Gott will nicht rational sein, glaube ich

1 07 2008

Gott kann man nicht rational begründen. Diese Vorwürfe muss ich mir als religiöser Mensch immer gefallen lassen, ebenso wie Kritik an den christlichen Kirchen, die an sich doch nichts mit den philosophischen Fragestellungen nach Transzendenz und Göttlichkeit zu tun haben. Etwas Irrationales kann man nicht begründen, aber muss deshalb etwas Irrationales unbedingt schlecht sein, blöd dumm, idotisch – lachhaft? Wer diesen Ansatz vertritt, der ist doch selbst schon einem Glauben verfallen. Einem irrationalen Glauben? Was ist also Rationalität? Wo beginnt sie, wo hört sie auf?
Das Recht auf Leben und die Menschenwürde kann man rational gesehen nicht begründen. Schließlich wäre es rational gesehen effizienter, die Schwachen einfach zu entsorgen, damit es unter dem Strich den Starken besser geht. Aber tut man das? Nein! Manche haben versucht, solche Systeme durchzusetzen, doch sind glücklicherweise dabei gescheitert.
Sind Rationalisten also
inkonsequent? Nein, ich würde einfach sagen, dass rationales Denken alleine nicht reicht, um diese Welt menschlich zu gestalten. Wenn man von diesem Punkt ausgehen würde, wäre die Diskussion um einiges einfacher.


Ich würde gerne ...

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7 Antworten to “Gott will nicht rational sein, glaube ich”

2 07 2008
raphi (16:03:49) :

wie recht du hast… ich merke es immer öfter, es ist sehr schwer mit leuten zu diskutieren, die in dieser hinsicht nicht den gleichen standpunkt/sichtweise vertreten. Es ist nahezu unmöglich…

2 07 2008
ebf (18:02:44) :

sehr richtig.
und dann wird von den gläubigen erwartet, sie sollen doch toleranter gegenüber weltlichen ansichten sein… andersrum scheint das nicht gelten zu müssen.

3 07 2008
Postmaster (10:09:40) :

Die Welt würde an schierer Rationalität zugrunde gehen. Eine rein rationale Welt wäre überhaupt nicht funktionsfähig. Schon allein die Grundlage allen menschlichen Seins, das was uns überhaupt zum Menschen macht, nämlich die Liebe, ist das irrationalste auf Gottes großer Erde überhaupt. Wie viel einfacher und rationaler wäre das Leben doch ohne Liebe. Einfach Fortpflanzung und fertig. Aber wäre es dadurch auch besser? Schöner? Ganz bestimmt nicht. Wir brauchen die Irrationalität. In allen Bereichen des Lebens…

3 07 2008
plasmaoxyd (12:58:51) :

Manchmal wage ich sogar zu denken, dass die Rationalität eine menschliche Erfindung ist – ein vorgegegebenes System, dass man meint in der Natur der Dinge erkennen zu können. Als ob man das durchschauen könnte.
Ich finde, hier gilt dasselbe wie bei physikalischen Gesetzen. Diese gelten auch keinesfalls unveräußerlich in jedem Umfeld, sondern immer nur unter bestimmten Bedingungen und so mögen auch rationale Entscheidungen in entsprechenden Situationen ihre Existenzberechtigung und ihren Sinn haben.

3 07 2008
Postmaster (16:34:13) :

Ich denke, Rationalität liegt auch großenteils im Auge des Betrachters.
Was für den einen die einzig wahre rationale Entscheidung zu sein scheint,
kann ja für den anderen eine total unverständliche, irrationale sein.
Es kommt ja auch immer auf das Ziel an…
Ich denke auch, der Gedanke der Rationalität ist eine menschliche “Entdeckung”, die wie viele andere Dinge wahrscheinlich aus dem Wunsch des Menschen nach Perfektion entstanden ist. Rationalität als “perfekte” Form der Entscheidung. Ohne Emotionalität und andere menschliche “Schwächen” mit einfließen zu lassen (die in Wahrheit ja gar keine Schwächen sind, sondern einfach der Teil von uns, der uns “menschlich” macht…)

7 11 2009
Godless (11:14:40) :

Krieg der imaginären Freunde? wieder mal?

Ich finde jeder soll glauben was er will aber irgendwie arten diese Religionen immer wieder in Kriegen aus..

besonders in ww2 >
(herr adolf meinte er ist von gott gesandt usw > breite Masse folgte ihm > ww2 )
der “heilige” kreuzzug..
uvm.

Ich will jetzt ned damit sagen Religion ist ja so scheisse oder so.

Religion hilft den meisten menschen die alleine nicht zurrecht kommen, sich an etwas imaginäres klammern können, was ihnen wiederrum neue Kraft gibt.

Ich persönlich halte nichts von Religion.. nicht weils nicht rational oder irrational oder was auch immer ist.. nein, weil leute davon abhängig sind, ihre meinung von ihrem Glauben gefärbt wird, und immer der Beginn dieser Glaubenskämpfe sind.
ich komm alleine aus, ohne religion.

aber kann nicht verleugnen dass ich von vorne herein
denke dass leute die einen Glauben haben “schwach” sind.. genauso Leute die von Beziehungen etc abhängig sind.

7 11 2009
plasmaoxyd (19:06:56) :

Wenn Menschen aus religiösen Motiven morden und Kriege führen, dann ist das nicht Gottes Hand, welche das Schwert schwingt, sondern die des Menschen, der das Schwert führt. Hass wird nicht durch einen Gott, sondern durch die Menschen geschürt, welche Religion gegenteilig zu dem benutzen, wofür sie eigentlich entstanden ist, nämlich Gläubigen eine Gemeinschaft bieten, und nicht, alles Andersdenkende niederzumähen.

Muss Bindung oder Beziehung, sei es zu Mitmenschen oder zu Gott, Schwäche bedeuten? Sich in Abhängigkeit zu begeben kann auch Stärke und Mut bedeuten. Glaube, der kann nicht nur einen Rettungsanker im Seelenleben sein, der kann auch unheimlich stark machen und sich über sich selbst hinausgehen lassen. Glaube ist nicht dazu da, sich daran zu klammern, sondern um daraus Kraft schöpfen zu können. So wie unser Körper Nahrung und Wasser braucht,
so braucht diese Nahrung auch unser Geist. (Ein gewisser gekreuzigter Herr hat es mal ähnlich ausgedrückt ;-) ).

Man sollte die Suche nicht zu früh aufgeben, und den eigenen Geist mal durch alle Frequenzen durchtunen, und vielleicht spricht auf irgendeiner Welle mal eine Stimme, die einem Dinge erzählt, die den eigenen Horizont über das hinaus erweitern können, von wo man bisher dachte, dass Schluss sei. Wer zu früh aufhört zu Suchen, der verbaut sich auch sehr früh den Blick auf Neues.

Immer schön die Augen offen halten … ;-)

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