Biographien

20 06 2008

Lebensläufe können mitunter interessant sein. Meiner ist es bisher nicht, und ich denke, er wird es auch nie sein. Er wird so stinknormal sein wie der Millionen anderer Bundesbürger:
Geboren. Ein Jahr zu spät in den Kindergarten gekommen, dal man Platzmangel hatte. Vier Jahre Grundschule. Gymnasium, Abitur. Studium. Dann möglicherwiese: Beruf. Familie, Kinder, Eigenheim. Dann eine Zeitzone von der ich mir noch nicht wirklich ein Bild machen kann. Nachfolgend die Rente (die ja sicher sein soll). Gechillt. Ableben.
Mal ehrlich – da gibt es Biographien, die um einiges interessanter sind. Ein Beispiel:
Kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges in einem algerischen Armenviertel geboren. Gymnasium mit Stipendium. Philosophiestudium. Heirat – Trennung nach einem Jahr Ehe. Eintritt in die kommunistische Partei. Diplomarbeit, aber wegen Tuberkuloseerkrankung vom Examen ausgeschlossen. Journalist, Schauspieler und Regisseur. Erneute Heirat. Aufgrund
eines kritischen Zeitungsartikels aus Algerien ausgewiesen. Reporter in Paris. Nach Ausbruch des Zweiten Weltkrieges Kampf in der Résistance. Nobelpreis der Literatur. Autounfall mit 47. Tod.
Das war übrigens Albert Camus, der Dichter des Absurden.
Aber muss das heißen, dass ein simpler, der Gesellschaft angepasster Lebenslauf, schon per se schlecht ist? In meinem momentanen Alter kommt man unablässig mit den verschiedensten Lebensentwürfen in Kontakt. Einige haben ja noch mehr oder weniger die Qual der Wahl.
Hochgradig erfolgreicher bestverdienender Manager? Straßenpunk mit Hund – arm aber zufrieden? Selbstständiger Elektrotechniker, der sich dann später mal mit Großfamilie und einem Opel-Astra-Gebrauchtwagen durch sein todsicheres Aktiendepot in den Ruin wirtschaftet? Dauerstudent? High-Society-Journalist, schwebend in der Bohéme, zwischen Cannes und Berlin?
Keine Frage – die Leute wollen aus ihrem Leben etwas besonders machen und das jeder auf seine Weise. Dann gibt’s da noch die
ganz spezielle Art Mensch. Ich spreche von denen, die schon in der Schule für alle zu cool waren. Nein, nicht die schnellsten in Sport oder solche, die als ersten geraucht und gekifft haben. Ich meine die Typen, die sich weder mit den Bonzenkindern noch den Aldi-Jeans-Trägern, nicht mit den Hoppern und nicht mit den Punks abgaben. Ihre Spezies entwickelt sich erst in den ersten Zügen der Oberstufe. Sie tragen Kleidung aus Undergroundshops der Großstadt, hören namentlich ausschließlich Indie-Musik von Bands die sich zum Beispiel “We Were Invincible” oder “The Red Skinny Puppy Evergreen Harrison Ford Killers” nennen, sind eigentlich schon seit dem vierten Lebensjahr Xylophon-Wunderkinder, laufen mit billigen, aber coooolen Fliegerbrillen rum und prahlen mit politischen Einstellungen, von denen der gemein gebildete Nachrichtenzuschauer noch nie etwas gehört hat. Nach der Schule verschwinden diese Gestalten dann ins Ausland zum Work & Travel, meditieren in indischen Tempeln und durchqueren ganz Australien
mit einem alten VW-Bus und einem Transistorradio. Zurück in der Heimat studieren sie dann “archäologisch-physikalische Bioelektronik mit Vertiefungsrichtung südostasiatische Urwaldkulturen” auf Magister und verschwinden in der Folge im Strudel der Zeit.
Dabei bin ich mir noch nicht einmal sicher ob ich einen Vertreter dieses eben gezeichneten Klischeebildes je kennegelernt habe. Es ist ein Frankenstein.
In unserer Zeit muss alles besonders sein, jeder ein Star, ein Promi, extravargant, übertrieben, kinky und total on-the-top. Ob mit, oder gegen den Strom. Warum muss das so sein?
Unterschätze nicht das kleine Glück, die bescheidene Ruhe des Moments, in dem man die eigenen Kinder aufwachsen sieht und mit dem selbsgemachten Glück ohne Glamour und Glitzer, Rolls Royce und Kosmetik, das eigene Leben gestaltet.
Ich zitiere Frederik Hahn aka Torch:

Wie ein toter Baum der still am Straßenrand steht, letztes Zeugnis Gottes Schöpfung
doch – jeder geht daran vorbei. Grün
steht schon lang nicht mehr für Natur.
Kleine bunte Pillen sind die Therapie und die Kur.
[...]
Was muss man tun um heutzutag jemand zu sein
ein Job mit ner Familie und nem Haus? Ha, Nein!
Es geht um mehr, Platz 1, schon lang nicht mehr genug.
Ich red’ von Drogen, fliegen, Freiheit alles Betrug!

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Ich würde gerne ...

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Eine Antwort to “Biographien”

29 06 2008
rente-allgemein | Re: Klasse Entscheidung - so sparen wir Rente! - Mobilfunkantenne auf Koblenzer Altenheim… (22:02:13) :

[...] rente > Da unsere Grenzwerte viel zu hoch sind und eindeutig > > gesundheitsschädlich sind, ist das ein kluger Schachzug – die Alten > > verstrahlen und Rente sparen. > > Wo hast Du denn das Märchen mit den zu hohen Grenzwerten her? > Bürgerwelle oder ähnliche? woher weisst du das es ein märchen ist, die einen sagen sie sind niedrig genug, komischerweise die , die daran verdienen und die anderen sagen sie sind zu hoch, aber die fallen eh meist durch eine gewisse technikfeindlichkeit auf. ich habe keine ahnung wo die wahrheit ist, ich wüsste auch noch nicht das es gesicherte erkenntnisse gibt. > > Dumm wirds nur, wenn jemand auf die Idee kommt und
das Zeugs auf > > Kindergärten und Schulen bauen will. > > Da stehen sie optimal, weil die abstrahlung “nach unten” am > geringsten ist na das ist ja ne prächtige idee, strahlung ist ja auch völlig unabhängig von der entfernung. du verdienst dein geld mit dem aufbau von solchen antennen und kannst kinder nicht ausstehen ? ich möchte mich ja nicht als strahlungstechniker ausgeben , aber ich bin mir sicher da war was in der formel mit dem quadrat zur entfernung. bei einer distanz von nur wenigen metern … [...]

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