein darf.

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6 Antworten to “Jugendträume eines Wohlstandskindes”

3 12 2007
Benjamin B. (00:24:31) :

Schal fühlt sich das Lächeln auf meinen Lippen an, Erkenntnis mischt sich darin. Dann: Wieder-erkennen.
Die Zeit als Schüler ist brutal, doch ebenso süss schmeckt die Freizeit, die man in Unmengen geniesst und die Lockerheit des Daseins (obwohl man sich tagtäglich in die Gesellschaft verkrampfter Gesichter begeben muss).

Wohlstand ist etwas wunderbares. Käufliche Ware, so weit das Auge blickt. Macht nicht zwingend glücklich, aber doch irgendwie. Ohne geht jedenfalls nicht.

5 12 2007
plasmaoxyd (22:51:56) :

So brutal ist die Schule auch wieder nicht, zumindest teilweise besser wie alles was danach kommt, schätze ich mal (Mir steht’s noch bevor :P ).

7 12 2007
Benjamin B. (17:31:37) :

(Mir auch, doch zwischen jetzt und Arbeitswelt steht immer noch der Elfenbeinturm des Studiums)

8 12 2007
plasmaoxyd (12:59:56) :

Au dem Grund finde ich BA-Studiengänge nicht schlecht. Da kommt es gar nicht erst zum Arbeitsschock, sondern man wird langsam daran gewöhnt. ^^

13 12 2007
Tilla Pe (21:33:07) :

“Irgendwann kommt die Zeit, da macht man keine Sturmfrei-Hauspartys mehr und da geht man nicht mehr zu Fuß aus Spaß in den Burger-Drive-In.”

Ähm….. wann?
Hier finden die Sturmfrei-Hauspartys statt, wenn die Gören mal auswärts schlafen. Und Spaß ist immer noch drin. Einzig erschwerend kommt hinzu, dass man sich ab und zu einfach benehmen muss weil die Tochter (die auch Jahrgang Mauerfall ist) sich beschwert ob der Peinlichkeiten, die die “Großen” so von sich geben…..
Es kommt immer darauf an, was man daraus macht. Keep cool ;)

17 12 2007
plasmaoxyd (14:59:22) :

Hmm, das hört sich gut an – dann brauche ich mir ja keine Sorgen zu machen. :D
Das mit dem “zu Fuß aus Spaß in den Burger-Drive-In” hat sich dann aber spätestens erledigt, wenn die Leute die auf einen aufpassen sollen, einem nach dem Abendessen nicht in den Rollstuhl helfen wollen, die Gehhilfe wegschließen oder einen jeden Abend mit Schlafmitteln vollpumpen, damit man dem Personal nachts keine Scherereien macht.
Aber der Zeitpunkt ist ja zum Glück noch weit weit weg. :)

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