Urlaubserkenntnisse

24 05 2008

Das Einzige was Menschen untereinander verbindet, das sind weder Namen und Nationen, noch Symbole oder Religionen, sondern es ist die Barmherzigkeit, dem anderen zu geben.

Zu dieser bitteren Erkenntnis kommt man gezwungenermaßen, wenn man eine Woche in einem sich im Aufbau befindenden Party-Mekka an der Schwarzmeerküste zwischen ‘Steak house’, ‘cheap pizza’, ‘barbeque’ und ‘here happy hour now!’-Schildern die Sterne am Himmel vor lauter Leuchtreklame nicht mehr erkennen kann. Der Strand war nachts so gut wie Sperrzone und sich auf die Strandliegen zu legen war der größte anzunehmende Sündenfall, denn schließlich muss man für diese tagsüber 7 Leva pro Stück berappen. Die Schuhe, Kleider und Uhren an den selbst zusammengezimmerten Ständchen waren auf Nachfrage natürlich “original” und der Wodka an der All-Inklusive-Bar im ‘young and fun’-Hotel natürlich nicht gestreckt.
Dem absurdesten
Gefühl jedoch, dem unterlag nicht nur ich allein, als es eines Mittags zum Paintball-Match außerhalb des Hotels ging. “Gotcha” oder wie man es sonst nennen mag – dieses Spiel eben, wo man sich mit Farbkugeln abknallt. Nachdem uns ein klappriger Bus über eine Landstraße vorbei an einer verfallenen Fabrik zur Location gekarrt hatte, deren Beschaffenheit so schlecht war, dass man nicht schneller wie 40 fahren konnte, staunten wir nicht schlecht, als der Veranstalter uns hinter einem heruntergekommenen Dorf auslud um uns seine selbstgebaute Spielfläche zu präsentierten: Eine am Hang liegende Wiese, bestückt mit selbst gebauten Deckungen aus Sperrholz, Autoreifen und Steinen. Schutzanzug – Fehlanzeige. Nur ein dünnes Ganzkörperkondom zum Schutz vor Farbe und alte Skimasken mussten reichen.
Was mich aber so nachdenklich gestimmt hatte, war nicht die Tatsache, dass die Anzüge wahrscheinlich noch nie gewaschen worden waren, was ihr Schweissgeruch zu verraten schien, sondern es waren die Kinder des
Dorfes die auf einem Dreckhügel nebenan warteten um während den Feuerpausen die nicht zerplatzten Farbkugeln aufzusammeln. Da bekamen einige von uns dieses Scheissgefühl. Und damit meine ich diese Ahnung, was man mit seinem hier erlebten Spaß eigentlich unterstützt und wen man in den Augen der Einheimischen darstellt.
Wir reiche Ur-Europäer reisen in ein von der Sowjetunion ausgebeutetes Land, wo die meisten Menschen nicht einmal ihre Häuser anstreichen können, mit Autos aus den 60ern herumgurken und von dem guten Willen der westlichen Urlauber abhängig sind. Und was machen wir? Wir spielen Krieg. Darf man da ein schlechtes Gewissen haben?
Um dem ganzen einen versöhnlichen Abschluss zu geben: A. wurde dermaßen zusammengeschossen, dass er seine morgendlich getankten Getränke hinter einem Haufen Reifen wieder verlor, B. beschoss andauernd seine eigenen Teamkameraden und lachte dabei teuflisch und Y. schoss N. fast ein Auge aus, der mir widerrum einige blaue Flecken auf dem Rücken beschert
hatte.
Einige farbige Zeugnisse dieser Gaudi folgen in den nächsten Tagen.


Ich würde gerne ...

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3 Antworten to “Urlaubserkenntnisse”

27 05 2008
postmaster (16:03:50) :

“Young-and-Fun”-Hotel?
Da lassen die mich bestimmt ab
heute net mehr rein… *schnüff*
(siehe unten) :-(
http://taeglich.wordpress.com/2008/05/27/tod-um-mitternacht/

27 05 2008
plasmaoxyd (16:21:45) :

Keine Sorge, die polnische Rentnergruppe hat sich dann doch sehr wohl gefühlt, auch wenn die Hotellobby spätestens um 8 Uhr abends voll war mit besoffenen Abiturienten. xD

27 05 2008
postmaster (17:20:53) :

Ähm, so alt bin ich dann doch noch nicht. Ich bin doch noch wesentlich näher an der Abiturientenzeit als an der Rente… ;-)

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