Bruno

28 11 2006

Wenn flehende Augen brennen könnten – ihre Augen würden mit licherlohen Flammen bizzare Schatten auf die Tapete mit den Clowns und glubschaugigen Äffchen werfen.
Tränen waren zu ihrem zweiten Ich geworden. Sie wischte sie schon nicht mehr fort.
Nur Bruno fing sie auf. Bruno mit seinem braunen und weichen Fell. Schon immer hatte er diesen Waschmittelgeruch, den er nicht mehr los wurde, doch er gefiel ihr. Es war Brunos Geruch, so war Bruno. Sein Geruch änderte sich nicht. Auch nicht die runden Augen aus Glas oder der eingenähte Mund.
Sie konnte ihn immer in den Arm nehmen.

Wie Mama und Pappa, als ihre Mutter noch manchmal ihren Teddy in die Waschmaschine gesteckt hatte. Die Kleine konnte ihn für diese Zeit entbehren, denn schließlich würde er danach wieder so frisch und süß riechen – so wie sie es mochte.
Früher wurden die raren Tränen die Bruno aufzufangen hatte noch ausgewaschen. Jetzt, wo es noch mehr Tränen geworden
waren, wurde das Kuscheltier diese vielen Zeugen von Trauer überhaupt nicht mehr los.

Es tat ihrer Freundschaft keinen Abbruch.
Irgendwann würde sie mit Bruno zusammen die Koffer packen. Sie würden mit dem Zug über die Berge fahren, weit weg.
Vielleicht würden sie sogar heiraten, im Teddybärenland.
Vielleicht.

Da krachte es im Wohnzimmer. Sie stritten wieder.
Von Angst und Verzweiflung gepackt umklammerte sie wieder Bruno und versteckte sich unter der Bettdecke.

Bruno würde diese Nacht wieder viele Tränen auffangen müssen.


Ich würde gerne ...

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