In the jungle the lion sleeps tonight …

12 01 2008

Etwas muss an der Sache doch dran sein. Alle, die ihr Schülerleben schon hinter sich gelassen haben, seien es Freunde, Verwandte oder Lehrer, predigen einem sehr glaubwürdig, dass wir als Schüler doch noch glücklich sein können. Verklärt man die Vergangenheit nicht fast durchgängig für unerreichbar, für die gute alte Zeit? Oder ist da in diesem Fall etwas anderes dran?
Eigentlich kann man die Schule als einen dichten Dschungel bezeichnen, einen wilden gefährlichen Raum voller Lianen über die man stolpern und Sträucher in die man hineinfallen kann. Die wilden Raubtiere klassifiziere ich mal lieber nicht, aber unter denen kann sich jeder vorstellen, wen er will. Mit unserer Hand umklammern wir fest ein lange Machete, ein Werkzeug welches uns dabei hilft, uns durch den Schulalltag zu schlagen, den Schweiss auf der Stirn, im Morast watend. Die Luft ist feucht, wirkt einschläfernd und nur die hellen Strahlen die hier und da durch das dichte
Blätterwerk der Baumkronen fällt und die verkratzte Klinge der Machete glänzen lässt, schenken einem die Zuversicht, dass am anderen Ende des Tunnels, hinter dem letzten Baum, eine weite, in Sonnenlicht getauchte Wiese auf uns wartet. Schritt für Schritt geht es vorwärts und einige müssen auch mal Rast machen und sinken geschwächt und resigniert auf einen Baumstumpf und wieder andere, die bleiben im undurchsichtigen Dickicht zurück.
Irgendwann dann, reissen wir den letzten Ast aus unserem Gesicht und stolpern in die Freiheit, die einen in eine Steppe, die am Horizont keine Ziele birgt, andere ins nächste Abenteuer. Nun brennt die Sonne mit ihrer vollen Kraft auf den Kopf, denn jetzt ist da kein schattenspendender Wald mehr, der uns vor der ungehemmten Einstrahlung aus dem Himmel schützt.
Und da wird mir bewusst, dass man bei aller Verbitterung und allen Gedanken, die sich schon Jahre voraus in der Zukunft ihr Plätzchen suchten, das eigene Blickfeld durch diese Anstrengungen so eingeent war,
dass sie die Sicht auf das Schönste versperrt hatte: die farbenfrohen und exotischen Pflanzen, die frischen Früchte an den hohen Ästen, die grüne und unberührte Natur – auf das Leben.
Wir werden sehen …


Ich würde gerne ...

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7 Antworten to “In the jungle the lion sleeps tonight …”

12 01 2008
Benjamin B. (20:14:46) :

Wenn rückblickend gesehen die Schulzeit die schönste Zeit des Lebens war, dann ist dies erklärbar damit, dass:

- Man die Vergangenheit generell als positiv ansieht, sich bloss an die schönen Dinge erinnert.

- Es nach der Schule nur noch bergab geht.

Ich tendiere dazu, den ersten Punkt für die korrekte Erklärung zu halten.

13 01 2008
plasmaoxyd (16:00:45) :

Ersteres ist ein neurobiologisches Phänomen. Je öfter man etwas erzählt oder in Gedanken durchgeht, desto mehr verformt es sich, verschwinden Details oder arbeiten sich bestimmte Auswüche heraus, schartet sich die Erinnerung in einer bestimmten Form überspitzt ein. Und da man als Mensch dazu neigt, Negatives zu vergessen (wenn man das nicht tun könnte, wären wir alle depressiv! :P ), spielt das sicher eine wichtige Rolle.
Für die einen geht es bergab, für die anderen bergauf. Eigentlich hat man es zum Großteil doch auch selbst in der Hand. :)

13 01 2008
Benjamin B. (16:40:26) :

Hm… Darf man dann im Umkehrschluss behaupten, dass Depressive negative Erinnerungen weniger gut verdrängen können als 08/15-Bürger?
Damit würde man es sich zu einfach machen, oder?

14 01 2008
plasmaoxyd (14:15:42) :

Puuh, da müsste man jetzt jemandem vom Fach fragen, aber so undenkbar wäre das ja nicht mal.

14 01 2008
fearme (15:45:59) :

Ich denke wenn man diesem Spruch “Die Schulzeit war doch die schönste Zeit, genieß es” glauben soll, dann betrachtet man es wohl von einer sehr primitiven Ansicht. Es gibt keine Chance das irgendwie zu verallgemeinern. Es gibt eben Leute die haben immer was für die Schule getan und versagen trotzdem und es gibt welche die haben sich einfach immer durchbeschissen. Dass dann die Schulzeit schön ist, ja das ist mir auch klar, aber im ersten Fall kann ich mir ehrlichgesagt nicht vorstellen, dass ich als Beispiel wieder in die Schule zurück möchte, wenn ich mich noch nie irgendwo so unwohl gefühlt habe wie da.
Ich denke einen kleinen Einblick in die Arbeitswelt haben wir in unserem Alter schon gesammelt, ausreichen wird dieser erste Eindruck vielleicht nicht, aber für mich ist es genug um zu sagen, dass ich an diese Schule niemehr zurück möchte, geschweigedenn sie
missen möchte. Und dabei spielt leider nichtnur die persönliche, sei sie verdient oder nichtverdiente, Leistung eine Rolle…!

14 01 2008
plasmaoxyd (18:24:20) :

Da stimme ich dir zu. Manche Erfahrungen machen die einen, die widerrum die anderen nicht machen (müssen). Und Erfahrung prägt. Da hängt auch ganz viel vom jeweiligen Umfeld ab und wie man sich dort fühlt. Vom Arbeitsaufwand her gesehen ist Schule jedoch sicher das kleinere Übel, als so fast alles was danach kommt.
Habe immer schon die Erfahrung gemacht, dass man bei solchen Sachen in bestimmten Perioden empfindet.
Zuerst ist man froh dass es vorbei ist, dann kommt eine Phase, in der man dauernd daran denken wird, wie schön es doch war. Dann wird es einem nach längerer Zeit egal sein, dann sind die Erinnerungen ausgetrocknet. Aber irgendwann fummelt man sie dann noch viel viel später wieder heraus, wie ein Pflanze, die man im Buch beim pressen vergessen hat.

15 01 2008
ebf (19:41:53) :

…. marc, ohne dich stressen zu wollen… aber ich muss zu deinem eintrag nichtsmehr sagen, oder? ;) nur, von wegen “mit der machete durch den dschungel” oder “exotische pflanzen” und so…

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