Maschinerie

8 05 2008

Wir Individuen sind nicht die wehrlosen Zahnräder einer großen, sauber geölten und unbarmherzigen Dampfmaschine die unsere Welt antreibt, wie das immer so raffiniert formuliert wird. Im Gegenteil: Wir sind kleine und gierige Kartoffelkäfer in Terrarien aus Beton und Stahl, die aus Eigenutz in grauer Vorzeit mal darüber einkamen, dass man Regeln schaffen müsste, die jedem sicherstellen nicht dem anderen in die Quere zu kommen. Diese Regeln entstanden aber, wenn man es im Nachhinein betrachtet, nicht aus Menschenliebe, sondern nur aus Vernunft, denn schließlich verkleinert so jedermann das Risiko, einmal vom Stärkeren gefressen zu werden. Und einen Stärkeren gibt es immer. Wenn aber eine einzelne Person in einer Gesellschaft auch ohne das Einhalten der Spielregeln überleben kann, wieso sollte sie sich dann um die Aufstellung und Einhaltung dieser Regeln scheren?
In der Folge vergessen immer mehr Menschen, dass all das was sie in Besitz nahmen
nicht ihnen gehört, noch nie ihnen gehörte und auch nie ihnen gehören wird, weil es ein Geschenk ist. Nach menschlichen Maßstäben – und nach was anderem als diesen Maßstäben können Menschen nicht urteilen – sind Dinge die man nicht als Gegenleistung für eine eigene Leisung bekommen hat, ein Geschenk. Selbst der härteste Nihilist, kühlste Pragmatiker und der rationalste Atheist kann nicht von sich behaupten, die Natur, das Leben, die Schöpfung selbst erschaffen zu haben. Alles war schon da, dann kamen wir. Ob es jemand erschaffen hat, das ist an dieser Stelle irrelevant. Es existiert ohne unser Zutun, und dann sogar noch viel besser. Die Sonne geht auch ohne unsere Atomkraftwerke auf, Pflanzen wachsen auch ohne unseren Dünger und Tiere überleben auch ohne Gehege im Zoo.
So leben wir jeden Tag stolz unser forciertes Leben, dass wir selbst geregelt haben – ein Leben das wir gar nicht sterben können, weil man einerseits Heerscharen von Feuerwehrleuten und Psycholgen einsetzt um einen Selbstmord
zu verhindern, sich andererseits aber keinen Fetz um den Obdachlosen schert, der im Winter an der Bushaltestelle erfriert. Einfach nur fehlende Konsequenz oder kalte Berechnung und bloße Nebenwirkung des menschlichen Systems?
Wer ist wir? Darunter fallen alle, die ein Leben in Wohlstand und Sorglosigkeit leben.
Solch ein Leben darf nicht mit gutem Gewissen gelebt werden, solange es noch Menschen gibt, die an diesem Wohlstand nicht teilhaben können, denn manche meinen, es gehöre zum natürlichen Gleichgewicht unseres Planten, dass es immer eine Anzahl von Menschen und Lebewesen geben muss, denen es automatisch beschissen geht. Die Nahrungskette muss aufrecht erhalten werden, sonst haben die Asgeier nichts zu fressen.
Wir leben unser schönes Leben auf Kosten derer aus, denen es schlecht geht. Wir trampeln durch ihr Blumenbeet, klauen ihre Früchte für ein müdes Lächeln und hinterlassen ein Schlachtfeld.
Wir halten den saftigen roten Apfel in der Hand und schauen uns hilfsbereit um,
ob jemand hungrig schreit, der auch etwas davon abhaben will. In diesem Fall würden wir natürlich auch ganz großzügig teilen. Doch auf die Idee, dass diese Leidenden nicht einmal mehr schreien können, darauf kommen wir nicht. Wenn wir Menschen mit einem Arsch in der Hose wären, dann würden wir solange mit dem Apfeln bei den Armen hausieren gehen, bis wir ihn selbst essen müssen, bevor er verfault.
Ich warte nur auf den Tag, wenn Regeln nur noch auf dem Papier existieren werden.


Ich würde gerne ...

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