IT-Nazis

13 10 2009

Nachdem ein alter Herr im Vorstand der Bundesbank durch Nazi-Rhetorik sein Ansehen weiter in Richtung Mariannengraben befördert hat, werden anscheinend Degradierungsmaßnahmen gegen ihn unternommen. So schreibt die Zeit:

Sarrazin soll zum IT-Chef degradiert werden und seine Zuständigkeiten für Bargeld und Risiko-Controlling verlieren.

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Die sind wohl der Ansicht, für den Job könnte man jeden Affen auf den Baum setzen. Das heisst also, ich muss nur eine Nazi-Bemerkung bringen und ich werde zum IT-Chef der Bundesbank ernannt – zum Tastatur-Nazi? Hmm, also wenn ich da nicht meine Prinzipien hätte …


Ich würde gerne ...

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5 Antworten to “IT-Nazis”

13 10 2009
JCD (10:39:21) :

Welch typisch deutsches Phänomen. Sofort wird alles über einen Kamm geschert, Sätze aus dem Kontext gerissen und der Überbringer schlechter Nachrichten hingerichtet. Es wird vorschnell geurteilt, alles aufgebauscht und zu einem Medienspektakel gemacht. Jeder gibt seinen Senf dazu, egal ob man die genauen Hintergründe kennt. Hauptsache man bekommt mediale Aufmerksamkeit und bläst in das selbe Horn. Immer schön das sagen, was gut ankommt und sich auf Kosten des anderen selbst profilieren. Danach ist man glücklich, man hat sich als Verfechter der Toleranz gezeigt und das leidige Thema der fehlgeschlagenen Integrationspolitik und die daraus entstehenden zukünftigen Probleme sind ein weiteres Mal unter den Teppich gekehrt. Zudem hat das öffentliche Tribunal einen angenehmen Abschreckungseffekt und mahnt mit den Worten: “Wage es ja nicht, die Wahrheit auszusprechen, sonst wirst du geächtet”.
So hat man sich erneut Zeit verschaffen – Zeit um abzuwarten und nichts zu unternehmen.
Es ist nur armselig, dass sich unsere Gesellschaft ein weiteres Mal für dumm verkaufen und sich in ihrer medialen Blindheit auf Oberflächlichkeit beschränken lässt. Alles zum Wohle der Toleranz, nicht wahr?

Abschließend sei noch gesagt, dass die Äußerungen von Sarrazin in ihrer Form nicht ok waren. Da gebe ich allen Kritikern recht. Er hätte sich auch diplomatischer ausdrücken können, was allerdings noch nie seine Stärke war. Nur wissen wir auch zu gut: Was keinen Skandalcharakter hat, hat auch keinen Platz in öffentlichen Diskussionen…

Für weitere Lektüre empfehle ich http://www.faz.net/s/Rub7FC5BF30C45B402F96E964EF8CE790E1/Doc~E2F10E2D4317B4DABACE0288DC76CC092~ATpl~Ecommon~Scontent.html

13 10 2009
plasmaoxyd (18:29:27) :

Zitat Herr Sarrazin: „Äußerungen gewinnen immer dann ihre Dynamik, wenn sie den Kontext verlassen. Aber ich kann doch nicht jedes Mal, bevor ich irgendetwas sage, darüber nachdenken, wie es wo ankommen könnte.“
Wenn man an seiner Position mit solch einer nicht nur wirtschaftlichen, sondern auch moralischen Verantwortung nicht nur nicht in der Lage ist, seine Aussagen unbeleidigend zu verpacken, sondern in ihrem Inhalt auch noch seine Mitbürger diskriminert, kann er die Verantwortung seiner beruflichen Position nicht tragen.

Seine Äußerungen waren in ihrer Form, und auch in ihrem Inhalt nicht in Ordnung. Selbst wenn dieser Satz aus dem Kontext gerissen ist – schon wenn er so alleine da steht sprüht er vor Menschenverachtung. “Kleine Kopftuchmädchen produzieren” … Das zeigt nicht nur, dass dieser Mensch vor den religiösen Gefühlen anderer Kulturen
keinen Respekt hat, sondern auch, dass der nette Bundesbank-Thilo muslimische Kinder als Menschen zweiter Klasse betrachtet. Kinder werden nämlich nicht produziert, sie werden geboren. Egal ob die arabische, türkische oder palästinensische Eltern haben. So redet man nicht über Menschen, selbst wenn das ganze Land der Meinung sein sollte, diese Kritik sei berechtigt!
Solche Aussagen schüren nichts weiter als Hass – und wenn jemand anderer Ansicht ist … helfen bei der Integration von Migranten tun solche Aussagen mit Sicherheit nicht. Sowas wirkt nur kontraproduktiv. Leidiges Thema der fehlgeschlagenen Integrationspolitik. Und wenn es noch so leidig sein sollte; man löst es nicht mit diskriminierenden Aussagen.

Es gibt Ausländer in der Berliner Peripherie mit sozialen Problemen, und genauso gibt es dort und in ganz Deutschland auch mindestens soviele arbeitslose Deutsche, welche von dem aufgefangen werde, worauf ich stolz bin, dass es sowas in Deutschland gibt: Finanzielle Unterstützung für
sozial Schwache. Dieses Recht haben alle Bürger dieses Staates.

Ich schere nicht alles über einen Kamm. Aber Thilo Sarrazin tut es sehr gerne.

15 10 2009
JCD (00:26:54) :

Soll jeder, der sich im Wort vergreift, für berufsunfähig erklärt werden? Aufgrund seiner Äußerungen auf seine Fähigkeit zu schließen, (wirtschafliche) Verantwortung in seinem Ressort zu übernehmen, halte ich für tollkühn.
Und natürlich wird alles über einen Kamm geschert. Er spricht nicht von allen Migranten, sondern einem Teil. Der komplette Satz lautet: “Ich muss niemanden anerkennen, der vom Staat lebt, diesen Staat ablehnt, für die Ausbildung seiner Kinder nicht vernünftig sorgt und ständig neue kleine Kopftuchmädchen produziert.” Wie gesagt, die Wortwahl ist provozierend, ok. Aber es geht hier in diesem Satz um Integrationsunwillige und nicht um jeden x-beliebigen Araber oder Türken. Und die Frage ist doch tatsächlich: Muss ich jemanden dulden, der hier in unserem Staat leben und von diesem profitieren will, aber nicht bereit ist sich zu integrieren? Muss ich diese
Menschen finanziell unterstützen? Ja muss ich ihnen hier in unserm Land einen Platz zum Leben anbieten? Ist so jemand ein Bürger unseres Staates? Sicher nicht! Und dass wir uns nicht falsch verstehen: Es geht hier um Integrationsunwillige und um keine “Durchschnittsmigranten”.

Ich gebe dir recht, dass Sarrazins Aussagen zwar nicht bei der Integration helfen, aber sie weisen zumindest auf immer noch ungelöste Probleme hin. Wer redet denn von fehlgeschlagener Integrationspolitik? Wer gibt ihr Priorität? Wer bietet Lösungen? Da brüstet man sich mit lieber mit “Erfolgen”, wenn man es nach Jahren endlich mal geschafft hat, Sprachkurse für Migranten anzubieten. Aber wer spricht von den schwierigen Fällen?

Man kann über Sarrazins Äußerungen denken, wie man will. Letztlich kann aber jeder froh sein, dass er das Thema Integration wieder ins Bewusstsein gerückt hat. Es ist Zeit, der Wahrheit ins Auge zu blicken. Nämlich endlich anzuerkennen, dass es auch Problemfälle gibt und gegen diese
auch etwas unternommen werden muss. Durch abwarten verschärft sich alles nur weiter. Wer weiß denn auch schon, wie viele es von diesen Problemfällen wirklich gibt?

Deutschland muss sich endlich entscheiden. Entweder man besinnt sich und fördert Integration, verlangt dann aber auch von jedem Migranten Bereitschaft sich zu integrieren (wozu auch verbindliche Sprachkurse gehören) oder man lässt alles so laufen wie bisher, in der Hoffnung alles wendet sich zum Besten, und verleugnet, dass Parallelgesellschaften und Integrationsunwillige existieren. Es muss sich endlich was bewegen, damit unsere Gesellschaft wieder stabilisiert wird. Denn stabil ist sie schon längst nicht mehr.

7 11 2009
plasmaoxyd (18:54:29) :

*TUUUT*
(Wurde im RL ausdiskutiert ^^)

18 08 2010
Joey B. (15:29:25) :

Ich finde solche Diskussionen ja immer wieder sehr anregend, denn wie bereits gesagt: Man kann nicht immer auf Sonnenschein hoffen und nur abwarten. Was ist denn, sofern mir die Frage gestattet ist, eigentlich bei eurer Diskusion raus gekommen?

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